Serientäter

«You – Du wirst mich lieben» Staffel 2: Diesmal wird alles anders …

von   |  2 Kommentare

Joe Goldberg ist zurück, diesmal in Los Angeles. Und natürlich trifft er innerhalb kürzester Zeit die nächste große Liebe seines Lebens. Seine Vergangenheit holt ihn allerdings schneller ein, als ihm lieb sein kann, jedoch ist das wohl so …als Mörder.

Wer auffallen will, hat bekanntermaßen gute Chancen, sein Ziel zu erreichen, wenn er etwas Provokantes macht. Aber was ist in einer Zeit, in der sich Filme, Serien, Bücher, Comics oder Videospiele immer mehr trauen, noch wirklich provokant? Dies gilt nicht erst seit 2019, sondern galt auch bereits 2015, als Caroline Kepnes mit „You – Du wirst mich lieben“ den Roman veröffentlicht hat, auf dem Staffel 1 des einst auf Lifetime erstausgestrahlten Formats basiert. Weltweite Bekanntheit erlangte es allerdings erst als Teil des globalen Netflix-Portfolios. Die zweite Season wird unter anderem deshalb auch als Netflix Original ausgewiesen.

Um das Thema „Stalking“ kreisten bekanntlich schon unzählige Thriller oder Krimis. Wie gelang es diesem Werk also, so sehr aus der Masse hervorzustechen? Übrigens mit der Folge, dass sich unglaublich schnell eine riesige Fanbase entwickelte, die Staffel 2 bereits entgegenfieberte, als diese noch nicht einmal angekündigt war. Ein wesentlicher Faktor war ganz sicherlich das ungemein kluge Casting. Selten sorgte allein die Besetzung der Hauptrolle dafür, dass eine im Wesentlichen nur gekürzte, jedoch (vermeintlich) nicht wesentlich veränderte Geschichte auf das lesende Publikum deutlich anders wirkte als auf das vor dem heimischen Bildschirm zuschauende.

In der Buchversion hat man nur Joe Goldbergs Gedanken – von Anfang an – und weiß deswegen in jeder Sekunde, wie er Situationen, Dinge oder Menschen beurteilt. Man weiß, wie er sich und die Welt sieht, weshalb die Autorin es uns nahezu unmöglich macht, ihn sympathisch zu finden. Schließlich sind wir Zeuge, wie er jede seiner Handlungen rechtfertigt und wie er stets eine Erklärung dafür findet, warum alles, was er tut, zwar auch in seinem, aber in erster Linie in Guinevere Becks – kurz Beck – Sinne ist. „Erschwerend“ kommt hinzu, dass er über sein Aussehen nur wenige Worte verliert – und wenn, dann logischerweise nicht direkt in Form einer Lobesarie auf sich selbst. Daher ist es nur schwer vorstellbar, dass der Mann, den sich die Buchkäuferinnen und Buchkäufer vorstellen, auch nur ansatzweise so aussieht, als könne er zumindest den Anschein erwecken, ein angenehmer Zeitgenosse zu sein. Die Konsequenz: Der Roman lebt primär davon, dass man maximal mutmaßen kann, was als Nächstes passiert, denn Joe, das lernt man recht schnell, ist eine Menge zuzutrauen.


Der fehlende Perspektivwechsel sorgt allerdings irgendwann unweigerlich dafür, dass das Dargebotene etwas eintönig wird und der Protagonist außerdem mehr und mehr an Bedrohlichkeit verliert, obwohl seine Vergehen schwerwiegender werden. Selbst Überraschendes ist ab einem Punkt X nicht mehr dem Wortsinne nach richtig „überraschend“, weil der wohl durchtriebenste Buchhändler New Yorks gewissermaßen „erwartbar unberechenbar“ agiert. Ohne einen echten Gegenpart fehlt folglich eine dramatische Zuspitzung. Und dass stets in einem gleichmäßigen Tempo erzählt wird, ist in diesem Kontext natürlich auch nicht unbedingt hilfreich. Man kann diesen Ansatz wählen, muss sich jedoch dann sehr genau überlegen, wie viele Seiten das eigene Werk umfassen soll. Zumal Joes Alltag ebenfalls Teil seiner Gedanken ist, was zur Folge hat, dass über längere Passagen schlicht und und ergreifend wenig Bedeutsames passiert.



Bei der Serienversion dagegen sind die Ausgangsvoraussetzungen vollkommen andere, aber die Kernhandlung ist (von vereinzelten Ausnahmen abgesehen) identisch. Worin liegen also dann solch bedeutsame Unterschiede begründet, die die Adaption letztendlich zur besseren Umsetzung des Ausgangsstoffes machen? Nun, ganz einfach: In der Tatsache, dass die Streamenden diesen Joe Goldberg auch sehen, während er denkt – und (logischerweise) nicht nur ihn. Dadurch bekommt das Ganze selbstredend eine völlig andere Dynamik, da Handlung und Wirkung stets miterlebt und anschließend mit dem Kopfkino der Hauptfigur abgeglichen werden können. Und da man nun mit Sicherheit sagen kann, was sich vor ihm abspielt respektive ob er nicht vielleicht doch übertreibt und da sich die auf dem heimischen Sofa Sitzenden erstmals ein eigenes Bild von Beck, die von Elizabeth Lail verkörpert wird, machen können.

Das mag im ersten Moment unspektakulär und nicht sonderlich erwähnenswert klingen, hat allerdings weitreichende Konsequenzen für die Beurteilung des Präsentierten. Und maßgeblich dafür verantwortlich ist – wie gesagt – das gelungene Casting. Den Hauptcharakter mit einem Darsteller zu besetzen, der über Jahre in einer Serie mitgewirkt hat, deren Zielgruppe auch «You – Du wirst mich lieben» ansprechen dürfte, war schlicht ein brillanter Schachzug seitens der Macher Greg Berlanti, seinerseits unter anderem prägender Kopf hinter dem „Arrowverse“, und Sera Gamble («Supernatural», «Aquarius», «The Magicians»). Immerhin gehörte Penn Badgley von der ersten bis zur letzten Folge zum „Main Cast“ von «Gossip Girl», einem Format, dessen Fanbase bekanntermaßen beträchtlich ist. Der Akteur verkörperte jedoch nicht einfach nur Dan Humphrey, er war so viel mehr als das – vor allem aber war er „Lonely Boy/Einsamer Junge“. Derjenige, der wieder und wieder das Richtige und Vernünftige tat oder tun wollte und oftmals dafür nicht unbedingt belohnt wurde – dessen Handeln rückblickend allerdings aufgrund bestimmter Ereignisse noch einmal neu bewertet werden muss. Heißt: Die von dem US-Amerikaner dargestellte Figur hatte aus diesem Grund die Mitfiebernden fast über den gesamten Ausstrahlungszeitraum von «GG» auf seiner Seite.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, inwiefern sich die zweite Staffel von «You – Du wirst mich lieben» von der ersten unterscheidet.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Book
04.01.2020 13:17 Uhr 1
Wie kann man sich denn in epischer Breite über eine Serie auslassen und dann den Namen des Hauptdarstellers zweimal falsch schreiben? Peinlich!
F.K.
04.01.2020 14:23 Uhr 2
Das ist für Sie jetzt natürlich nicht überprüfbar, aber bei meiner finalen Korrektur heute Morgen hatte ich in beiden Fällen den Fehler verbessert, nur dann das Speichern vergessen - ich hatte den Namen nämlich zunächst aus dem Gedächtnis geschrieben. Daher bedanke ich mich für den Hinweis und wünsche noch ein schönes Wochenende.

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