Interview

Anja Kling: ‚Eine tolle Kindergeschichte‘

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Inzwischen wurde mit der 51-Jährigen eine ganze Trilogie gedreht, in der Freunde oder Kinder geschrumpft werden.

Eigentlich wollte Anja Kling (51) Ärztin werden, doch das Schicksal meinte es anders. Denn ihre Schwester Gerit Kling gab ihr den Rat, sich für Filmrollen zu bewerben und mit 18 stand sie dann für den DDR-Film «Danke für die Blumen» erstmals vor der Kamera. Nach der Wende nahm ihre Karriere dann so richtig an Fahrt auf. Mit Filmen wie «(T)raumschiff Surprise», «Wo ist Fred?» oder «Hanni & Nanni» eroberte die gebürtige Potsdamerin schließlich auch die Leinwand. 2015 spielte sie in «Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft» spielte sie erstmals Direktorin Dr. Adelheid Schmitt-Gössenwein, die von einem ihrer Schüle auf Stecknadelgröße geschrumpft wird. Nun folgt mit «Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft» der dritte und letzte Teil der Fantasy-Kinderfilmserie, wieder mit Anja Kling.

Sie sind in «Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft» als Schulrektorin Dr. Adelheid Schmitt-Gössenwein dabei. Was gefällt Ihnen an dieser Filmserie?
Ursprünglich war es gar nicht geplant, dass es so ein dreiteiliges Event werden würde. «Hilfe, ich ha meine Lehrerin geschrumpft» war 2015 der erste Film und basierte auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Sabine Ludwig. Schon damals empfand ich das als eine tolle Kindergeschichte mit einer wunderbaren Rolle für mich. Aus dem Erfolg des ersten Films haben sich dann zwei Fortsetzungen ergeben.

Mal ehrlich, wen würden Sie gern mal auf Miniformat schrumpfen?
Da gab es in meinem Leben bestimmt schon einige (lacht). Immer wenn dich jemand ärgert, denkt man doch, irgendetwas würde ich dem jetzt gern antun, ohne ihn umzubringen, versteht sich. Bis vielleicht auf Trump während seiner Regierungszeit fällt mir aber keiner namentlich ein, den ich gern mal schrumpfen würde.

Nun steht bei uns die Wahl vor der Tür. Da fallen einem bestimmt auch noch einige deutsche Politiker ein…
Ja, wobei ich andererseits auch ganz großes Mitleid mit denen habe. Ich denke, den Job möchte ich auch nicht machen. Meine Haltung ist da sehr ambivalent.

Besonders jetzt in Zeiten der Pandemie. Wie gut haben Sie den Lockdowns verkraftet?
Am meisten habe ich mit unseren Kindern gelitten. Bestimmt sind nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen worden. Aber ich kann das nicht verteufeln. Es ist auch schwierig, darüber entscheiden zu müssen. Manche Maßnahmen wirkten absurd, aber ganz ohne wäre es auch nicht gut gewesen.

Wie nehmen Sie momentan die Stimmung nach dem schweren Lockdown wahr?
Ich glaube, es herrscht eine große Verunsicherung was Politik, Maßnahmen und Pandemie betrifft. Ich empfinde das nicht nur als Missstimmung, sondern, wie gesagt, als Verunsicherung. Ich weiß auch zum ersten Mal nicht, was ich am 26. September wählen soll. Ich glaube aber, dass geht ganz vielen so. Es ist wirklich eine schwierige Zeit.

Was würden Sie sich vor allem für die Kinder wünschen, die unter der Pandemie besonders zu leiden haben?
Ich kann nur alle Menschen bitten, sich impfen zu lassen. Diese Skepsis, die manche haben, kann ich nicht verstehen, denn unsere Kinder haben sich ein Jahr lang zu Hause hingesetzt, sind nicht zur Schule gegangen und auf jeden sozialen Kontakt verzichtet aus Rücksicht auf uns ältere, um uns zu schützen. Wir alle haben jetzt die Pflicht, unseren Kindern wieder mehr Freiheiten zu gewähren, und das geht nur, wenn sich die Leute impfen lassen. Ich finde es grauenhaft, wenn jeder einzelne nur an sich denkt.

Wie erlebten Ihre eigenen Kinder diese Zeit?
Ich habe eine 17-jährige Tochter, die ein Jahr mehr oder weniger zu Hause war. In diesem Alter ist es aber meiner Ansicht nach besonders wichtig, rausgehen zu können, sich zu treffen, sich zu vergleichen, sich zu streiten und sich zu verlieben. Wenn das alles komplett wegfällt, ist das zwar nicht lebensbedrohlich, dennoch hat es mir sehr leidgetan.

Im Film haben Sie es mit Darstellern zu tun, die Sie als Kinder kennengelernt haben und nun fast erwachsen sind…
Deshalb wird diesmal auch eine leise Liebesgeschichte unter Jugendlichen erzählt. Ich finde das sehr schön umgesetzt und auch gut gespielt, vor allem von unserem Oskar Keymer, der beim ersten Film um die elf Jahre alt gewesen sein muss. Und jetzt stehen junge Männer und Frauen vor einem, und man selber findet, dass man gar nicht älter geworden ist. Das ist schon ein komisches Gefühl (lacht).

Ist denn auch schon ein vierter Teil in Planung?
Das glaube ich nicht. Denn die Kinder von einst sind jetzt tatsächlich zu groß geworden, und ich kann mir vorstellen, dass sie auch noch an anderen Rollen interessiert sind, um ihre Karrieren weiterzuführen.

Apropos Karriere, Sie wollten ursprünglich einen ganz anderen Beruf ergreifen und Ärztin werden. Haben Sie den Schritt zur Schauspielerei je bereut?
Nein, denn ich bin sehr glücklich mit meinem Beruf, aber nach wie vor wäre ich auch gern Ärztin geworden. Manchmal denke ich auch, ich hätte auch beides schaffen können, aber auf diese Idee kam ich schlicht nicht. In der DDR musste man sich immer entscheiden. Entweder, oder, man konnte nicht mehrere Dinge auf einmal machen. Deshalb hatte ich mich für die Schauspielerei entschieden.

Interessieren Sie sich denn noch für medizinische Themen und Zusammenhänge?
Total! Es ist schon eine Ärztin an mir verloren gegangen und ich habe auch immer eine Diagnose für alles (lacht). Ich wollte einfach einen helfenden Beruf haben und glaube, das war meine Motivation.

Suchen die Leute bei Ihnen medizinischen Rat?
Nein, natürlich nicht. Ich bin ja nicht wirklich Ärztin. Nur innerhalb meiner Familie bin ich ein gut ausgestatteter Medizinschrank-Mensch, der für jeden Notfall immer alles griffbereit hat und versucht, schnell zu erforschen, warum was wehtut. Aber das ist alles nicht zu ernst zu nehmen.

«Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft» sowie die anderen Filme können online geliehen werden.

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