Valessa ist in all ihrer Not und in ihrem Abgrund eine sehr kraftvolle Figur, die starke innere Antreiber hat und das Gute will. Ich suche in Rollen immer nach widerstrebenden Kräften und innerer Spannungen.
Valessa wirkt von Beginn an geheimnisvoll und eigenwillig. Wie haben Sie sich dieser eher sperrigen Figur angenähert?
Ich versuche, die Figur nicht zu bewerten. Eigenwillig ist eine Fremdzuschreibung, die mir nicht weiterhilft, wenn ich eine Figur emotional erfahren möchte. Valessa muss viel verstecken. Das heißt ich hab viel darüber nachgedacht, wie funktioniert Lügen eigentlich. Das war interessant, weil als Schauspielerin muss ich selbst daran glauben, was ich spiele. Eine Lüge ist dann am besten, wenn man sich diese auch selbst glaubt. Das musste ich dann in der Rolle umsetzen, was ein spannender Prozess war.
Ihre Figur verfolgt eine eigene Mission – teilweise ohne das Wissen ihrer Kollegin Stascha Novak. Was macht diesen inneren Konflikt für Sie spannend?
Für Valessa gab es ab einem gewissen Punkt keinen Weg mehr zurück. Sie hat sich aus einem ganz bestimmten Grund nach Split versetzen lassen, was die Zuschauenden aber erst später erfahren. Auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel, wird sie permanent mit der Frage nach Moral und Menschlichkeit konfrontiert. Für mich ist Valessa einsam und von einer Klippe gesprungen. Während man springt kann man entweder Angst haben oder sich auf den Moment konzentrieren.
Spannend ist für mich, dass Valessa sich ganz andere Sachen wünscht als die, die ihr im Verlauf der Geschichte passieren.
Für die Rolle haben Sie ein intensives Trainingscamp absolviert. Wie sehr hat diese körperliche Vorbereitung Ihr Spiel beeinflusst?
Jemand, der so viel auf sich nimmt, wie Valessa, und so hoch angesehen ist im eigenen Beruf, braucht viel Kraft. Ich selbst bin eine kleine und zierliche Frau, die vom Ballett kommt. Durch das viele Kraft- und Kampftraining habe ich selbst viel weniger Angst auf der Straße gehabt. Stichwort: Selbstverteidigung. Ähnlich ist es bei Valessa, sie muss körperlich gewappnet sein, weil sie sich mit ziemlich harten Typen anlegt. Durch das körperliche Training habe ich mich getraut beim Spiel mehr Raum einzunehmen.
Die Zusammenarbeit mit Jasmin Gerat ist zentral für die Reihe. Wie haben Sie die Dynamik zwischen den beiden Figuren entwickelt?
Wir haben versucht trotz der Widerstände, die die Figuren haben, in Kontakt zu treten und uns im anderen erkennen zu lassen. Valessa und Stascha können beide schwer vertrauen, dabei war es mir für meine Figur wichtig, immer wieder die Verbindung zu suchen und den Wunsch nach Teamgeist vorne anzustellen.
Valessa geht hohe Risiken ein und überschreitet auch Grenzen. Ist sie für Sie eher eine kompromisslose Ermittlerin oder eine Getriebene?
Definitiv eine Getriebene. Valessa ist besessen davon ihr Ziel zu erreichen.
Die Filme stellen immer wieder die Frage, wie weit man für die Wahrheit gehen darf. Wie positioniert sich Ihre Figur in diesem moralischen Spannungsfeld?
Valessa nimmt alles in Kauf, damit endlich Gerechtigkeit herrscht. Naiv schreitet sie voran und glaubt mit ihrer eigenen Kraft – und nur damit – die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie vergisst dabei, dass solche Täter in Strukturen eingebettet sind, die sie schützen. Das "Böse" ist banal und lebt vom Wegschauen, vom oberflächlichen Ausführen und Decken der Personen mit Macht. Das will Valessa nicht akzeptieren. Sie ist eine moralische Idealistin, die sich nicht an Konventionen und gesellschaftliche Normen hält.
Sie spielen häufig komplexe, nicht sofort zugängliche Frauenfiguren. Was reizt Sie an diesen Rollen mehr als an klassischen Heldinnen?
Generell mag ich Figuren, die drei dimensional sind und nicht nach Schema F funktionieren. Wir brauchen ganz dringend andere Frauenfiguren, die fehlerhaft und rigoros sind. Das Bruchhafte, Schwebende, Ambivalente macht für mich den Reiz aus, eine Figur füllen zu wollen. Wenn alles klar, einfach und klassisch ist, was soll ich denn da noch spielen? Das Spiel findet ja genau da statt, wo etwas nicht klar ist, wo auch ich etwas nicht weiß. Da will ich immer hin. Da finde ich etwas heraus und bin inspiriert.
Mit Ihren eigenen Projekten bewegen Sie sich auch im Autoren- und Regiebereich. Wie beeinflusst diese Perspektive Ihre Arbeit als Schauspielerin?
Ich kann mich als Schauspielerin noch mehr fallen lassen und entspannen, irgendwann kam die Erkenntnis. Wenn ich Regie mache, bin ich die kreative Mutter. Ich trage Verantwortung für das gesamte Team und die Geschichte. Wenn ich spiele, dann trage ich die Verantwortung für meine Figur und dafür, dass ich entspannt bin, inspiriert und spielwütig. Ein wunderbar kindlicher Zustand. Schreiben ist da für mich nochmal anders. Ich hab viele Szenen und Texte meines Langfilmdrehbuches «Hyper Baby» am Set vom «Kroatien-Krimi» in Umbaupausen geschrieben. Als Schauspielerin gilt für mich immer: bloß nicht grübeln, im Moment sein und machen. Deswegen liebe ich es parallel dann in eine andere filmische Welt einzutauchen und mir Sachen auszudenken, so bleib ich wach und präsent und fang nicht an zu zweifeln.
Ihr Kurzfilm «Das ist keine Figur, das ist Verrat» wurde ausgezeichnet. Wie wichtig ist es Ihnen, eigene Geschichten zu erzählen?
Es macht mir unfassbar viel Spaß. So lange mir Sachen einfallen, die ich als erzählenswürdig erachte, werde ich das tun.
Mit «Hyper Baby» steht Ihr Kinodebüt als Regisseurin bevor. Was möchten Sie als Filmemacherin anders machen als andere?
Auch hier: sperrig bleiben und Figuren erzählen, die jenseits der Norm handeln. Das Entlarven gesellschaftlicher Umstände kann nur so funktionieren, wenn die Figuren den Status Quo durch ihr Handeln infrage stellen. Hauptfiguren müssen nicht sympathisch sein, sondern für die Zuschauenden interessant und reichhaltig. Filme müssen meiner Meinung nach, nicht verständlich sein, sondern emotional und lebendig. Mit 12 habe ich, zum Beispiel «Mulholland Drive» von David Lynch gesehen, ich liebe diesen Film, obwohl ich ihn immer noch nicht verstehe und sicher schon 100 mal gesehen hab.
Zusätzlich versuchen wir im Team, was fast ausschließlich weiblich ist, offen zu kommunizieren und den Dreh sozial nachhaltig zu gestalten. Ich bin sehr froh, dass ich mit so einem tollen Produktionsteam zusammenarbeiten darf: Lotta Schmelzer, Lisa Purtscher von Liselottefilms und Katharina Mumper und Hanna Martensen.
Wenn Sie auf die Zukunft blicken: Sehen Sie sich stärker vor der Kamera – oder zieht es Sie langfristig mehr hinter die Kamera?
In den letzten zwei Jahren bin ich wirklich sehr beschenkt worden als Schauspielerin. Durch meine Zusammenarbeit mit Dominik Graf oder auch Fabian Stumm, bin ich so spielwütig geworden, wie wahrscheinlich noch nie. Es ist wunderschön sich im Spiel komplett zu vergessen und einfach nur da sein zu dürfen, weil die Regie eine klare Vision hat.
Diese Blaupause von mir selbst, würde ich sehr vermissen, wo ich sie in dieser Intensität doch gerade erst kennenlernen durfte. Als Schauspielerin habe ich mittlerweile einiges an Erfahrung und bin da total drin – da will ich auch nicht mehr raus. Und hinter der Kamera fange ich gerade erst an, da bin ich noch sehr naiv und dadurch aber auch energetisch. Sachen noch nicht so gut zu kennen, hat ja auch einen totalen Reiz. Also let's see 😀
Vielen Dank!
«Der Kroatien-Krimi» ist am Donnerstag, 7. Mai, um 20.15 Uhr zu sehen. Die Folge ist seit 4. Mai in der ARD Mediathek.







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