Die Kritiker

«Der Kroatien-Krimi - Mord am Jadro»

von

Nach über einem Dutzend Fällen ist Routine an der Adria eingekehrt, obwohl ein neues Teammitglied die Sache nun etwas aufmischen könnte.

Stab

Darsteller: Jasmin Gerat, Romina Küper, Felix Klare, Christian Kuchenbuch, Valentino Dalle Mura, Samia Muriel Chancrin
Musik: Titus Vollmer
Kamera: Patrick Orth
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Regie: Carolina Hellsgard
Viele Urlaubskrimis im Ersten können sich nicht so recht entscheiden, ob sie lieber Postkartenidylle oder Abgrund sein wollen – und genau in dieser Schwebe bewegt sich «Der Kroatien-Krimi – Mord am Jadro» schier von seiner ersten Minute an. Regisseurin Carolina Hellsgård inszeniert dabei einen Film, der sich sichtbar Mühe gibt, die vertrauten Zutaten der Reihe neu zu sortieren, dabei aber nie ganz aus dem Schatten seiner eigenen Routine tritt.

Alles beginnt am titelgebenden Flussufer des Jadro: eine Leiche, Wasser, Stille – ein Bild, das mehr verspricht, als der Film später halten wird. Die Geschichte um den Marmeladenhersteller Vito Andic, dessen Tod eine Kette weiterer Ereignisse lostritt, wirkt zunächst angenehm bodenständig. Doch kaum nimmt die Handlung Fahrt auf, schiebt sich das altbekannte Geflecht aus Drogenhandel, korrupten Verbindungen und dubiosen Geschäftsleuten in den Vordergrund, für das «Der Kroatien-Krimi» – ob der Klischees zu seinem Spielort – schon länger bekannt ist. Das wirkt hier wieder einmal solide konstruiert, aber selten überraschend.

Interessanter ist da schon die neue Dynamik im Ermittlerteam. Mit Romina Küper als Valessa Matkovic wird eine Figur eingeführt, die nicht nur frischen Wind ins Team bringen soll, sondern auch ein Geheimnis mit sich trägt. Ihr Undercover-Einsatz im Beachclub „Marianna“ gehört zu den stärkeren Elementen des Films, weil hier zumindest kurz so etwas wie Spannung aufkommt. Allerdings bleibt ihre Motivation lange diffus – und wenn sie schließlich klarer wird, ist der Effekt weniger ein Aha-Moment als ein leises „Ach so“.

Jasmin Gerat als Stascha Novak spielt derweil gewohnt souverän, fast schon stoisch. Ihre Figur wirkt wie ein ruhender Pol im Chaos, allerdings auch ein wenig zu kontrolliert. Man spürt selten eine echte emotionale Fallhöhe, selbst dann nicht, wenn die Situation es eigentlich verlangen würde. Die Beziehung zwischen ihr und der neuen Kollegin bleibt ambivalent: Misstrauen, Neugier, unterschwellige Konkurrenz – all das ist angelegt, wird aber nicht konsequent ausgespielt.

Felix Klare als Playboy Drago Varga darf sich unterdessen genussvoll austoben. Sein millionenschwerer Lebemann ist eine dieser Figuren, bei denen man nie genau weiß, ob sie nun Karikatur oder Bedrohung sein sollen. Klare entscheidet sich für eine Mischung aus beidem, was streckenweise funktioniert, aber auch dazu führt, dass die Figur etwas schillernd Ungefähres behält. Man schaut ihm gern zu, glaubt ihm aber nicht immer.

Visuell setzt der Film indes stark auf bemühte Kontraste: das glitzernde Meer, die sommerliche Leichtigkeit Splits, daneben dunkle Innenräume, zwielichtige Clubs, schnöde Ermittlungen. Genauso bemüht wirkt das Drehbuch von Christoph Darnstädt, wenn es versucht, mehrere Ebenen miteinander zu verweben – Doppelmord, Cold Case, Undercover-Operation, persönliche Geheimnisse. Das Problem ist weniger die Komplexität als die Gewichtung: Manche Handlungsstränge verlaufen im Sande, während andere zu schnell abgehandelt werden.

Und dann ist da noch dieses Gefühl, dass der Film sich selbst ein wenig im Weg steht. Immer wenn er droht, wirklich spannend oder unbequem zu werden, zieht er sich zurück in die sichere Komfortzone des Serienkrimis. Risiken werden angedeutet, aber selten konsequent verfolgt. Selbst die gefährlichen Alleingänge der Neuen im Team wirken letztlich weniger riskant, als sie es sein sollten. «Mord am Jadro» ist damit insgesamt ein vergleichsweise durchwachsener Beitrag zur Reihe: handwerklich ordentlich, gut gespielt, atmosphärisch stellenweise dicht – aber eben auch vorhersehbar und dramaturgisch nicht ganz ausgereift.

Der Film «Der Kroatien-Krimi – Mord am Jadro» wird am Donnerstag, den 7. Mai um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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