Die Kritiker

«Lost in Fuseta – Ein Krimi aus Portugal – Weiße Fracht»

von

Zum dritten Mal ermittelt ein autistischer Kommissar im Ersten an der Algarve. Doch auch diesmal bleibt ein Plot mit Potenzial unter seinen Möglichkeiten.

Stab

Darsteller: Jan Krauter, Eva Meckbach, Daniel Christensen, Anton Weil, Bianca Nawrath, Filipa Areosa
Musik: Sven Rossenbach und Florian Van Volxem
Kamera: Dominik Berg
Drehbuch: Holger Karsten Schmidt
Regie: Felix Herzogenrath
Es gibt diese Krimis, die sich so demonstrativ um Tiefe bemühen, dass man ihnen beim Strampeln zusehen kann. «Lost in Fuseta – Ein Krimi aus Portugal» gehört auch in seiner inzwischen dritten Inkarnation mit dem Titel «Weiße Fracht» leider genau in diese Kategorie – und das, obwohl die Zutaten auf dem Papier durchaus verheißungsvoll klingen. Ein rätselhafter Serienmörder, ein ungewöhnlicher Ermittler, portugiesische Küstenatmosphäre: Das alles müsste eigentlich tragen. Tut es aber nur sehr begrenzt.

Schon die Ikarus-Metapher, die über dem Fall schwebt, wird mit einer solchen Penetranz eingeführt, dass man sich fragt, ob hier dem Publikum wirklich so wenig zugetraut wird. Symbolik darf ja gerne sein, aber wenn sie mit dem Holzhammer daherkommt, verliert sie bekanntermaßen schnell ihre Wirkung. Genau das passiert hier: Die wachsgetränkte Feder im Auge des Opfers ist weniger ein subtiler Hinweis als vielmehr ein visuelles Ausrufezeichen, das ständig „Achtung, Bedeutung!“ schreit.

Im Zentrum steht einmal mehr Leander Lost, gespielt von Jan Krauter, ein Ermittler mit fotografischem Gedächtnis und autistischen Zügen. Die Figur ist grundsätzlich interessant angelegt, doch die Inszenierung schwankt zwischen ernsthaftem Charakterporträt und beinahe klischeehafter Überhöhung. Lost wird weniger als Mensch mit Eigenheiten gezeigt, sondern eher als dramaturgisches Werkzeug, das immer dann glänzen darf, wenn die Handlung ins Stocken gerät. Seine Fähigkeit, Zusammenhänge blitzartig zu erkennen, wirkt weniger wie ein Talent als wie ein Drehbuch-Shortcut.

Auch das Zusammenspiel mit den Kollegen Graciana Rosado und Carlos Esteves – verkörpert von Eva Meckbach und Daniel Christensen – bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zwar bemüht sich der Film um Wärme und Humor im Team, doch vieles davon wirkt aufgesetzt. Dialoge klingen häufig so, als seien sie darauf ausgelegt, Charaktereigenschaften zu illustrieren, statt echte Gespräche abzubilden. Besonders in emotionalen Momenten kippt das Ganze ins Didaktische.

Der Plot selbst ist unnötig verkompliziert. Eine Verbindung zwischen den Morden, die Spur nach Spanien und eine allzu reißerische Erpressungsgeschichte im zweiten Teil – all das wird so verschachtelt erzählt, dass Spannung eher behauptet als erzeugt wird. Statt eines stetig wachsenden Sogs entsteht ein Gefühl von Überladung. Man folgt weniger gebannt als vielmehr pflichtbewusst, in der Hoffnung, dass sich das Ganze irgendwann auszahlt. Doch selbst die Auflösung hinterlässt eher ein Schulterzucken als einen Aha-Moment.

Inszenatorisch ist das Projekt grundsolide, aber wenig inspiriert. Die Bilder von Kameramann Dominik Berg fangen die Algarve zwar gefällig ein, doch sie bleiben Postkartenmotive. Es fehlt eine eigene visuelle Handschrift, die den Stoff trägt oder ihm eine zusätzliche Ebene verleiht. Auch die Regie von Felix Herzogenrath wirkt erstaunlich zurückhaltend – fast so, als wolle sie dem Material nicht im Weg stehen, statt es aktiv zu formen.

Unterm Strich ist «Lost in Fuseta» ein Krimi, der daran scheitert, seine Ambitionen in eine klare, packende Form zu bringen. Er nimmt sich ernst, vielleicht zu ernst, und verliert dabei das Gespür für Rhythmus, Spannung und echte Figurenentwicklung. Was bleibt, ist ein ordentlich produzierter, aber letztlich unerquicklich schwerfälliger Zweiteiler, der seine interessanten Ansätze unter einer Last aus Bedeutung und Konstruktion begräbt.

Der Zweiteiler «Lost in Fuseta – Ein Krimi aus Portugal – Weiße Fracht» wird am Samstag, den 25. April um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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