Hintergrund

«Mordlust»: True Crime aus Deutschland

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Auch Funk, das Netzwerk von ARD und ZDF, produziert einen True-Crime-Podcast.

Abends eine gemütliche Decke um die Schultern wickeln, an der heißen Schokolade nippen und mit wohliger Gänsehaut eine Folge True Crime hören: Eine Freizeitbeschäftigung, die in den letzten Jahren immer mehr Zuhörer weltweit begeistert - so auch Laura Wohlers und Paulina Krasa.

Der Kalender zeigt das Jahr 2018. Den befreundeten Reporterinnen Laura und Paulina, beide Fans von True Crime, fällt eines Tages auf, dass sie beinahe ausschließlich englischsprachige Formate zu ihrem Lieblingsgenre kennen. So beschließen sie, zusammen einen deutschsprachigen Podcast ins Leben zu rufen. Sie taufen ihn «Mordlust». Die erste Folge mit dem skurrilen Titel "Geburtstagsleiche und Säurefassmörder" erscheint im Sommer 2018. Weitere Episoden folgen im Abstand von jeweils zwei Wochen, die meisten um die anderthalb Stunden lang. Heute können Besucherinnen der FUNK-Webseite bereits über 70 Folgen des erfolgreichen True-Crime-Podcasts finden.

Schon in der ersten Folge beweisen die Moderatorinnen einen starken Magen: Es geht um Mord in einer Freundschaft, um sexualisierte Gewalt, mysteriöses Verschwinden, das von der Polizei nicht ernst genug genommen wird, und um Körperteile in Säurefässern. Auch in späteren Folgen scheuen Laura und Paulina komplexe Themen nicht: Sie sprechen über "Ehrenmorde", Gewalt gegen Männer und Sexualverbrechen an Kindern und Jugendlichen. Bei solch schwerer Kost helfen Triggerwarnungen mit genauen Minutenangaben jenen, die entsprechende Schilderungen im Podcast lieber überspringen möchten.

Die meisten Folgen stehen unter einem bestimmten Überthema, wie beispielsweise dem der "Auftragsmorde", das zu Beginn besprochen und analysiert wird. Dann geht es ans Eingemachte: Die Moderatorinnen stellen sich gegenseitig jeweils einen spektakulären Fall vor. Auf die fesselnde, oft schockierende Nacherzählung folgt ein Aha-Moment, in dem die Tat mitsamt Hintergrund, Motiv, Prozessverfahren und psychologischen Gutachten der Täterinnen nochmals unter die Lupe genommen wird. Hier holen sich Laura und Paulina teilweise Unterstützung von Experten wie Psychologen oder Anwältinnen ans Mikrofon und bieten ihrer Hörerschaft neue Perspektiven.

In den eigenen, sicheren vier Wänden von grausigen Verbrechen zu hören, schafft für viele eine angenehme Gruselatmosphäre. Es vergisst sich leicht, dass dies wahre Geschichten sind; Geschichten, die reale Opfer und Familienangehörige betreffen. Laura und Paulina gelingt der Spagat. Sie erzählen die Vorgänge spannend und fesselnd. Durch ihren "morbiden Humor", wie die beiden es selbst beschreiben, lassen sie die Stimmung nicht in dunkelste Löcher fallen. Gleichzeitig vergessen die Moderatorinnen nicht den bitteren Ernst, der dahinter steht. Sie stellen sich und ihren Hörern eindringliche Fragen: Wie wird jemand zum Mörder? Wie geht die Justiz mit den Opfern um, wie reagiert das Umfeld? Welche Missstände gibt es, was könnten wir als Gesellschaft ändern? Durch eine gründliche Analyse und kritische Hinterfragung von Mordmotiven, Ermittlungsarbeit, Justiz und Öffentlichkeit schaffen sie eine Mischung aus Distanz und Empathie, aus Gruselfaktor und Denkanstößen.

Kurz-URL: qmde.de/127955
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Blue7
12.07.2021 18:27 Uhr 1
Hab den Podcast Die Nachbarn der beiden versucht anzuhören. Hat zwar mehere Tage gedauert für gerade mal 3 Folgen. Echt anstrengend. Vorallem griff man versprochenes später dann nicht mehr auf.
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