Interview

’Connis Normalität ist ihre Superpower’

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Zum Kinostart von «Meine Freundin Conni – Abenteuer mit Kranich Klaus» sprechen Dirk Hampel und Henning Windelband über die überraschende Meme-Kultur rund um Conni, die Zukunft deutscher Kinderfilme und warum gerade einfache Alltagsgeschichten heute wieder besonders gut funktionieren. Am Donnerstag startet der neue Film bundesweit in den Kinos.

Herr Hampel, Herr Windelband, 2025 kursierten im Netz zahlreiche KI-generierte Memes rund um «Meine Freundin Conni», teilweise ziemlich überspitzt und ironisch. Hat das der Marke eher geschadet – oder die Aufmerksamkeit sogar wieder gesteigert?
Dirk Hampel: Es hat auch viel Unterhaltsames und Witziges stattgefunden. Ich sehe das eher positiv.
Henning Windelband: Nein, das hat überhaupt nicht geschadet. Vielmehr ist dies ein Zeichen dafür, dass Conni in der Gesellschaft angekommen ist und akzeptiert wird. Mehr noch: Die Menschen nutzen Conni inzwischen, um sich Gehör zu verschaffen und auszudrücken, was sie denken und fühlen. Durch diese Dynamik ist mit der Marke etwas Einmaliges entstanden – und das komplett ohne Promotion oder Marketing.

«Conni» ist seit Jahrzehnten eine feste Größe im Kinderzimmer. Wie geht man damit um, wenn eine eigentlich sehr geschützte Kindermarke plötzlich Teil von Internetkultur wird?
Dirk Hampel: Das muss der Verlag beantworten.
Henning Windelband: Ich sehe das total unkritisch. Im Gegenteil: Conni schafft so spielend den Sprung in eine neue Zeit und wird dabei nicht nur von ihren Fans getragen, sondern auch von Menschen, die Conni erst durch Social Media kennengelernt haben.

Mit «Abenteuer mit Kranich Klaus» bringen Sie die Figur erneut ins Kino. Was war der entscheidende Impuls, Conni gerade jetzt wieder als Kinofilm zu erzählen?
Dirk Hampel: Der Erfolg des ersten Films war sicher ein wichtiger Impuls, aber Conni ist eigentlich immer aktuell und relevant für Familien. Deshalb ist es immer gut, einen Film zu bringen.
Henning Windelband: Der entscheidende Impuls war das Gefühl, dass Conni gerade jetzt wieder sehr gut ins Kino passt. Conni erzählt Geschichten aus einer Welt, die Kinder kennen und verstehen: Familie, Freundschaft, kleine Unsicherheiten, große Abenteuer im Alltag. Gleichzeitig hat sie eine große emotionale Verlässlichkeit. Kinder fühlen sich bei Conni sicher – und genau aus dieser Sicherheit heraus können sie Neues entdecken.

Der Film verbindet eine Alltagsgeschichte mit einem Tierschutz-Thema. Wie wichtig war es Ihnen, eine klare Botschaft zu transportieren, ohne belehrend zu wirken?
Dirk Hampel: Es ist eine Tierrettungsgeschichte. Das ist ein aufregendes, hochemotionales Erlebnis, das in der Regel alle Kinder einmal erleben. Conni durchlebt das unterhaltsam und lehrreich stellvertretend für die Kinder. Das ist genau das, was Kinder und Eltern an den Conni-Geschichten lieben.
Henning Windelband: Das war uns sehr wichtig. Gerade bei einem Film für Kinder darf eine Botschaft nie wie eine Lektion wirken. Kinder haben ein sehr feines Gespür dafür, ob eine Geschichte wirklich erzählt wird oder ob man ihnen etwas beibringen will. Deshalb war unser Ansatz, das Tierschutz-Thema ganz aus Connis Erlebnis heraus zu erzählen. Sie trifft nicht auf ein abstraktes Problem, sondern auf ein Tier, das Hilfe braucht. Das ist für Kinder sofort nachvollziehbar und emotional greifbar.

Kinderfilme müssen heute oft mehrere Generationen gleichzeitig ansprechen. Wie gelingt es, sowohl junge Zuschauer als auch Eltern abzuholen?
Dirk Hampel: In der Geschichte sind mehrere Ebenen angelegt, die trotz des Fokus auf die Kinder alle Altersgruppen mitnehmen. Connis Großvater spielt eine wichtige Rolle und bringt neben Humor und Gelassenheit auch gute Anknüpfungspunkte für Großeltern im Publikum mit und kann auch die Eltern zum Schmunzeln bringen. Der zunächst scheinbar böse Nachbar mit seinen Themen Liebe, Verlust, Offenheit, neuer Flirt und seine Wandlung zum netten Nachbarn kann auch den Eltern Denkanstöße geben, ebenso wie einige lustige und liebevolle Szenen zwischen Connis Eltern.
Henning Windelband: Indem man die Kinderperspektive nicht unterschätzt. Der Film muss zuerst für Kinder funktionieren – emotional, erzählerisch und visuell. Sie sind unser Hauptpublikum. Gleichzeitig erleben Eltern diese Geschichten mit einem anderen Blick. Sie erkennen die Situationen wieder: Loslassen, Vertrauen, Mut, Selbstständigkeit, Freundschaft. Das sind Themen, die Kinder unmittelbar erleben und Eltern emotional verstehen. Wir versuchen also nicht, einen Kinderfilm mit Erwachsenenwitzen anzureichern. Wir erzählen eine klare, kindgerechte Geschichte, die im besten Fall genug Wahrheit und Wärme hat, damit auch Erwachsene sich darin wiederfinden.

Conni ist eine sehr „normale“ Heldin ohne Superkräfte. Ist genau das in Zeiten großer Animationsfranchises vielleicht sogar ihr größter Vorteil?
Dirk Hampel: Das Conni-Rezept der Inszenierung realer Alltagsherausforderungen von Kindern hat seit über 30 Jahren neben allen möglichen Helden mit Superkräften seinen Weg gefunden.
Henning Windelband: Ja, und ich würde sogar sagen: Connis Normalität ist ihre Superpower. Sie muss nicht fliegen, zaubern oder die Welt retten. Sie muss sich trauen, Fragen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen, Freundschaften zu leben und manchmal über sich hinauszuwachsen. Das sind für Kinder echte Herausforderungen. Insofern ist Conni vielleicht gerade deshalb so relevant. Sie zeigt Kindern nicht, dass sie jemand anderes sein müssen, sondern dass ihre eigene Welt groß genug für Abenteuer ist.

Die Figur basiert auf einer der erfolgreichsten Kinderbuchreihen Deutschlands. Wie viel kreative Freiheit hat man bei der Adaption für die große Leinwand?
Dirk Hampel: Es geht nicht darum, Conni zu verändern. Es geht darum, sie gut zu erzählen – und das erfordert viele gute kreative Ideen, um das gut zu machen.
Henning Windelband: Bei Conni hat man natürlich eine große Verantwortung. Viele Kinder und Familien kennen sie seit Jahren, und es gibt eine klare Erwartung daran, wie sich Conni anfühlt. Diese Vertrautheit darf man nicht verlieren. Ein Kinofilm braucht aber eine andere Dramaturgie als ein Kinderbuch. Er braucht größere Bögen, mehr Zuspitzung und eine Geschichte, die über 80 Minuten trägt. In diesem Rahmen konnten wir sehr frei arbeiten. Entscheidend war die enge Abstimmung mit dem Carlsen Verlag, der uns sehr konstruktiv unterstützt hat. So konnten wir die Geschichte fürs Kino öffnen und gleichzeitig sicherstellen, dass sie sich immer noch eindeutig nach Conni anfühlt.

Mit Kranich Klaus steht ein Tier im Mittelpunkt der Geschichte. Wie wichtig sind solche emotionalen Ankerfiguren, um Kinder an Themen wie Verantwortung oder Fürsorge heranzuführen?
Dirk Hampel: Für Kinder sind Tiere und Beziehungen zu Tieren sehr attraktiv und wichtig. Verantwortung und Fürsorge sind Aspekte davon, ebenso wie Freude und Freundschaft.
Henning Windelband: Sehr wichtig. Kinder lernen solche Themen nicht über abstrakte Begriffe, sondern über emotionale Situationen. Ein Tier wie Kranich Klaus schafft sofort Nähe: Es ist verletzlich, es braucht Aufmerksamkeit und man versteht unmittelbar, warum Fürsorge wichtig ist. Für Conni wird Klaus nicht einfach zum „Thema“, sondern zu einem Wesen, zu dem sie eine Beziehung aufbaut. Dadurch entsteht Verantwortung ganz natürlich aus Empathie. Für mich ist das genau die Stärke solcher Geschichten: Sie vermitteln Werte nicht als Belehrung, sondern als Erlebnis. Kinder fühlen mit – und aus diesem Mitfühlen entsteht ganz natürlich Verständnis für Fürsorge, Aufmerksamkeit und Verantwortung.

Der deutsche Kinderfilm steht oft im Schatten internationaler Produktionen. Was braucht es, damit heimische Stoffe im Kino konkurrenzfähig bleiben?
Dirk Hampel: Gut erzählte, berührende, bezaubernde Geschichten.
Henning Windelband: Ich glaube, heimische Stoffe bleiben konkurrenzfähig, wenn sie nicht versuchen, internationale Produktionen zu kopieren. Unsere Stärke liegt in der Nähe zu den Kindern: in vertrauten Figuren, wiedererkennbaren Lebenswelten und emotional ehrlichen Geschichten. Gleichzeitig darf man den deutschen Kinderfilm nicht kleiner reden, als er ist. In Deutschland sind Kinder- und Familienfilme oft sehr erfolgreich – teilweise erfolgreicher als viele Erwachsenenproduktionen. Wenn Familien Vertrauen in einen Stoff haben, gehen sie auch ins Kino. Dazu kommt, dass gerade deutsche Animationsfilme international in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommen und einen guten Ruf für Qualität und Storytelling haben. Darauf kann man aufbauen. Aber der Anspruch bleibt: Ein heimischer Kinderfilm muss genauso gut erzählt, genauso liebevoll gestaltet und genauso professionell produziert sein wie jede internationale Konkurrenz.

Welche Rolle spielen dabei Förderstrukturen und Koproduktionen, gerade bei einem Projekt wie «Conni»?
Dirk Hampel: Förderstrukturen spielen immer eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Filmen in Europa und auf der ganzen Welt – außer bei Majors wie Disney und ähnlichen Konzernen.
Henning Windelband: Förderstrukturen und Koproduktionen spielen eine zentrale Rolle. Gerade Animation ist sehr aufwendig, teuer und zeitintensiv. Wenn man einen Kinofilm herstellen will, der visuell und erzählerisch auf einem hohen Niveau ist, braucht man verlässliche Partner und eine solide Finanzierung. Conni darf dabei nicht durch Finanzierungslogik oder internationale Strukturen beliebig werden. Die Figur hat eine eigene Tonalität, eine eigene Nähe zu Kindern und Familien. Gute Partner helfen dabei, diese Qualität zu stärken. Am Ende muss der Film sein Publikum finden – und das gelingt nur über gute Figuren, gutes Storytelling und eine klare kreative Haltung.

Streaming und kurze Online-Inhalte prägen die Sehgewohnheiten von Kindern immer stärker. Wie schafft man es heute noch, sie für das Kino zu begeistern?
Dirk Hampel: Kino hat seine Existenzberechtigung dadurch, dass es ein Event ist – ein gemeinsames großes Erlebnis mit Popcorn und dem Teilen des Moments.
Henning Windelband: Ich glaube, man darf da nicht alle Kinder in einen Topf werfen. Bei Conni sprechen wir über eine Kernzielgruppe von etwa drei bis acht Jahren. Diese Kinder sind noch nicht primär durch Social Media geprägt. Aber natürlich wachsen auch jüngere Kinder in einer Medienwelt auf, in der Inhalte jederzeit verfügbar sind. Deshalb muss der Kinobesuch als Ereignis funktionieren. Für ein Kind ist das ja viel mehr als nur ein Film: der Weg ins Kino, das Popcorn, der dunkle Saal, die große Leinwand, das gemeinsame Lachen mit anderen Kindern.

Was macht «Abenteuer mit Kranich Klaus» zu einem besonderen Erlebnis im Vergleich zu anderen Kinderfilmen?
Dirk Hampel: Conni erreicht und begeistert mit ihrer Art unglaublich viele Kinder und Eltern. In „Kranich Klaus“ können sie eine wunderbare Conni-Geschichte im Kino erleben, die es nicht in den Büchern gibt. Dieser Film ist für die vielen Conni-Fans gemacht – und für die, die es noch werden wollen. Vorschulkinderfilme dieser Art gibt es wenige, und jeder hat sein ganz eigenes Heldenuniversum. Sie sind alle auf ihre Weise attraktiv.
Henning Windelband: Das Besondere ist für mich die Verbindung aus Vertrautheit und echtem Kinoabenteuer. Conni ist eine Figur, die Kinder kennen, mögen und der sie vertrauen. Dadurch entsteht sofort eine große emotionale Nähe. Gleichzeitig bietet „Meine Freundin Conni – Abenteuer mit Kranich Klaus“ alles, was ein erstes oder frühes Kinoerlebnis ausmachen kann: Spannung, Humor, Tiere, Freundschaft, eine große Leinwand und eine Geschichte, die Kinder wirklich verstehen und fühlen können. Der Film ist nicht laut um der Lautstärke willen und nicht spektakulär um jeden Preis. Er bleibt bei Connis Blick auf die Welt und nimmt sein junges Publikum ernst. Für mich liegt genau darin seine Stärke: Er ist groß genug fürs Kino, aber nah genug an der Welt der Kinder. Wenn Kinder Kino früh als etwas Schönes, Gemeinschaftliches und Besonderes erleben, dann gewinnen wir nicht nur Zuschauer für diesen einen Film, sondern vielleicht auch das Kinopublikum der Zukunft. In diesem Sinne können Kinder- und Familienfilme einen echten Beitrag zur Stärkung der Kinokultur in Deutschland leisten.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Abenteuer mit Kranich Klaus» ist ab Donnerstag, 14. Mai, in den deutschen Kinos zu sehen.

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