Marc Minneker (Produzent Saxonia Media): Zwölf Staffeln sind für eine wöchentliche Vorabendserie alles andere als selbstverständlich, und darauf sind wir stolz. Die Fernsehlandschaft hat sich stark verändert. Dass wir in diesem Umfeld seit über einem Jahrzehnt ein treues und immer wieder neues Publikum erreichen, ist für uns ein großes Geschenk. Dahinter steht ein eingespieltes Team in Erfurt, das mit viel Engagement gute Unterhaltung macht. Und die Weiterbildung der Assistenzärztinnen und -ärzte in der Chirurgie hält unser Erzähluniversum dramaturgisch frisch. Wenn Woche für Woche rund zwei Millionen Zuschauende einschalten, ist das eine wunderbare Bestätigung.
Mit konstant rund zwei Millionen Zuschauern und starken Mediathekenzahlen bleibt die Serie ein Publikumsliebling. Welche Rolle spielt dabei die Mischung aus linearer Ausstrahlung und Streaming?
Janaína Keintzel (Redakteurin MDR): Diese Mischung ist für uns inzwischen zentral. Unser lineares Publikum am Donnerstagabend ist uns treu und wichtig, gleichzeitig sehen wir, dass immer mehr Zuschauende unsere Folgen in der ARD Mediathek entdecken - zeitversetzt oder im Binge-Modus über ganze Staffeln hinweg. Beide Welten ergänzen sich wunderbar: Das lineare Fernsehen gibt unserer Serie ihren festen Platz im Wochenrhythmus, die Mediathek eröffnet uns ein auch jüngeres Publikum. Unsere Geschichten finden ihren Weg, egal auf welchem Bildschirm.
In der neuen Staffel übernimmt Dr. Leyla Sherbaz die Position der Chefärztin. Wie wichtig sind solche personellen Veränderungen, um eine Serie lebendig zu halten?
Marc Minneker: Solche Veränderungen sind wichtig und gehören zur DNA der jÄ. Die berufliche und persönliche Weiterentwicklung unserer Figuren endet nicht mit der Facharztprüfung – auch in der Chefetage bewegt sich etwas, und genau das hält unser Erzähluniversum lebendig. Mit Leyla Sherbaz als Chefärztin entstehen neue Konstellationen, neue Hierarchien, neue Konflikte. Für unseren Writersroom eröffnet das ein ganzes Feld frischer Geschichten.
Die Beziehung zwischen Leyla Sherbaz und Ben Ahlbeck wird durch die neue Hierarchie auf die Probe gestellt. Wie bewusst setzen Sie auf solche persönlichen Konflikte im beruflichen Umfeld?
Marc Minneker: Sehr bewusst, weil genau diese Reibung Geschichten erzeugt, die unser Publikum auch aus dem eigenen Leben kennt. Viele Paare lernen sich nach wie vor am Arbeitsplatz kennen, und die Frage, wie man berufliche Rollen und private Nähe unter einen Hut bekommt, ist universell. Bei Leyla und Ben kommt eine neue Dimension dazu: Sie ist als Chefärztin seine direkte Vorgesetzte – eine Hierarchie, die in einer Partnerschaft normalerweise nichts zu suchen hat. Genau darin liegt ein spannender dramaturgischer Ansatz. Und weil wir unsere Figuren selten im Privatleben zeigen, bringen sie ihre persönlichen Themen eben mit ins JTK.
Neben medizinischen Fällen spielen auch die privaten Geschichten der Figuren eine große Rolle. Wie finden Sie die richtige Balance zwischen Klinikalltag und emotionalem Drama?
Marc Minneker: Wenn eine Patientin oder ein Patient zu uns ins JTK kommt, bringt sie oder er immer auch eine ganze Lebensgeschichte mit: Ängste, Beziehungen, offene Konflikte. Unsere Ärztinnen und Ärzte begleiten diese Menschen nicht nur medizinisch, sondern auch durch persönliche Momente, die oft unmittelbar mit der Diagnose verwoben sind. Gleichzeitig bringen unsere Hauptfiguren ihre eigenen Themen mit: Beziehungsfragen, Familiäres, berufliche Zweifel. Aus diesem Ineinandergreifen entstehen die Geschichten, die unser Publikum mit uns erlebt.
Die jungen Assistenzärzte stehen weiterhin im Mittelpunkt. Wie gelingt es, immer wieder neue Figuren einzuführen, ohne den Kern der Serie zu verlieren?
Marc Minneker: In langlaufenden Serien gibt es immer Bewegung im Hauptcast, und bei uns ist sie sogar formatbildend: Weil die chirurgische Weiterbildung im Zentrum steht, gehört es zur inneren Logik der Serie, dass wir regelmäßig neue Figuren einführen. Sobald unsere jungen Ärztinnen und Ärzte ihre Facharztprüfung bestanden haben, schließt sich für sie ein Kapitel – und für uns beginnt ein neues. Diese fast natürliche Erneuerung hält unser Ensemble lebendig. Der Kern bleibt dabei immer derselbe: das Lernen, das Wachsen, das Scheitern und das Wieder-Aufstehen im Klinikalltag.
Mit dem Großeinsatz auf einem Festivalgelände greifen Sie auch spektakulärere Szenarien auf. Ist das ein Versuch, die Serie stärker zu dynamisieren?
Marc Minneker:
Dass unser Festivaleinsatz in Folge 459 als spektakulär wahrgenommen wird, ist ein schönes Kompliment an das gesamte Team, denn da steckt viel Vorbereitung drin - nicht zuletzt, weil wir für den Dreh leider kein echtes Festivalgelände zur Verfügung hatten. Grundsätzlich entsteht unsere Dynamik aber weniger aus großen Schauplätzen, sondern aus den überraschenden Wendungen in unseren Geschichten. Wir sind eine Krankenhausserie, und diesem Schauplatz bleiben wir treu. Wenn wir doch einmal raus aus dem JTK gehen, soll sich das wie ein besonderer Moment anfühlen - so wie bei Folge 459 „Trauerzeit“, zu sehen am 21. Mai 2026.
Die Serie erzählt oft von Verantwortung, Überforderung und Teamarbeit im Klinikalltag. Wie nah orientieren Sie sich dabei an realen medizinischen Erfahrungen?
Marc Minneker: Sehr nah - unsere medizinischen Fälle werden von unseren Autorinnen und Autoren gemeinsam mit einer erfahrenen Fachberatung sorgfältig recherchiert. Das ist uns wichtig, zumal wir viele Zuschauende aus medizinischen und pflegenden Berufen haben, die sehr genau hinsehen. Gerade unsere Assistenzärztinnen und -ärzte müssen Verantwortung erst lernen – Überforderung, Zweifel und auch mal Fehler gehören dazu. Was unsere Figuren auszeichnet: Sie stehen vor Problemen, aber sie lösen sie gemeinsam und in Freundschaft.
Die WG der jungen Ärzte sorgt für leichtere, humorvolle Momente. Wie wichtig ist dieser Ausgleich innerhalb der Erzählstruktur?
Marc Minneker: Der Humor ist bei uns kein Ausgleich, sondern gleichwertiger Bestandteil jeder Folge. Jede unserer Figuren hat ihren eigenen Humor, und wir können mit jeder von ihnen sowohl ernste als auch komische Geschichten erzählen - und das tun wir auch jede Woche. In jeder Folge halten sich Drama und Leichtigkeit die Waage: ein dramatischer und ein humorvoller Fall, dazu zwei Geschichten im Team, die vor allem eines wollen - dem Publikum gute Gefühle schenken. Die WG spielt dabei eine besondere Rolle, weil sie uns erlaubt, unsere Figuren auch einmal außerhalb der Klinik zu zeigen.
Nach über zehn Staffeln stellt sich die Frage nach Weiterentwicklung: Welche neuen Themen oder gesellschaftlichen Aspekte wollten Sie in Staffel 12 gezielt aufgreifen?
Janaína Keintzel: Im Zentrum unserer Serie stehen Emotionen, Freundschaft und die Weiterentwicklung unserer Figuren, weniger die tagesaktuelle gesellschaftliche Debatte. Das heißt aber nicht, dass wir uns gesellschaftlichen Themen verschließen - im Gegenteil. Wir erzählen sie regelmäßig, eingebettet in Figurengeschichten und ohne erhobenen Zeigefinger. Inklusion, Diversität, queere Lebensrealitäten oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf finden bei uns ganz selbstverständlich ihren Platz - weil sie Teil des Lebens unserer Figuren sind. Vorabendfernsehen im besten Sinne: zugänglich für alle, und trotzdem mit Haltung.
Der Vorabend ist ein hart umkämpfter Sendeplatz. Wie sehr beeinflussen Quoten und Publikumsreaktionen Ihre inhaltlichen Entscheidungen?
Marc Minneker: Quoten und Publikumsreaktionen nehmen wir sehr ernst, und sie fließen in unsere Arbeit ein. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Eine wöchentliche Serie ist eine enorme planerische Leistung, bei der wir oft schon ein Jahr im Voraus entwickeln und drehen. Ein unmittelbares Reagieren auf einzelne Quoten ist in diesem Rhythmus kaum möglich. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auf unser Team und die langjährige Verbindung zu unserem Publikum verlassen können.
Welche Perspektiven sehen Sie für die Serie – eher weitere Staffeln im bewährten Format oder auch neue erzählerische Wege?
Janaína Keintzel: Wir bleiben unserem Format treu. Unser Publikum schätzt an uns genau das, was uns ausmacht: verlässlich warmherzige Geschichten, ein Ensemble, das man über Jahre begleiten kann, und den festen Platz am Donnerstagabend. Innerhalb dieses Rahmens entwickeln wir uns aber kontinuierlich weiter, mit neuen Figuren, neuen Konstellationen, neuen Themen.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
«In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte» ist donnerstags um 18.50 Uhr im Ersten zu sehen./i>







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