«Batgirl» wurde zur Chefsache, aber genau solche Entscheidungen bereiten der Zukunft der Comic-Marke große Probleme. Man möchte gerne von Marvel lernen, ohne Führung aus der Hand zu geben.
Anfang August 2022 ließ der Warner-Bros.-Discovery-Vorstandsvorsitzende David Zaslav die Katze aus dem Sack: Der Spielfilm «Batgirl» wird nicht veröffentlicht, sondern wird für immer in den Wasserturm auf dem Studiogelände in Burbank eingeschlossen. Eine spätere Auswertung oder ein Verkauf ist nicht vorgesehen, teilte das Unternehmen mit. Die investierten Millionen an Budget werden als Steuerabschreibungen genutzt. Diese Maßnahmen seien zwar bei allen Unternehmen gängig, doch die Kreativen der Vereinigten Staaten von Amerika waren entsetzt.
Im Hause Warner Bros. versucht man die Wogen zu glätten und Hauptdarstellerin Leslie Grace in anderen DC-Spielfilmen auftreten lassen. Die bittere Nachricht ist allerdings, dass derzeit sämtliche Comic-Adaptionen auf Eis liegen. Nur der zweite «Joker»-Spielfilm, der ohnehin als Musical geplant ist, hat derzeit grünes Licht. Regisseur Todd Philipps und Hauptdarsteller Joaquin Phoenix werden eine Gage von jeweils 20 Millionen Euro erhalten, die neue Hauptdarstellerin Lady Gaga darf sich über die Hälfte freuen. Warner Bros. ist nur so spendabel, weil der Spielfilm im Jahr 2019 1,07 Milliarden US-Dollar einstrich und zum Überraschungserfolg wurde. Mit «Joker: Folie à Deux» rechnet man mit 150 Millionen US-Dollar an Kosten.
Der frühere WarnerMedia-Chef Jason Kilar wollte HBO Max pushen, indem auch Superhelden direkt bei dem Warner-Streamingdienst laufen. Doch davon will der neue Chef David Zaslav nichts wissen. Vor allem weil Disney erneut ein Vorreiter ist: Obwohl Disney zahlreiche Spielfilme teilweise schon nach sechs Wochen auf seinem Streamingdienst kostenfrei zur Verfügung stellt, werden viele hunderte Millionen erwirtschaftet. Der Pixar-Spielfilm «Lightyear» spielte 224 Millionen US-Dollar ein, «Doctor Strange in the Multiverse of Madness» kam auf 950 Millionen US-Dollar Umsatz. Warner Bros. musste also lernen, dass man trotz kurzer Kinoauswertung ein Vermögen verdienen kann.
Das Marvel-Universum zu kopieren, wird ein schwieriges Unterfangen. Disney wurde vor drei Jahren kritisiert, dass man Marvel Television schloss und sämtliche Verantwortung in die Hände von Kevin Feige gab. Bei Disney hat Feige Narrenfreiheit und verantwortet jedes Detail in Sachen Kinofilme und Fernsehserien. Ob HBO-Chef Casey Bloys, Warner Bros. Television-Chef Channing Dungey und Warner-Bros.-Pictures-Verantwortliche Michael De Luca und Pamela Abdy sämtliche Verantwortung aus der Hand geben wollen? Auch DC-Chef Walter Hamada, seit 2018 im Amt, bekommt nicht die Rückdeckung von David Zaslav.

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