Die Kritiker

«Im Grunde Mord - Blutsbande»

von

Das ZDF zeigt am Montagabend einen neuen Krimi aus dem Teutoburger Wald. Zünden dabei auch die politischen Anklänge?

Stab

Darsteller: Hanna Plaß, Jakob Benkhofer, Ann-Kathrin Kramer, Rainer Reiners, Robert Schupp, Kristin Alia Hunold
Schnitt: Claudia Wolscht
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Nicolay Gutscher
Drehbuch: Stefan Rogall
Regie: Bruno Grass
Der Fernsehfilm «Im Grunde Mord – Blutsbande» beginnt mit einem klassischen, beinahe schon beruhigend vertrauten Bild: Ein Mensch stürzt in den Tod, die Natur wirkt dabei gleichzeitig majestätisch und gleichgültig. Der Teutoburger Wald liefert dafür eine eindrucksvolle Kulisse – ein Ort, der ohnehin etwas Mythisches ausstrahlt und hier stimmungsvoll, wenn auch nicht sonderlich subtil genutzt wird. Man ahnt recht schnell: Dies wird kein reiner „Wer war’s?“-Krimi, sondern ein Geflecht aus Beziehungen, Vergangenheit und lokalen Machtstrukturen.

Im Zentrum stehen die Geschwister Paula und Leon Schäfer, gespielt von Hanna Plaß und Jakob Benkhofer. Ihre Dynamik gehört zu den stärkeren Elementen des Films. Das Drehbuch bemüht sich sichtbar, den beiden mehr als nur funktionale Ermittlerrollen zu geben: Rückkehr in die Heimat, familiäre Spannungen, unterschwellige Loyalitäten. Das ist alles nicht neu, aber solide umgesetzt. Plaß verleiht Paula eine angenehm spröde Entschlossenheit, während Benkhofer als Leon etwas bodenständiger wirkt – manchmal fast zu sehr, sodass seine Figur gelegentlich ins Blasse kippt.

Der Fall selbst – ein Toter mit Stichwunde, Verbindungen zu einer dubiosen Gruppierung und ein Netzwerk aus lokalen Akteuren – entfaltet sich erwartungsgemäß verschachtelt. Dabei bleibt der Film lange auf einem Niveau, das man als „kompetent erzählt“ beschreiben kann. Es gibt keine groben Schnitzer, aber auch kaum Momente, die wirklich überraschen. Die Spurensuche im Umfeld von Torsten Brokämper, verkörpert von Bernhard Schir, und dem Dachdecker Ulf Tigges (Sebastian Schwarz) wirkt zunächst wie ein klassisches Provinzgeflecht aus Macht, Einfluss und latentem Misstrauen. Das hat Atmosphäre, verliert sich aber zwischendurch in etwas zu vielen Andeutungen, die nicht immer eingelöst werden.

Interessanter wird es, wenn der Film versucht, Themen wie Generationenkonflikte, Radikalisierung, vielleicht auch Orientierungslosigkeit in sein Geflecht einzubauen. Das gelingt in Ansätzen, bleibt aber etwas skizzenhaft. Diese politischen Untertöne geben dem Film eine gewisse Relevanz, wirken aber stellenweise doch auch wie ein zusätzlicher Ball, den die Inszenierung jonglieren muss. Dass persönliche Beziehungen und Machtinteressen ineinander greifen, ist ein vertrautes Motiv – hier wird es ordentlich durchgespielt, ohne aber wirklich neue Facetten zu eröffnen. Kramers Spiel bringt dabei eine gewisse Schärfe in die Szenen, die ihnen gut tut, auch wenn ihre Figur nicht immer ganz greifbar wird.

Visuell bleibt «Blutsbande» indes angenehm zurückhaltend. Die Landschaft wird nicht überästhetisiert, sondern dient als ruhiger Hintergrund, gegen den sich die Figuren entfalten. Das passt zum Ton des Films, der insgesamt eher gedämpft ausfällt. Spannung entsteht weniger durch spektakuläre Inszenierung als durch die schrittweise Verdichtung der Hinweise. Allerdings fehlt es manchmal an rhythmischer Zuspitzung – gerade im Mittelteil zieht sich die Handlung etwas, bevor sie im letzten Drittel wieder anzieht.

Was am Ende bleibt, ist ein Krimi, der vieles richtig macht, ohne sich besonders hervorzutun. Die Figuren sind glaubwürdig genug geführt, die Handlung nachvollziehbar, die Themen relevant – aber selten zwingend. «Im Grunde Mord – Blutsbande» ist damit kein Film, der lange nachhallt. Vielleicht ist das sogar seine größte Stärke: eine gewisse Unaufgeregtheit, die in einem oft überdrehten Genre fast schon wohltuend wirkt. Nur hätte man sich an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Mut gewünscht – zu klareren Brüchen, stärkeren Figuren oder einer konsequenteren Zuspitzung.

Der Film «Im Grunde Mord – Blutsbande» wird am Montag, den 20. April um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

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