Interview

Sebastian Meinberg: ‚«Fakt oder Fake» ist kein durchformatiertes Quiz‘

von   |  7 Kommentare

Am Freitagabend startet die neue Show des Bayerischen Fernsehens. Quotenmeter sprach mit dem Moderator über das Format und auch über seine «PULS Reportage», die bei YouTube hervorragende Aufrufzahlen hat.

Am späten Freitagabend führen Sie durch insgesamt sechs Ausgaben Ihrer neuen Sendung «Fakt oder Fake». Unter anderem treffen Sie auf Gäste wie Elena Uhlig und Koch Alexander Herrmann. Welche Art von Smalltalk führen Sie denn vor der Sendung mit Ihren Gästen?
Smalltalk trifft es ganz gut. Denn viel besprechen die Gäste und ich vor der Sendung tatsächlich nicht. Es gibt keine klassischen Vorgespräche, wir verraten den Gästen auch keines der Themen der Show – es sollen sich alle spontan auf das einlassen, was dann in der Sendung passiert. Und das Schöne ist: Unsere Gäste tun das auch und haben viel Spaß daran.

«Fakt oder Fake» ist eine neue Unterhaltungsshow, bei der Ihre Gäste im wahrsten Sinne des Wortes zwischen echten Annahmen und Fälschungen unterscheiden müssen. Worauf kommt es in Ihrer Sendung noch an? Müssen Ihre Gäste eine gute Allgemeinbildung haben oder sind die Antworten recht zufällig?
Das Allerwichtigste ist, neugierig zu sein und einfach Lust aufs Rätseln und Spekulieren zu haben. Es geht am Ende in der Sendung auch gar nicht mal so sehr ums Rechthaben. Viel mehr ist der Weg das Ziel, also wie kommt man zur vermeintlichen Lösung, was fällt auf, worauf achten die Gäste? Natürlich schadet Allgemeinbildung nie – allerdings hilft sie bei «Fakt oder Fake» auch nicht immer weiter. Denn manches Video, das wir zeigen, ist so absurd, da kann man kaum die richtige Lösung wissen, sondern muss sich Schritt für Schritt einer Antwort nähern. Und schließlich dann doch den Bauch entscheiden lassen.

Die erste Folge von «Fakt oder Fake» läuft am Freitag, den 25. März, um 22.05 Uhr. Sind Sendezeiten für Menschen wie Sie und mich noch wichtig, wenn es doch eine riesige ARD-Mediathek gibt?
Für mich persönlich spielen lineare Sendezeiten kaum noch eine Rolle. Meine Eltern werden aber sicher um 22.05 Uhr vor dem Fernseher sitzen, während Freund:innen von mir die Show dann irgendwann in der Mediathek anschauen. Es hat also beides nach wie vor seine Berechtigung, die lineare Ausstrahlung wie die digitale Verbreitung. So lassen sich letztlich unterschiedliche Zielgruppen bedienen. Klar, was die Fernsehsendezeit angeht, könnte ich mir für «Fakt oder Fake» auch 19 Uhr oder 20:15 Uhr vorstellen – vielleicht würde das Format dahin sogar noch etwas besser passen. Denn eine Late-Night-Show ist es nicht. Obwohl ich einen beweglichen Late-Night-tauglichen Schreibtisch habe.

Wie viel Meinberg und Bayern steckt eigentlich in «Fakt oder Fake»?
Prinzipiell können Sie diese Show auf der ganzen Welt machen, das Konzept ist erstmal sehr universell. Aber trotzdem oder gerade deswegen wird man viel Meinberg und Bayern spüren in der Show. Denn «Fakt oder Fake» ist kein durchformatiertes Quiz, wo schnell eine Frage nach der anderen durchgegangen wird. In der Regel beschäftigen wir uns in einer Show, in 45 Minuten, insgesamt mit vier Fällen. Das lässt den Gästen und mir jede Menge Freiraum zu interagieren, zu diskutieren, auch mal kompletten Blödsinn zu machen. Und ich denke, da werden mich die Leute, die meine anderen Formate schauen, schon wiedererkennen. Und unsere prominenten Gäste sind gerade dem BR-Publikum sehr vertraut. Die blicken also mit der bayerischen Sicht auf die Fakes aus aller Welt, die wir in der Show präsentieren.

In den kommenden Monaten begrüßen Sie noch Gäste wie Schlagerstar Patrick Lindner, Komiker Harry G oder Willy Astor. Über welchen Prominenten haben Sie sich besonders gefreut?
Weil Sie jetzt nur Männer aufgezählt haben: Wir haben übrigens auch viele weibliche Gäste in der Show, Elena Uhlig zum Beispiel oder Lisa Bitter. Aber ich möchte gar niemanden herausheben. Was mich wirklich am meisten gefreut hat: Die Gäste hatten Spaß daran, sich darauf einzulassen, einfach auch mal wild herumzuspekulieren – auch auf die Gefahr hin, dass man sich verrennt und kompletten Blödsinn erzählt. Das ist auch etwas, was mir an der Show sehr gefällt. Man lernt die Prominenten kennen, ohne dass es eine einzige klassische Talkshow-Frage gibt. Hier plaudern und raten einfach alle Gäste spontan drauf los. Und niemand sitzt da, um ein Buch, einen Film oder eine neue Platte zu verkaufen, darüber sprechen wir überhaupt nicht. Alle sind wegen der Sache da, eben Fakt von Fake zu unterscheiden.

In Ihrer Laufzeit waren Sie vorwiegend nur beim Bayerischen Rundfunk tätig. Gefällt es Ihnen in München so gut?
In München lässt es sich aushalten – aber ich bin nicht mit der Stadt verheiratet, also wer weiß... Dass ich dem BR so lange die Treue halte, hat aber schon seinen Grund. Der Sender hat mir viel ermöglicht, wir konnten unsere eigenen Formate starten und weiterentwickeln. Und auch zu den Zeiten, in denen wir noch nicht den großen Erfolg hatten, durften wir weitermachen. Dafür bin ich wirklich dankbar. Und ich finde, dass sich dieser lange Atem auch für den Sender gelohnt hat. Aber ich habe trotzdem nicht das Gefühl, schon fertig zu sein mit der Entwicklung. Ich glaube, dass wir aus den Erfahrungen und Erfolgen, die wir beim BR und in der ARD mit den jungen Formaten haben, noch mehr für die klassischeren, erwachseneren Programme rausholen können. Wenn in der Richtung in den nächsten Jahren noch mehr passiert, bleibe ich wahrscheinlich noch lange in München.

Sie gehören auch zum Team der «Puls Reportage»-Macher: Welche Story hat Sie in den vergangenen Jahren besonders bewegt?
Wir gehen die Themen bei uns immer sehr persönlich an, daher bleiben viele Filme und Erfahrungen bei mir hängen. Aber außergewöhnlich für mich ist sicher unsere Reportage-Reihe zur Organspende. Seit einigen Jahren begleiten wir eine junge Frau mit Mukoviszidose, Sabina, die aufgrund ihrer Krankheit eine neue Lunge brauchte. Bei dieser Transplantation war ich dann sogar im OP mit dabei. Eine natürlich sehr bewegende und gleichzeitig faszinierende Erfahrung für mich. Wir begleiten Sabina übrigens bis heute. Nachdem es ihr mit der neuen Lunge sehr gut ging, ist sie mittlerweile leider auf eine Retransplantation, also noch mal auf eine neue Lunge angewiesen. So ein Schicksal lässt einen natürlich nicht los.

Das YouTube-Format «Puls Reportage» hat über 800.000 Abonnenten. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Ihren Zuschauern?
Das Feedback ist je nach Thema natürlich unterschiedlich. Grundsätzlich bekommen wir viel Lob, aber auch Kritik und Themenvorschläge. Wir versuchen, wirklich alles so gut es geht wahrzunehmen, daraus zu lernen und uns ständig weiterzuentwickeln. Für uns ist der Austausch mit der Community sehr wichtig. Wir gehen auch keine größere Veränderung beim Format an, ohne in dem Prozess mit unseren Abonnent:innen ins Gespräch zu gehen. Und ganz grundsätzlich: Dadurch, dass wir sehr persönliche Filme machen, Selbstversuche, in denen wir die Leute sehr nah an unser Leben lassen, gibt es eine sehr enge Verbundenheit zwischen der Community und uns Hosts. Deswegen bekommen wir auch sehr viele sehr persönliche Nachrichten. Das empfinde ich als Bestätigung, dass das was wir tun, wirklich bei den Leuten ankommt.

Arbeiten Sie eigentlich mit anderen Jugendformaten aus der ARD-Welt zusammen? Gibt es öfters virtuelle Treffen, bei denen man gemeinsame Themen absteckt?
Im funk-Netzwerk haben wir einen sehr intensiven Austausch, unser Format «Das schaffst du nie!» ist ja Teil davon. Aber auch außerhalb von funk wird sich ausgetauscht. Bei den jungen Programmen und Wellen in der ARD gibt es regelmäßige Absprachen, zum Beispiel über Kooperationen, Themenwochen oder neue gemeinsame Produkte.

Sie leben sich mit dem YouTube-Format «Das schaffst du nie!» vollkommen anders aus. Welche YouTube-Clips können Sie unseren Lesern empfehlen?
Wenn es nach Views geht, müsste ich wahrscheinlich die Challenge empfehlen, bei der ich 24 Stunden im Whirlpool sitzen musste. Mehr Spaß gemacht haben mir allerdings unsere Roadtrip-Challenges, einmal sollte ich mit einer Schrottkarre an den Gardasee fahren, ein anderes Mal mit einer Ape und auch mit dem E-Scooter habe ich schon versucht, es über die Alpen zu schaffen. Interessanterweise kommt viel positives Feedback auch zu unserer Verstecken-Reihe. Tatsächlich haben wir mal angefangen, das gute alte Kinderspiel Verstecken in extremer Form neu aufzulegen – und diese Videos haben mittlerweile schon sehr viele Fans.

Ihre Reportagen haben zeitweise richtig gute Abrufzahlen. Warum kann ein Team der „alten“ ARD besser Wissen vermitteln als beispielsweise ProSieben mit «Zervakis & Opdenhödel. Live.»?
Ich will gar nicht beurteilen, ob wir das wirklich besser können. Wir bei «PULS Reportage» haben unser Format mit einem jungen Team auf die Anforderungen des Mediums, in unserem Fall YouTube, angepasst und weiterentwickelt. Und da sehe ich den Schlüssel zum Erfolg: Nicht nur über etwas reden, sondern es selbst machen. Wir Hosts versuchen als Menschen vor der Kamera zu stehen und nicht einfach nur zu moderieren. Wir probieren viel selbst aus, lassen unsere Community nah an uns ran. Und wir legen großen Wert darauf, dass unsere Zuschauer:innen in unseren Reportagen gleichermaßen etwas miterleben, aber auch etwas mitnehmen können – Bildungsauftrag und Unterhaltungswert gehören für uns zusammen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kurz-URL: qmde.de/133287
Finde ich...
super
schade
64 %
36 %
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger Artikel«The Staircase»: Colin Firth und Toni Collette schlagen bei Sky aufnächster ArtikelFlop erster Kajüte: «Balko Teneriffa»
Es gibt 7 Kommentare zum Artikel
Familie Tschiep
25.03.2022 12:28 Uhr 1
Freiraum zu interagieren klingt eher bedrohlicher als ein durchgetaktetes Quiz, weil da viel sinnloses, langweiliges Gelaber entstehen kann. Von diesen Promis-labern-sich-einen-Wolf-Quizes gibt es schon viel zu viele. Die Gäste müssten schon sehr intelligent und kreativ sein, dass so etwas Spaß macht, sonst empfinde ich dieses wilde Herumspekulieren eher ätzend.
Wolfsgesicht
25.03.2022 13:43 Uhr 2
Ich mag seine Formate sehr, sowohl DSDN als auch die Reportagen schaue ich gerne, wobei das schon auch durch Arri stark mitgetragen wird (die hier irgendwie gar nicht erwähnt wird).

Gehen tatsächlich auch sehr auf das Feedback ein, habe selber schon häufiger ne Antwort bekommen. :)



Den letzten Punkt finde ich aber interessant. DIe Vorstellung das ProSieben das Format samt Moderatoren abkaufen könnte fände ich sehr interessant. Betone ja schon häufiger dass viele Formate für einen eigenen Sender reichen. Für ProSieben als Nachmittagsprogramm würde es allemal reichen, aber auch am Abend hat ProSieben ja immer mehr Probleme. Statt Lizenzware könnte man ja mal auf solche Formate setzen. Zervakis und Opdenhövel konnten sicherlich funktionieren, wenn es Internettauglicher wäre. Wobei das etwas für den Nachmittag wäre.
Familie Tschiep
26.03.2022 10:36 Uhr 3
Dann sollen sie keine Quizshows machen, wenn sie die nicht mögen. Von diesen Promi-ohne-Ahnung-labern-sich-einen-Wolf-Show habe ich genug.



Ein gut und klug konstruiertes Format ohne Quizibunti trägt eine Sendung. Diese Gebundenheit schafft auch für die Macher Freiheit, nämlich spontan ultrakreativ zu sein. Gefragt, gejagt ist ein tolles Format, Wer wird Millionär eigentlich auch noch, Pointless wäre es auch.
Thomas1983
26.03.2022 11:52 Uhr 4
So ein Promi-Quiz bräuchte ich jetzt auch nicht unbedingt....Würde mich aber freuen wenn Pro7 mal mit etwas Erfolg hat. Mich wundert es das Zervakis und Opdenhöfel nicht längst abgesetzt wurde, bei den katastrophalen Marktanteilen von 1.8% Gesamt und 3-4% bei den 14-49J. Am nervigsten finde ich aber die ARD die von Gefragt Gejagt nur noch deutlich weniger Folgen produzieren lässt ( Sommerloch) um von Oktober- Mai/Juni das langatmige Wer weiß denn schnarch.....auszustrahlen.
Familie Tschiep
26.03.2022 16:14 Uhr 5
Irgendwann werden die Sender sehen, dass die Promi-laber-Quizshows nicht mehr so ziehen. Wer weiß denn sowas hat auch seine besten Zeiten hinter sich. Vielleicht gibt es dann noch Befürworter, die eigentlich keine Quizshows mögen, Irgendwann wird diese Kritik auf Mainstream ausweiten, weil irgendwann ist alles nicht mehr so spannend.



Vielleicht glaubt man, man müsste ein Jahr durchhalten, damit das Publikum ZOL auch findet, aber da gibt es keinen Aufschwung, auch keinen kleinen, stetigen, das Publikum hat offenbar gesprochen, für ZOL hat es keinen Bedarf.
Wolfsgesicht
28.03.2022 05:24 Uhr 6


Wahrscheinlich hat man einfach kein besseres Format um die Zervakis zu beschäftigen.
Thomas1983
11.04.2022 12:36 Uhr 7
Das wird es sein 😀 😀

Optionen

Drucken Merken Leserbrief




E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung