Anfang Juli veröffentlichte Netflix die nächste deutschsprachige Fernsehserie, die sich um den Wirecard-Fall dreht.
Düsseldorf statt des Münchner Vororts Aschheim. Doch sonst ist vieles inhaltlich gleich: Felix Armand ist eine nette Version von Jan Marsalek, der letztendlich beim großen Börsencrash von Wirecard Mitte 2020 das Land verließ und weltweit gesucht wird. Doch alles der Reihe nach: Im Mittelpunkt der Netflix-Serie «King of Stonks» steht der 30-jährige IT-Manager Felix, etwas dicker und Hemdträger, gespielt von Thomas Schubert («Euer Ehren»), ein völlig unterschätzter Schauspieler.
Der Journalist Tom Wieland (Andreas Döhler) sucht seit Monaten nach Informationen über den raketenähnlichen Aufstieg der Firma. Ihm ist es gar nicht geheuer, wie ein deutsches Fintech-Unternehmen so einen fabelhaften Aufstieg hinlegen kann. Dazu kommt Sheila Williams, die auf die Pleite des Unternehmens setzt. Sie hat die Akten der Firma studiert und möchte das große Geld verdienen. Um die sechs Folgen lange Miniserie zu überbrücken, werden auch die Porno-Millionäre und die italienische Mafia eingebaut – immerhin müssen knapp fünf Stunden Sendezeit gefüllt werden.
Umso länger die Handlung andauert, desto verrückter werden die Charaktere. Dann wird schon mal ein Adler in die Hauptzentrale von CableCash geholt, zahlreiche Partys gefeiert und die eine oder andere Feindschaft auch offen ausgetragen. Geld verdienen setzt Glücksgefühle frei, sagten Experten. Dieses Gefühl ist wie die stetige Einnahme einer Droge. Die Showrunner Matthias Murmann und Philipp Käßbohrer nahmen sich Filme wie «The Wolf of Wall Street» und «The Big Short» als Vorbild. Keine schlechte Wahl, die Serie gehört zu den besten Serien des Jahres. Zweifelsohne hat die bildundtonfabrik einmal mehr einen würdigen seriellen Nachfolger von «How to Sell Drugs Online (Fast)» geschaffen. Dennoch haben die Autoren einen Fehler hinterlassen. Die Satire um Wirecard und schließlich auch um CableCash funktioniert nur, wenn die Originalgeschichte bekannt ist. Davon hat man in den vergangenen Jahren viel mitbekommen. Spiegel+-Leser, Zuschauer der hervorragenden Sky-ARD-Dokumentation «Wirecard – Die Milliarden-Lüge» oder Konsumenten der Sachbücher „House of Wirecard: Wie ich den größten Wirtschaftsbetrug Deutschlands aufdeckte und einen DAX-Konzern zu Fall brachte“ und „Bad Company“, die erschienen sind, können die sechs Episoden richtig genießen – da schon die kleinsten Details eine Anlehnung an dieser ominösen Firma aus Aschheim sind.

• King of Stonks • Euer Ehren • Sörensen hat Angst • The Wolf of Wall Street • The Big Short • How to Sell Drugs Online (Fast) • Wirecard – Die Milliarden-Lüge • Inventing Anna
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