Serientäter

«The Good Doctor»: Der Drops ist gelutscht

von   |  5 Kommentare

Drei Monate schickte ABC seine Drama-Serie aufs Abstellgleis. Die Serie ist in der Produktionshölle gefangen. Die Fortsetzung mit Staffel sechs macht das Drama nicht besser.

Südkoreanisches Fernsehen hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem westlichen System. Fast alle Formate, sei es mit 20, 50 oder 100 Episoden, werden im Vorfeld geplant und entsprechend im Voraus produziert. Sowohl das öffentlich-rechtliche Fernsehen als auch die privaten Sender des Landes sind in einem ständigen kreativen Austausch und neue Formate werden kontinuierlich entwickelt und produziert.

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist das alte Network-Fernsehen weiterhin an der Tagesordnung. Serien werden von Staffel zu Staffel gedacht, Verträge mit Nebendarstellern und Gaststars bestimmen die Storylines und nicht etwa andersherum. Das hat zur Folge, dass es unschöne Abbrüche zwischen verschiedenen Seasons gibt. Oftmals werden Charaktere in einem Unfall herausgeschrieben oder tauchen kommentarlos nicht wieder auf. «The Good Doctor» ist leider in der typischen Produktionshölle angekommen, obwohl die Serie einst mit einem tollen Plot und klaren Helden und Antihelden startete.

Nicholas Gonzales, der Dr. Neil Melendez verkörperte, wurde am Ende der dritten Staffel bei einem Unfall getötet. Antonia Thomas, die Dr. Claire Browne spielte, unternimmt mit ihren Kollegen einen Hilfseinsatz in einem gu¬a¬te¬mal¬te¬kischen Krankenhaus, in der letzten Folge der Staffel bleibt sie zurück und scheidet dort aus. Das amerikanische Fernsehen gibt sich noch nicht einmal Mühe, die rassistischen Besetzungen einigermaßen zu verschleiern. Die Nebenrolle Dr. Jordan Allen, gespielt von Bria Samoné Henderson, ebenfalls mit einer dunklen Hautfarbe, ersetzt Thomas‘ Screentime.

«The Good Doctor» startete mit einem Zweiteiler über die Corona-Pandemie in Staffel vier, der Beginn der fünften Runde ist gelang zunächst ebenfalls. Eine Patientin namens Salen Morrison wird als Patienten in San Jose St. Bonaventure Hospital eingeliefert, deren Krankheit der „Fall der Woche“ ist. Nachdem der Fall gelöst wird, ergibt sich Salen zu erkennen und kauft das Krankenhaus in Windeseile. Dass das beim amerikanischen Publikum überhaupt nicht gut ankam, führte wohl auch zu einer dreimonatigen Sendepause. Die Produzenten wollten einen neuen Antihelden etablieren, doch der rücksichtslose Kampf der neue Klinikchefin war inhaltlich schwach, die Schauspielerin Rachel Bay Jones konnte dem Charakter keine Sympathie-Punkte geben.

Großartige Serien funktionieren aber mit liebenswürdigen Antagonisten, wie es schon Teile der Ärzte in Staffel eins waren. Damals war der von Freddie Highmore verkörperte Shaun Murphy, der als Autist im Operationssaal arbeitet, fast jedem Mitarbeiter ein Dorn im Auge. Zwar mag sich Murphy im Krankenhaus etabliert haben, seine Rückfälle in sein autistisches Verhalten sind allerdings wie zu Beginn der Serie – und keiner in der Klinik nimmt es inzwischen übel. Daher musste man Selen kreieren, die «The Good Doctor» den nötigen frischen Wind geben sollte. Doch das Hauptproblem der neuen Chefin ist es, dass sie keinen positiven Part hat. Das Einmaleins des Antagonisten ist es, dass auch er stets ein Motiv hat, warum er seine Ziele verfolgt.

Bei Selen und ihrem Medizinkonzern ist es das reine Einsparpotenzial, um aus dem Krankenhauskauf Gewinn zu schöpfen. Das hätten aber die Autoren wissen müssen, dass dies das Publikum nicht wohlwollend aufnehmen würde. Nach Folge sieben mussten die Zuschauer drei Monate auf neuen Stoff warten, dann entpuppte sich die Übernahme als noch nicht rechtskräftig und die Ärzte schlossen sich zusammen, um den Erwerb aus öffentlicher Hand rückgängig zu machen. Rolle rückwärts im Namen der Fans?

Was ist los bei ABC Signature? Die Autoren liefern bei «The Good Doctor» inhaltlich nur noch mittelmäßige Ware ab. Das Format startete einst mit klaren Konflikten über einen Autisten und stellten die Frage, ob Shaun Murphy alleine operieren könnte. Das ist alles inzwischen beiseite gewischt worden. Allein in der vierten Staffel begannen Shaun und Lea eine Beziehung, danach wurde sie schwanger und verlor das Baby. Lea ist zunehmend in der Technik des Krankenhauses tätig, stoppt Hackerangriffe und ist Teil der Anti-Selen-Gang. Große Themen wie Hochzeiten werden beiläufig erzählt, stattdessen müssen diese Themen den vielen anderen Handlungensträngen weichen – ehe am Ende der Folge wieder alles wunderbar ist. Es ist inzwischen zum Haare raufen, was David Shore und sein Team abliefern.

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Stargamer
16.06.2022 16:57 Uhr 1
"Es ist inzwischen zum Haare raufen, was David Shore und sein Team abliefern. "



Das gilt auch für Quotenmeter und seine Artikel, dieser ist wieder so ein Beispiel:



"der Beginn der fünften Runde ist gelang zunächst ebenfalls."



"Eine Patientin namens Salen" "ergibt sich Salen zu erkennen" "Bei Selen" "Teil der Anti-Selen-Gang"



"Das Format startete einst mit klaren Konflikten über einen Autisten und stellten die Frage,"
silvio.martin
16.06.2022 18:16 Uhr 2
Alter Verwalter,ist das einfach nur noch peinlich. Merkt ihr eigentlich überhaupt noch irgendetwas? Das kann euch doch nicht völlig egal sein, was hier teilweise für sinnfreie Sätze veröffentlicht werden.



Danke Stargamer, muss mir den Artikel gar nicht durchlesen, hab dann genug zu lachen, wenn ich Deinen Post lese.
Torsten
16.06.2022 18:36 Uhr 3
Langsam stimme ich euch zu. Es kommt mir auch langsam so vor, als wenn es Quotenmeter wie Hermes macht. Leute einstellt die gerade mal ein paar wenige Sätze Deutsch können. OK, Sorry, dass ist vielleicht etwas übertrieben, aber ist es nicht so, dass man sich einen Artikel nochmal durchliest, bevor man ihn veröffentlicht? Das sollte man doch zumindest einmal tun.
w.n.
17.06.2022 11:04 Uhr 4
Bezeichnet dass der Artikel vom Chef persönlich stammt, man sagt ja nicht umsonst: "Der Fisch stinkt vom Kopf".
Stargamer
17.06.2022 11:39 Uhr 5
In diesem Fall hat der Einstellende ja schon das Problem mit der deutschen Sprache, denn der hat diesen Artikel verpasst. Von daher ist es dann nicht verwunderlich wenn das Problem nicht kleiner sondern eher größer wird.


Bei ordentlicher Arbeit und Journalismus ja, hier nicht.



Ausreden, warum man das nicht macht bringt der Artikelautor und Chef bestimmt gerne.

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