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«The White Lotus» - Staffel 2 Kritik – Ein notwendiger Nachfolger?

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Die mehrfach Emmy prämierte Gesellschaftssatire über das unzufriedene Leben der Reichen und Schönen und jener, die es gerne wären, geht in die zweite Runde.

Was passiert, wenn eine ursprünglich als Miniserie konzipierte Produktion von Kritikerlob überhäuft wird und mit höher als zu erwartenden Zuschauerzahlen auftrumpfen kann? Richtig, das „Mini“ wird gestrichen und eine fortlaufende Serie wird auf den Weg gebracht, die nun versuchen muss, sich mit dem Erstling zu messen. Beißend gesellschaftskritisch mit wunderschönem Setting auf Hawaii und durchweg überzeugendem Schauspiel konnte die erste Staffel gepaart mit einem klassischen Murder-Mystery über sechs Folgen hinweg zum Dranbleiben animieren.

In Staffel zwei scheint sich auf den ersten Blick an diesem Erfolgsrezept nicht sonderlich viel geändert zu haben. Statt auf Hawaii findet die Handlung nun auf der gleichermaßen paradiesischen Insel Sizilien statt und der Cast wurde bis auf Jennifer Coolidge, die für ihre Rolle der Tanya McQuoid einen Emmy als beste Nebendarstellerin ergattern konnte und den nun ihren Ehemann verkörpernden Jon Gries, ausgetauscht. Die Prämisse bleibt hingegen gleich. Abermals wird zu Beginn der Staffel per Vorausblende kurzzeitig der letzte Tag des einwöchigen Hotelaufenthalts der Gäste beleuchtet, an dem eine oder in diesem Fall gar mehrere Leichen auftauchen. Zurück in der Gegenwart, werden die Hotelgäste per Shuttle-Bot an den Pier des Hotels gebracht und die Woche im Leben der (unzufriedenen) Reichen und Schönen beginnt.

Relativ schnell wird dabei deutlich, dass Serienschöpfer Mike White keinerlei Intention verfolgt zu haben scheint, mit Staffel zwei das Rad gänzlich neu zu erfinden. Vieles an dieser Staffel wirkt wie ein aufgewärmtes Gericht vom Vortag, was in diesem Falle nicht so negativ konnotiert werden sollte, wie es zunächst klingen mag. Denn so manches Gericht schmeckt am Folgetag genauso gut, wenn nicht sogar in Teilen noch besser, lediglich der Reiz des Neuen ist nicht mehr vorhanden. Mit unter anderem Michael Imperioli, Theo James und Aubrey Plaza wurde aus schauspielerischer Sicht adäquater Ersatz für die Erstlingsriege gefunden und insbesondere Jennifer Coolidge bekommt noch mehr Raum zur Entfaltung. Wie schon in Staffel eins überzeugt das Gros der Schauspieler hier eher mit Understatement, geht dabei aber stets überzeugend in ihren Rollen auf.

White schafft es zusammen mit seiner Schauspielerriege Charaktere ins Leben zu rufen, von arm bis reich, sympathisch bis geradezu langweilig, deren Leben für den Zuschauer oberflächlich und gänzlich uninspiriert wirken kann und doch stets eine gewisse Faszination erzeugt. Die Satire mag insgesamt nicht mehr so beißend, wie noch in Staffel eins wirken und das pacing ist vergleichsweise noch gemächlicher, trotz dessen schaffen es die Autoren und Schauspieler abermals Dialoge und Schauspiel auf höchstem Niveau miteinander zu verknüpfen und so ein Kunstwerk zu erzeugen, das es vermag Blicke auf sich zu ziehen, auch wenn der Grund dafür nicht immer ganz klar wird.

«The White Lotus» bewegt sich in seiner zweiten Staffel sowohl erzählerisch als auch von schauspielerischer Seite aus, auf ähnlich hohem Niveau wie der Erstling. Aufgrund der stilistischen und thematischen Ähnlichkeit dürfte die Staffel nicht unbedingt für Neueinsteiger interessant sein, schafft es aber insgesamt die Qualität des Vorgängers zu halten.

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