Vor der vollständigen Invasion im Jahr 2022 hatte das ukrainische Fernsehen eine typisch europäische Struktur. Der Medienmarkt wurde von privaten Sendern mit unterhaltungsorientierten Programmen dominiert. Im Vergleich zu Deutschland verfügt der ukrainische öffentlich-rechtliche Sender Suspilne nicht über eine stabile und vorhersehbare Finanzierung in Form eines Rundfunkbeitrags, was es ihm erschwert, mit anderen Sendern zu konkurrieren. Sender wie 1+1, ICTV und Inter zeigten häufig Talentshows, Fernsehserien, Comedy-Programme und politische Talkshows sowie Filme aus dem In- und Ausland.Seit den Ereignissen vom 24. Februar 2022 war die Medienbranche der Ukraine ebenso erschüttert wie alle anderen Bereiche des ukrainischen Lebens. Um die Berichterstattung und die Krisenreaktion zu optimieren, haben sich die größten Fernsehsender zu einer einheitlichen 24/7-Nachrichtensendung mit dem Namen United News (auch als United Telemarathon bezeichnet) zusammengeschlossen.
Dieser Schritt bedeutete das Ende von Filmen, Unterhaltungsshows und anderen Medienformaten im Mainstream-Fernsehen. Mit der Zeit wurden die Nachrichten jedoch langsam zurückgefahren, um wieder etwas Abwechslung in das Programm zu bringen. Zunächst wurden hauptsächlich Aufzeichnungen aus der Vorkriegszeit sowie ältere ausländische Filme und Serien mit einem ständig laufenden Nachrichtenticker wiederholt. Mittlerweile sind einige Sender zu ihrem ursprünglichen Programm zurückgekehrt, mit Ausnahme der Anpassung an die Kriegssituation im Land.Die Auswahl eines typischen ukrainischen Fernsehzuschauers besteht oft aus Kanälen, die in Nachrichten und Unterhaltung unterteilt werden können. Um offizielle Nachrichten zu liefern und Einnahmen zu generieren, haben einige Kanäle den Weg eingeschlagen, sich in mehrere Sender aufzuteilen, wie beispielsweise 1+1 Ukraine und 1+1 Marathon sowie ICTV und ICTV 2.
Die Nicht-Nachrichtensendungen ähneln dem Fernsehen aus der Vorkriegszeit: Fernsehserien, Filme, Comedy- und Informationssendungen. Dazu gehören oft neue Staffeln von Serien wie Roztyn Pokazhe (Die Autopsie wird es zeigen), eine Serie über den Alltag von forensischen Medizinern, die auch dann noch nach der Wahrheit suchen, wenn die Ermittlungen bereits eingestellt wurden, oder Vykhodte bez dzvinka (Gehen Sie ohne anzurufen), ein Krimidrama um den Rennfahrer Bohdan, der der Polizei misstraut und die Suche nach dem Mörder seiner Frau selbst in die Hand nimmt. Es werden auch viele importierte Medien gezeigt, wie zum Beispiel ein alter Film namens Mr. Nice Guy mit Jackie Chan, in dem er einen Fernsehkoch spielt, der versehentlich in die Geschäfte der italienischen Mafia verwickelt wird.
Auch die Produktionspraktiken haben sich erheblich verändert. Viele Live-Sendungen wurden durch vorab aufgezeichnete Sendungen ersetzt, um die Gefahren und Unterbrechungen durch Luftangriffsalarme zu vermeiden. Einige Studios und Drehorte wurden beschädigt, sodass die Produktionen umziehen und flexibler werden mussten. Ein Beispiel dafür ist MasterChef Ukraine. Nach Abschluss der Aufzeichnungen zur 15. Staffel der Show wurde das Studio Ziel eines russischen Raketenangriffs, der das Studio beschädigte. Starlight.media, die größte Rundfunkgruppe der Ukraine und Produzent von MasterChef, erklärte, dass es keine Verletzten gab, und verwies auf seine Sicherheitsprotokolle für Kriegszeiten, zu denen die Befestigung der Produktionsräume, der Einbau von Schutzräumen und eine autonome Stromversorgung gehören.Trotz des Krieges entwickelt sich die Film- und Fernsehindustrie des Landes weiter und versucht, ihre Einnahmen zu diversifizieren, um zu überleben. Durch die fortgesetzte Produktion von Filmen haben ukrainische Studios weltweit führende Unternehmen wie Netflix auf den Markt gelockt. Mit derzeit über 80 lokal produzierten Titeln hat Netflix sein Interesse und seine Bereitschaft gezeigt, in ukrainische Filme zu investieren. Wie Serhiy Sozanovskyi, Leiter eines der größten Unternehmen im Bereich Film- und Fernsehproduktion, in einem Interview mit Forbes erklärte: „Netflix hat viel Geld in nationale Inhalte investiert. Millionen von Dollar.“ Um jedoch nicht zu sehr von ausländischen Plattformen abhängig zu werden, sind die führenden Unternehmen der Branche bestrebt, Partnerschaften mit ukrainischen OTT-Plattformen wie Sweet.tv und MEGOGO einzugehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von der Sicht eines Zuschauers das heutige Fernsehen in der Ukraine sich dem Fernsehen vor dem Krieg ähnelt. Das heißt aber nicht, dass die Branche sich nicht weiterentwickeln musste, um mit den Schwierigkeiten des Standes im Land umgehen zu können. Das Umziehen von Produktionen nach Westen oder die Diversifizierung vom Einkommen gewährleisten den Unternehmen eine sicherere Umgebung, um verschiedenste Inhalte dem Zuschauer anbieten zu können.







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