Serientäter

«Obi-Wan Kenobi»: Tolle Schauspieler, schwaches Drehbuch

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Ewan McGregor kehrte in diesem Jahr als Obi-Wan zurück. Doch viele Abenteuer werden dem Charakter zu leicht gemacht, da das Imperium verdummt.

m Mai 2022 erschien die erste Staffel von «Star Wars: Obi-Wan Kenobi». Viele Fans hatten die von Regisseurin Deborah Chow inszenierte Mini-Serie mit sechs Teilen heiß herbeigesehnt. Nach der Erscheinung zeigten sich die Zuschauermeinungen wie so oft geteilt. Es gab Lob, harsche Kritik und viele Bekundungen, dass die Serie allenfalls als Mittelmaß durchgeht. Und Mittelmaß - das sei auch dieser Serienkritik schon einmal vorweggenommen - trifft es am besten. Beim Zuschauen fühlt man sich zwar gut unterhalten, kommt aber am Ende zu dem Fazit, dass der Anspruch, den man an das Produkt «Star Wars» stellt, oft nicht gehalten wird.

Die Handlung der Serie setzt nach dem Inkrafttreten der Order 66 und der Vernichtung des Jedi-Ordens ein. Chronologisch ist die Serie zehn Jahre nach «Die Rache des Sith» und neun Jahre vor «Krieg der Sterne» einzuordnen. Obi-Wan Kenobi musste ins Exil flüchten und lebt seitdem unter dem Decknamen Ben auf dem Planeten Taooine, der nahezu ausschließlich aus Wüste besteht. Ben führt dort ein armseliges Leben als geschundener Fabrikarbeiter. Doch das Imperium, in Form einiger böser Inquisitoren, ist nicht müde, die gesamte Galaxie nach noch nicht vernichteten Jedi-Rittern zu durchsuchen. Und so gerät auch Ben auf Tatooine in Gefahr. Dann bittet ihn ein alter Freund, seine entführte Ziehtochter Leia Organa, besser bekannt als Prinzessin Leia, zu retten. Obi-Wan beschließt seine Tarnung fallen zu lassen und tritt erneut in den Kampf gegen das Imperium und seinen einstigen Schüler Anakin, bekannt auch als Darth Vader. Seine Hauptantagonistin wird jedoch die Inquisitorin Reva Sevander. Diese will Obi-Wan einfach nur tot sehen. Über die sechs Folgen erstreckt sich eine wilde Hetzjagd, in der sich der Held bemüht, die Prinzessin zu befreien. Er stellt sich dabei so manchem Kampf und begegnet so manchem Charakter. Die einen helfen ihm, die anderen sind gegen ihn.

Fangen wir mit den gerade erwähnten Nebencharakteren an: Sie bleiben allesamt blass, sind schwach gezeichnet und legen so manches Mal ein Verhalten an den Tag, welches für die Zuschauer kaum nachvollziehbar ist. Der Charakter Leia wiederum zeigt sich als sehr nerviges Wesen, welches immer wieder mit besserwisserischem Verhalten negativ auffällt. Leider gibt es auch einige Szenen, in denen sich Obi-Wan aus Gefahren befreit, die sehr unglaubwürdig oder unlogisch zusammengestrickt wirken. Es entsteht der Eindruck, dass das mächtige Imperium einfach zu blöd oder gar nicht willens ist, den Jedi-Ritter zu fangen oder zu eliminieren. Oft hat dieser mehr Glück als Verstand, um sich aus seinen misslichen Lagen zu befreien. Und das verärgert einfach nur. Zudem kommen immer wieder unnötige Längen hinzu. Die Spannung baut sich nur selten richtig auf. Vielleicht hätten vier Teile ausgereicht.

In der Titelrolle ist der altbekannte Ewan McGregor zu sehen, der auch als Produzent fungierte. Zuletzt war er vor 17 Jahren als gleicher Charakter in der Rache der Sith zu sehen. Als Schauspieler macht er erneut einen guten Job, und hat der Figur Obi-Wan einiges an Leben eingehaucht. Etwas schwächer, aber im Prinzip durchaus solide, kommt Hayden Christensen als Anakin Skywalker daher. Leia Organa wird von Vivien Lyra Blair gespielt. Ihr fällt es aufgrund der bereits beschriebenen nervigen Art schwer, die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. Und auch Moses Ingram, die die Rolle der Reva übernimmt, kann man bestenfalls eine durchschnittliche Performance bescheinigen. Fakt ist, dass alle unter einem schwachen Drehbuch leiden.

Technisch ist inzwischen viel mehr möglich als noch in den 70er-Jahren, als «Star Wars» das Licht der Welt erblickte. Aber auch aus technischer Sicht wurde nicht alles herausgeholt, was machbar ist. Die Sets wirken manchmal sehr künstlich, einfach wie am Computer generiert und ohne große Liebe zum Detail. Gerade die Basis der Inquisitoren enttäuscht maßlos. Ein Lichtblick sind die Kostüme der Darsteller, und auch bei der Musik gibt es nichts zu meckern. Diese wirkt phasenweise wirklich epochal. Alle Stücke stammen von der britischen Komponistin Nalalie Holt. Die einzige Ausnahme bildet das «Obi-Wan Kenobi»-Theme, welches aus der Feder von John Williams stammt, der sich für die Musik in allen Star-Wars-Filmen aus der Hauptreihe verantwortlich zeichnet.



Fazit: «Star Wars Obi-Wan Kenobi» kann man sich anschauen. Wenn man es nicht tut, und das auch als echter Fan, verpasst man jedoch nicht viel. Wie bereits eingangs gesagt ist diese von Lucasfilm und Disney produzierte Serie allenfalls Mittelmaß. Gut wäre ein besseres Drehbuch mit einfallsreicheren Handlungen und Dialogen gewesen, und vielleicht hätte der große Filmkonzern ein paar Hunderttausend Dollar mehr investieren sollen, um etwas Packenderes zu produzieren.

«Obi-Wan Kenobi» ist bei Disney+ erhältlich.

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