Serientäter

«Polar Park - Eiskalte Morde» Kritik: Das französische «Castle»?

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Ein erfolgreicher Krimiautor mit Schreibblockade wird im kältesten Dorf Frankreichs zum Hobbyermittler und Ärgernis für die Polizei. Während die thematische Ähnlichkeit zum amerikanischen Krimihit «Castle» sofort ins Auge fällt, beschreitet der Franzosenkrimi doch eigene Wege.

Mouthe, den kältesten Ort Frankreichs. David Rousseau, Pariser Krimi-Bestsellerautor begibt sich nach einem Schreiben Bruder Giacomos, der einst seine Mutter gut kannte, zum Kloster des kleinen Dorfes. Doch er kommt zu spät und kann nur noch der Beisetzung des Mönches beiwohnen. Eine mysteriöse Mordserie, mit einer Leiche samt abgeschnittenem Ohr im Stile von Van Gogh oder einer Frauenleiche geschminkt und gekleidet wie Marilyn Monroe, sowie einer verzwickten Familiengeschichte, verleitet den Krimiautoren allerdings zum Bleiben und auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Denn was liefert besseren Stoff für einen neuen Roman als ein kunstverliebter Serienkiller im eisig-verschneiten 900 Seelen Dorf Mouthe?

Mit typisch französischem Charme und einer Brise trockenen Humors stürzt sich Rousseau in die Ermittlungen. Insbesondere die kleine Polizeibehörde samt überfordertem Ermittler, zeigt allerdings wenig Begeisterung für die Bemühungen des engagierten Krimiautoren, der mit wechselndem Erfolg die Spur des Killers verfolgt. Relativ schnell wird hier deutlich, dass sich «Polar Park», wenn auch thematisch ähnlich, stilistisch deutlich von einer amerikanischen Hollywoodproduktion wie «Castle» unterscheidet. Die Serie wirkt zu großen Teilen, wie aus der Zeit gefallen. Ohne den Einsatz von Handys und Computern, könnte sie auch etwa aus den 90er Jahren stammen. Diese Bodenständigkeit erzeugt kombiniert mit dem eisigen Ambiente ein ganz eigenes Flair, das an die klassische Krimischule erinnert.

Die Handlung von «Polar Park» mag nicht überaus originell daherkommen, doch schafft es die Serie ohne großes Spektakel eine effektiv strukturierte, traditionelle Krimigeschichte auf den Bildschirm zu bringen, die das Verhältnis zwischen ruhigeren, teilweise mit feinem Humor gespickten Szenen und spannenden Thrillerelementen so alterniert, das kaum Langeweile aufkommt. Schauspielerisch hilft das eher trockene Auftreten der Protagonisten, dem Geschehen eine gewisse Seriosität, weit entfernt von den Slapstickeinlagen einiger anderer französischer Produktionen, zu vermitteln. Der Krimi steht an erster Stelle, die Komödie mit dem Daumen auf dem Salzstreuer fein dosiert erst an zweiter.

«Polar Park - Eiskalte Morde» kann beinahe als zu massentauglich bezeichnet werden, um beim kleinen Kultursender Arte auf Sendung zu gehen. Der Sechsteiler mag zwar für jenes Zielpublikum konzipiert sein, dem die überladenen Hochglanzproduktionen aus dem Hause Hollywood schlicht zu viel des Guten sind. Doch als europäischer Krimi mit nordischen Einflüssen liefert die Miniserie dem anvisierten Zielpublikum durchweg überzeugende Primetimeunterhaltung.


«Polar Park - Eiskalte Morde» ist seit dem 25. Oktober 2023 in der ARTE-Mediathek abrufbar. Die lineare Ausstrahlung bei ARTE erfolgt am Donnerstag, den 2. November, ab 20.15 Uhr mit den ersten drei Episoden, die Folgen vier bis sechs gehen eine Woche darauf am Donnerstag, den 9. November zur selben Uhrzeit auf Sendung.

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