Interview

‚Inhaltlich gesehen üben Inseln eine Faszination aus‘

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Die Showrunner von «Der König von Palma», Veronica Priefer und Johannes Kunkel, sprechen über die neue Staffel, die inhaltliche Veränderung und ihr neuestes Projekt.

Seit Dienstag ist die zweite Staffel «Der König von Palma» bei RTL+ zu sehen. Außerdem läuft die UFA Fiction-Produktion am 11. und 18. Juli in der RTL-Primetime. Hatten Sie Vorgaben, welche Zahlen mit der Ausstrahlung zu erreichen sind?
Veronica Priefer: Genaue Vorgaben gab es nicht, denn die erste Staffel von «Der König von Palma» hatte beim Publikum vor allem in der nicht-linearen Verwertung gut funktioniert. Deswegen hatte sich RTL auch für eine zweite Staffel entschieden.
Johannes Kunkel: Aber ja, wir haben uns für die ersten drei Folgen in der linearen Ausstrahlung etwas mehr erhofft.

In der zweiten Staffel möchte Matthias Adler seine Bar „Bieradler“ erweitern, Mallorca wird zum Touristenmagnet. Mit dieser Storyline macht sich Adler allerdings nicht nur Freunde?
Veronica Priefer: Ganz und gar nicht! Matti Adler will mitmischen an einem Ort und in einer Zeit wo mit zunehmend harten Bandagen gekämpft wird.
Johannes Kunkel: Um sich zu behaupten bedient er sich zunehmend Mitteln, zu denen er in Dortmund nie gegriffen hätte. Dies macht ihm sehr schnell Feinde.

Die Balearen-Insel ist ein häufig genutztes Motiv innerhalb der RTL-Familie. War also eine fiktionale Serie irgendwann ein logischer Schritt?
Veronica Priefer: Man kann Mallorca sicherlich als die Lieblingsinsel der Deutschen bezeichnen. Deswegen machen Programme dort auch so viel Spaß.
Johannes Kunkel: Wichtig ist aber zu unterscheiden zwischen „Sauf-Tourismus“ und dem Sehnsuchtsort vieler Familienurlaube. Der Großteil aller Mallorca-Enthusiasten kann das Wort „Ballermann“ lange schon nicht mehr hören.

In der zweiten Staffel stehen Thriller und Krimi im Mittelpunkt. Warum haben Sie die Ausrichtung ein kleines Stück verändert?
Veronica Priefer: Das war ein organischer Prozess. Bereits als wir die Serie konzipiert haben, war klar, dass unsere Figuren auf der Insel in gewisser Hinsicht ihre Unschuld verlieren. Sie stoßen auf eine Goldader und vor allem Matti ist bereit alles dafür zu tun, um sie auszuschöpfen.
Johannes Kunkel: Daher war es für uns inhaltlich der logische Weg, düsterer zu werden und kriminelle Aspekte zu zeigen.

Das Autoren-Team wurde mit der zweiten Staffel verändert. Welche Vorteile hat es, dass man mit mehreren Personen arbeiten kann?
Veronica Priefer: Wir hatten die Herausforderung in kurzer Zeit eine zweite Staffel zu schreiben. Das Autorenteam zu vergrößern hat uns nicht nur ermöglicht, in kürzerer Zeit mehr Output zu haben, sondern auch die einzelnen Stränge und Figuren detaillierter auszuarbeiten. Es war ein tolles Team mit großer Liebe zur Serie und Verständnis für die Figuren. Das hat frischen Wind in die Arbeit gebracht und zudem wirklich sehr viel Spaß gemacht.

Können wir bei Matthias Adler eine Typenveränderung wahrnehmen, wie es beispielsweise bei Walter White bei «Breaking Bad» deutlich war?
Veronica Priefer: Natürlich. Matti ist - anders als Walter White - eine Figur, die fast ausschließlich intuitiv handelt.
Johannes Kunkel: Er will seine Ziele erreichen, und hat im Hinterkopf, dass er in seinem Alter schon einiges erfolglos versucht hat. Diesmal muss es einfach klappen. Die einzelnen Schritte scheinen klein, doch wenn er sich eine Sekunde besinnen würde, dann würde er seinen „Typ“ kaum noch erkennen, also Ja, die Veränderung können wir deutlich sehen.

Henning Baum ist ein sehr markanter Schauspieler. Wie haben Sie ihn für die Rolle überzeugen können?
Veronica Priefer: Henning war von Anfang an ein großer Unterstützer der Idee. Er hat den Kern der Figur erfasst, als es noch nicht mal Drehbücher gab.
Johannes Kunkel: Über die Jahre ist aus der Zusammenarbeit eine Freundschaft entstanden, die auch daher rührt, dass wir inhaltlich einander immer vertraut haben.

Mit Heike Makatsch und Sonja Kirchberger haben Sie zwei Top-Stars verpflichten können. Sind solche Namen für die Promotion wichtig?
Johannes Kunkel: Wir als Filmemacher:innen besetzen immer nach darstellerischer Kraft und wie die Rollen-Idee interpretiert wird. Daher waren wir überglücklich, dass Heike Makatsch durch viele glückliche Umstände und die Hilfe von Nina Haun zum Projekt kam. Bei Sonja war es auch so, dass wir seit Jahren schon versucht haben mit ihr zu arbeiten, daher freuen wir uns so sehr, dass sie als Mallorca-residentin die Rolle der Biggi so grandios verkörpert. Das Medienecho, dass beide auch aufgrund ihrer starken Persönlichkeit mitbringen, hat der Serie sicher geholfen noch bekannter zu werden.

Sky hat die hauseigene Fiction beendet. Wie geht es mit «Helgoland 513», auch UFA Fiction, weiter?
Veronica Priefer: «Helgoland 513» ist mittlerweile bereits in der Postproduktion, d.h. wir stellen die Staffel wie geplant fertig.
Johannes Kunkel: In diesen turbulenten Zeiten sind wir natürlich sehr froh darüber, mit diesem Projekt nicht betroffen zu sein von unvorhergesehenen Abbrüchen, o.Ä. Wir nehmen aber wahr, wie Entscheidungen dieser Art die Produktionslandschaft derzeit vermehrt hart treffen.

Die Serie spielt ebenfalls auf einer Insel – doch in einem völlig anderen Rahmen. Müssten wir unsere deutschen Inseln ohnehin größer in Serien verarbeiten?
Johannes Kunkel: Inhaltlich gesehen üben Inseln eine Faszination aus. Man bedenke nur, wie oft das Wort „Insel“ in anderen Kontexten verwendet wird.
Veronica Priefer: Dazu raten könnten wir jedenfalls nicht. Auf Inseln zu drehen ist - unserer Erfahrung nach zumindest - immer eine Herausforderung (lacht).

Danke für Ihre Zeit!

«König von Palma» läuft am kommenden Dienstag bei RTL und ist jederzeit bei RTL+ zum Abruf bereit.

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