Serientäter

«Neue Geschichten vom Pumuckl»-Kritik: Ein gelungenes Nostalgiefest

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Mit KI-Stimme und ganz viel Liebe zum Detail wird eine der bekanntesten Kinderserien aus den 70er und 80er Jahren neu zum Leben erweckt.

Alles was irgendeinmal erfolgreich war kommt irgendwann wieder. Gerade im Bereich Film und Fernsehen ist dies allerdings in den wenigsten Fällen ein Grund zum Jubeln. Allzu häufig wird lediglich versucht aus großen Marken Kapital zu schlagen, ohne auch nur ansatzweise replizieren zu können, was den Erfolg dieser damaligen Herzblutproduktionen ausmachte. Angefangen bei unliebsamen 3D-Animationen, die zwar wie bei «Die Biene Maja» oder «Wickie und die starken Männer» irgendwie an die Originalfiguren erinnern, aber letztlich nur wie schwache Imitate des Originals ohne Seele wirken.

«Neue Geschichten vom Pumuckl» bildet hier eine der ganz seltenen Ausnahmen. Von der originalen Titelmusik, über den detailgetreuen Wiederaufbau der alten Werkstatt bis zur bayrischen Herzlichkeit der agierenden Figuren wirkt diese neue Serie nie wie ein Revival, sondern kann als echte Fortsetzung anerkannt wirken, die nach einer über 30-Jährigen Erzählpause schlicht weitererzählt wird. Der Titel der Serie könnte daher nicht treffender sein, die Geschichten sind neu, der kleine Kobold Pumuckl hingegen ist zeitlos. Er sieht ohne lästige, neuartige 3D-Animation nicht nur so aus, wie ihn Fans des Originals in wohliger Erinnerung haben, dank moderner Computertechnologie klingt der kleine Störenfried auch genauso wie damals. Die unverkennbare Stimme von Hans Clarin konnte mithilfe künstlicher Intelligenz zu neuem Leben erweckt werden, was überaus authentisch gelungen ist.

Alles also ganz beim Alten? Nicht ganz, denn den Meister Eder, der beim Original noch prominent zusammen mit seinem Kobold im Titel erwähnt wurde, der ist eben nicht eins zu eins ersetzbar. Der etwas füllige, gutherzige Schreinermeister in Latzhose prägte das Bild dieser Zunft wie kein anderer. Mit Stemmeisen und Hammer in der Hand, wurde er über Generationen zum Archetyp des alten, erfahrenen Schreiners. Gustl Bayrhammer war als Meister Eder der eine Teil des Erfolgs des Originals, doch diese großen Schuhe müssen jetzt von Florian Brückner gefüllt werden, der als Neffe des Altmeisters die Werkstatt übernimmt. Mit der Figur des Florian Eder setzt sich die Serie damit auch am ehesten vom Original ab, denn die Ruhe, Gelassenheit und Weisheit der altbekannten Figur kann und soll hier gar nicht repliziert werden. Doch der Wechsel zu einem jüngeren Protagonisten gelingt trotzdem, denn die Figur tritt grundsympathisch auf und bringt durch seine vergleichsweise Unerfahrenheit auch neuen Wind in die Serie.

Hans Clarin und Gustl Bayrhammer dürften stolz, von wo auch immer sie jetzt zuschauen, auf diese neue und gleichzeitig auch alte Pumucklserie hinabblicken. Selten wurde mit so viele Liebe und Hingabe zum Detail seitens der Verantwortlichen gearbeitet und letztlich etwas geschaffen, was Generationen vor den Fernsehgeräten zusammenbringen und gleichermaßen Freude bereiten dürfte. Chapeau!

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