Interview

Daniel Brühl: ‚Ich lebe auf anderem Fuß als dieser Baron Zemo‘

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Der Berliner Schauspieler ist in der neuen Disney+-Serie «The Falcon and the Winter Soldier» zu sehen. Wir sprachen mit ihm über die Dreharbeiten.

Seit 2015 gehört Daniel Brühl (42) zum Film-Universum der Marvel-Superhelden. In dem Kinoabenteuer «The First Avenger: Civil War» (2015) spielt er aber noch den Schurken, der sich bitterlich an Captain America rächen will. In seiner Rolle als Baron Helmut Zemo ist Brühl nun wieder auferstanden, und zwar in der Serie «The Falcon and the Winter Soldier» (aktuell bei Disney+). Diesmal verbrüdert er sich aber mit dem beiden titelgebenden Helden, um die Herstellung eines Serums für Superkräfte zu verhindern. Brühl kann aber so viel mehr. Mit der Satire «Nebenan» lieferte er für die abgespeckte Berlinale im Februar sein Regiedebüt ab. Da spielt er einen Berliner Schauspieler, der in einem großen Superhelden-Film aus Hollywood mitspielen darf. Kein Zufall, denn Brühl, der mit seiner Frau Felicitas und ihren beiden Söhnen in Berlin wohnt, witzelt in «Nebenan» über sich selbst - und wenn alles gut geht, soll der Film am 15. Juli in die wiedereröffneten Kinos kommen.

Jetzt sind Sie als Baron Helmut Zemo in der Marvel-Superheldenserie «The Falcon and the Winter Soldier» auf Disney+ zu sehen. Wie verlief das Casting-Gespräch?
Mir wurde gleich die Ehre zuteil, mich mit dem großen Produzenten Kevin Feige zu treffen. Das war noch vor «The First Avenger: Civil War» von 2016. Da erzählte er mir schon, dass er die Rolle des Zemo neu beleben und auf mich zuschneiden wollte. Damit entfernte er sich von den Comicbüchern, was ich gut fand. Für «The Falcon and the Winter Soldier» bekam ich wiederum eine neue Spielwiese, auf der ich mich diesmal mit mehr Humor ausprobieren konnte, weshalb ich mit Freude zusagte.

Also nicht wie in «Nebenan», wo Ihnen für ein Superheldenfilm aus Amerika nur eine Drehbuchseite geschickt wurde.
In meinem Regiefilm «Nebenan» habe ich das alles ein wenig überspitzt und mich lustig gemacht über all die Sachen, die ich schon gedreht habe, unter anderem auch die Filme des Marvel Universums. Aber im Gegensatz zu «Nebenan» verlief das bei mir zum Glück ein bisschen anders.

Diesmal wirken Sie in dem mächtigen Mantel mit Pelzkragen fast schon selbst wie ein Superheld.
Es ist immer erfrischend, wenn man das nicht zu ernst nimmt. Comics sind Popkultur, und das insoweit zu überhöhen, dass ich so ein Outfit wie aus einem Comicbuch trage, macht natürlich Spaß. Deshalb bin ich auch dabei, weil das etwas völlig anderes ist als ich normalerweise mache.

In einer Szene lassen Sie sich auch zu einem Tänzchen verleiten.
Das war eine kleine Improvisation von mir, von der ich hundertprozentig überzeugt war, dass sie herausgeschnitten wird. In dem Moment dachte ich, dieser Zemo hat etliche Jahre im Knast gesessen, der muss jetzt mal Dampf ablassen. Dann habe ich das einfach gemacht, und es ist toll zu sehen, dass so etwas auch angenommen wird.

Nicht der Zemos Mantel ist extravagant, sondern er hat auch einen Privatjet und die coolsten Oldtimer. Wie viel Luxus beherrscht inzwischen Ihr echtes Leben?
Ich lebe auf anderem Fuß als dieser Baron Zemo und bin auch froh darum. Das ist natürlich auch eine Frage, wie man Luxus definiert. Auf Statussymbole lege ich keinen Wert, aber ich kann mich für alte Autos begeistern. Persönlich hatte ich mal zwei Oldtimer, jetzt ist es nur noch einer, der aber auch nichts mehr wert ist. Nichtsdestotrotz freue ich mich immer wieder, wenn ich alte Autos sehe, und was da am Filmset in Atlanta angekarrt wurde, war schon beachtlich. Da hätte ich gern mit dem einen oder anderen ein paar Runden gedreht.

In «The Falcon and the Winter Soldier» erwacht die Welt nach dem Ende der düsteren Epoche aus «Avengers: Endgame» wieder zum Leben. Was erwarten Sie für eine Welt, wenn Corona vorbei sein wird?
Es wird ja nicht gleich zur Normalität kommen, ich glaube eher, dass es schrittweise passieren wird. Man wird sicherlich gerührt sein von der Gelöstheit und Euphorie unter den Menschen. Was dann plötzlich wieder eine Umarmung bedeuten wird, kann man sich vielleicht gerade gar nicht mehr vorstellen. Bestimmt hochemotional.

Klingt als würden Sie das am meisten vermissen?
Ich komme ja zur Hälfte aus einer Kultur in Spanien, wo körperliche Nähe und Berührungen ganz andere Bedeutung haben als in Deutschland. Das wird ganz viel auslösen bei den Menschen, aber wie gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, dass das von heute auf morgen wieder geht. Ich habe aufgehört, dabei an die nächsten Monate zu denken. Die Normalität, wie wir sie kannten, ist vielleicht generell so nicht mehr möglich.

Glauben Sie, dass Superheldenfilme und -serien generell politisch brisante Themen aufnehmen sollten?
Das ist Marvel sogar ein großes Anliegen, den Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen herzustellen. Mit Comicverfilmungen erreicht man vor allem junge Leute. In «The Falcon and the Winter Soldier» etwa wird der aktuelle Rassismus thematisiert, wenn sich Anthony Mackie in der Rolle des Falcon alias Sam Wilson die Frage stellen muss, ob er als schwarzer Amerikaner den Schild von Captain America tragen kann. Ich finde das sehr gut, wie das hier behandelt wird, wenn er etwa bei der Bank wegen eines Kredits vorsprechen muss oder von Polizisten als Verdächtiger angehalten wird. Das ist alles hochaktuell.

Zu welchem Superhelden fühlen Sie sich eigentlich hingezogen?
Da würde ich ganz parteiisch bei Marvel bleiben. Aufgewachsen bin ich natürlich mit Spider-Man, die Liebe zu diesen Filmen wurde aber entfacht durch die großartige Verkörperung des «Iron Man» von Robert Downey Jr. Von da an habe ich mir alle Marvel-Filme angesehen. Ich bin ein Riesenfan von Mark Ruffalo, und zwar von allem, was er macht. Vielleicht wäre es mal lustig, grün zu sein. Aber ehrlich gesagt, war ich mit meinem Baron bisher sehr zufrieden.

Sie waren nicht der einzige Deutsche am Set. Wie war es, auf die ebenfalls in Berlin lebende Florence Kasumba in ihrer wiederkehrenden Rolle als Ayo zu treffen?
Es war schön, Florence wiederzusehen. Manchmal ist es ja absurd, wenn man in Atlanta bist und plötzlich kommt sie in ihrem und ich in meinem Kostüm heraus und wir fangen an, auf Deutsch zu sprechen. Die Amerikaner waren ganz erstaunt, was herrlich war. Ich bekam dadurch richtiges Heimweh, so sehr freute ich mich über unser Wiedersehen. Natürlich lauert mir in der Serie Gefahr von dieser Dame. Denn die Superhelden, die sich um mich herum ab Folge vier mehren, mögen mich alle nicht sehr besonders. Es bleibt also spannend, aber mehr sage ich dazu nicht (lacht).

Wir sind gespannt!

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