Die Kritiker

«Conan O’Brien Must Go» Kritik – Keiner blödelt sich besser durch die Welt

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Der langjährige, US-amerikanische Talkshow-Host Conan O’Brien, begibt sich abermals auf Reisen, die den schmalen Grat zwischen Fremdschäm- und Lachfaktor meistern sollen.

Wer jüngst O’Briens Auftritt bei der populären YouTube-Show «Hot Ones» gesehen hat, dürfte sich als Fan köstlich amüsiert haben und als jemand der mit der Person Conan O’Brien bisher nicht in Berührung getreten ist, durchaus die Frage gestellt haben, welcher völlig Durchgeknallte hier in die Sendung eingeladen wurde. Es ist O’Briens langjähriger Shtick mit dem Fremdschämfaktor zu spielen und dessen Grenzen auszuloten, dabei aber möglichst unterhaltsam zu sein. Keiner dürfte, insbesondere als Late-Night-Host, diese Grenzen zwischen charmanten Blödeleien und aufdringlichen, geradezu dreist wirkenden Einlagen so gut gemeistert haben, wie er. Denn so sehr viele seiner Auftritte auch planlos, übertrieben und improvisiert wirken, weiß der magna cum laude Absolvent der Elite Universität Harvard stets ganz genau, wie weit er mit Gästen und dem Zuschauer spielen kann.

Es überrascht nicht, dass ausgerechnet er, in einer sich wandelnden TV-Landschaft, mit stetig obsoleter werdendem linearem Fernsehen und sinkenden Einschaltquoten, erkannt hat, dass die Zeit der klassischen Late-Night-Shows, für die Zuschauer abends aufbleiben, um diese dann samt Werbeunterbrechungen „live“ vor dem heimischen Fernsehgerät zu verfolgen, vorbei ist. So waren es Ausschnitte seiner Shows auf YouTube, die weitaus höhere Reichweiten, insbesondere auch international, produzierten als die eigentlichen Ausstrahlungen im klassischen US-Fernsehen. Besonders erfolgreich liefen schon damals die Specials «Conan Without Borders», die bis heute auf YouTube abrufbar sind und ihm auch international einen größeren Bekanntheitsgrad verschafften, weshalb die nun für den US-Streamer Max produzierte Nachfolgesendung «Conan O’Brien Must Go» niemanden überraschen dürfte.

Sich selbst zum Zentrum der Lachmuskeln zu machen und sich für keine Albernheit zu schade zu sein, ist abermals erklärtes Ziel seiner Reisen. Ob in Norwegen, Argentinien, Thailand oder Irland ist die Vorgehensweise immer identisch. Conan trifft seine internationalen „Fans“ (die ihn über seinen Podcast kontaktierten) oder Einheimische mit der Intention, dass der Zuschauer nach der Sendung nicht mehr über das gezeigte Land weiß als vor der Show. Zu großen Teilen gelingt ihm dieses Ziel auch. Denn Eckpfeiler der äußerst kurzweiligen Reisen sind nicht die Länder selbst, sondern die Menschen mit denen er auf diesen interagiert. Mit krudem Humor und einem teils äußerst frechem und dreistem Auftreten, gelingt meist der Spagat zwischen lautem Lachen und verschämtem Wegschauen vom Bildschirm. Was auffällt ist allerdings insbesondere im Vergleich zu seiner vorherigen Reiseshow, dass dieses neue Projekt offensichtlich für die Aufmerksamkeitsspanne der Social-Media-Generation geschaffen wurde. Vieles wirkt äußerst beschleunigt und geradezu gehetzt, die verschiedenen Szenen passen für sich alleinstehend, wirken aber immer etwas wahllos zusammengeschnitten, so als wäre geplant, die Show zu einem späteren Zeitpunkt in ihre Einzelteile zerlegt in kleinen Stücken auf einer Videoplattform wie YouTube zu veröffentlichen.

«Conan O’Brien Must Go» bietet für langjährige Fans des Entertainers kurzweilige, altbekannte Unterhaltung und dürfte, je nachdem bei welchem Streamer sie hierzulande gezeigt wird, ähnlich wie andere Reiseshows, beispielsweise Amazons «James May: Our Man in...», durchaus seine Zuschauerschaft finden.

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