Serientäter

«The Playlist»: Endlich eine Spotify-Verfilmung!

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Die zur Banijay-Gruppe gehörende Produktionsfirma Yellow Bird hat eine Serie über Spotify gedreht. Bevor die Serie allerdings in einem Meisterwerk endet, geht das Werk stillos unter.

Große Geschichten verdienen gute Serien. Mitte Februar 2022 brachte Netflix mit «Inventing Anna» eine hervorragende Geschichte über die deutsch-russische Hochstaplerin Anna Sorokin heraus. Hulu legte im März mit «The Dropout» nach, Amanda Seyfried verkörperte die Betrügerin Elizabeth Holmes, die Anleger blendete. Schon vor zwölf Jahren zeigte Erfolgsregisseur David Fincher, dass Wirtschaftsfälle ansehnlich auf Band gebracht werden können. Sein «The Social Network» zeigte den Aufstieg von Facebook und stellte den Gründer Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) vor. Für die Zuschauer war dabei nicht immer klar, was echt und was fiktional dazu gedichtet wurde.

Wer anders als die Schweden sollten auch die Geschichte von Spotify verfilmen. Die Serie «The Playlist», verfasst von Christian Spurrier, basierend auf dem Sachbuch „Spotify Untold“, beginnt schwach, wird zunehmend stärker und endet in einer Zukunft, die noch gar nicht geschrieben wurde. Der Reihe nach: Daniel Ek, verkörpert von Edvin Endre, ist der Protagonist der Geschichte von der Revolution des Musikbusiness.

In den Vereinigten Staaten von Amerika hatte sich die Plattenindustrie schon verändert. Mit Hilfe des iTunes-Store mussten nicht mehr teure Singles für fünf Euro erworben werden, sondern der Einzelkauf wurde möglich. Zeitgleich konnten User auch nur einzelne Stücke bei Apple erwerben, bislang musste man ein gesamtes Album in Handel holen. Die Idee war revolutionär, doch aus dem Land des schnellen Internets und der Piraten-Partei enstand die Torrent-Plattform ThePirateBay. Wer Zeit hatte, konnte mit diesem Dienst Geld sparen, um seine Musikbibliothek aufzuwerten. Mit dem passenden Virenschutz konnte jeder zum File-Sharer werden.

Spotify ging neue Wege: Erstmals drückte man auf „Play“ und ein Song musste nicht mehr heruntergeladen werden, sondern wurde sofort abgespielt. Um dies zu ermöglichen, wurde ein Trick angewandt. Die Files wurden verkleinert, die Qualität so heruntergestuft, dass man es nicht hören konnte und so war diese technische Revolution möglich. Mit einem Gratis-Angebot, einer Bezahlvariante und viel Investoren-Geld überlebte der Dienst gegen Apple und anderen Mitbewerbern, die aber keine Chance hatten.

«The Playlist» erzählt diese Geschichte in knapp viereinhalb Stunden – und dann dichtet man sich noch ein alternatives Ende an. Um die knapp 300 Minuten Geschichte in sechs gut verdaulichen Häppchen zu servieren, werden die Episoden aus verschiedenen Sichtweisen erzählt. Es beginnt mit Daniel Ek, der sich bei Google beworben hat und an seinem Geburtstag schließlich eine Absage erhält. Er programmiert daraufhin die eine Coupon-Plattform und veräußerte diese für zehn Millionen Euro.

Zusammen mit TradeDoubler-Chef Marton Lorentzon, der sein Unternehmen an Google verkauft, gründet er die Firma Spotify. Im Mittelpunkt der Serie stehen die Anfangsprobleme, die Musikrechte zu lizenzieren. Die beiden müssen sich nicht nur mit verschiedenen Plattenbossen (Folge 2) herumschlagen, sondern auch mit ihren Rechtsanwälten (Folge 3) und Programmierern (Folge 4). Das ist auch schon die Story der ersten vier Folgen.

Nachdem der Start der Serie üblich platt wie viele andere Serien agierte, kann man die Produzenten ansonsten keine Fehler der vier Folgen vorwerfen. Das Produkt ist wie Spotify, es ist übersichtlich geschrieben, jede Figur erzählt eine sinnvolle Geschichte, man verzichtet auf unnütze Liebesgeschichten und die Musikauswahl ist – wie es sich für eine Serie über die Musikindustrie gehört – stark. Die Requisiteure haben sogar alte Programme wie Winamp, die damalige PirateBay-Webseite nachgebaut und alte Betriebssysteme aufgestellt. Nachdem der Streamingdienst die ersten Probleme überwunden hatte, ging es in der Firmengeschichte auch stetig aufwärts. Zuletzt erreichte man 406 Millionen Kunden, 180 Millionen zahlende Kunden hatte man vorzuweisen. Die Finanzierung über die Börse war gesichert.

Mit der fünften Folge änderte sich das Setting: Nicht mehr Spotify stand im Mittelpunkt, sondern die Geschichte von Lorentzon wurde erzählt. Die Handlung springt mehrere Jahre in die Zukunft und das Publikum sieht Daniel Eks Hochzeit. Und hier kommen wir zum Thema, dass der ehemalige Mitgründer zum unsympathischen Typen umgebaut wird, «The Wolf of Wall Street» lässt an dieser Stelle mehrfach grüßen. Obwohl sich Lorentzon für Spotify ins Zeug legt, Gelder besorgt, soll unterbewusst eine schlechte Stimmung aufgebaut werden. Nachdem er sich mit Taylor Swifts Manager anlegt, sind seine Zeiten in der Firma vorbei.

Das Finale: Episode sechs springt in das Jahr 2023 und jetzt steht die Künstlerin Bobby T im Mittelpunkt, die trotz Spotify-Erfolg kein wirkliches Geld verdient. Sie und andere verstehen nicht, dass sie zu klein im Business ist. Doch darauf zielt die Serie nicht ab, die letzte Folge entwickelt sich zur Generalabrechnung zwischen der bösen Musikdienste, die zu wenig bezahlt, und den Künstler, die sich ausgebeutet fühlen. Obwohl Spotify Milliarden an seine Künstler weiterleitet, sind diese Geldströme für viele deutlich zu gering. Blicken wir in die Realität: Zahlreiche Bands sind über die Einnahmen ebenfalls enttäuscht, vergrößern aber mit dem Streamingdienst ihre Aufmerksamkeit und haben ein größeres Publikum bei Konzerten (Ach, Corona-Pandemie!) und verbessern ihre Merchandising-Einnahmen.



Die Serie lässt allerdings völlig außer Acht, dass Spotify seit Jahren erfolgreich sein Geschäftsmodell verändert hat. Der Audio-Streamingdienst hat erfolgreich Millionen von Podcasts eine Plattform geboten und hat zahlreiche exklusive Stimmen an sich binden können. Und hier kommt der Pluspunkt: Diese Podcasts, die beispielsweise 60 Minuten andauern, kosten dem Unternehmen fast gar nichts. Als reiner technischer Dienstleister ist man das Zuhause von Milliarden Stunden Audio, Personen wie Joe Rogan, Jan Böhmermann oder Olli Schulz runden das Angebot ab. Selbst Barack Obama hatte einen Vertrag mit Spotify. Diese Inhalte muss das Unternehmen nur einmal bezahlen und spart sich riesige Summen an Musiker auszubezahlen. Allerdings ist dieses Ende nicht so dramatisch, wie eine Anhörung in Washington D.C. zu inszenieren.

«The Playlist» ist seit Donnerstag, den 13. Oktober, bei Netflix zu sehen.

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Stargamer
17.10.2022 16:18 Uhr 1
"Doch darauf zielt die Serie nicht ab, die letzte Folge entwickelt sich zur Generalabrechnung zwischen der bösen Musikdienste, die zu wenig bezahlt, und den Künstler, die sich ausgebeutet fühlen."



Und dieser Satz hat sich zur Generalabrechnung mit der deutschen Sprache entwickelt... ;)
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