Hingeschaut

«Schwiegertochter gesucht» bereitet wieder Magenschmerzen

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Einen ungewöhnlichen Mix aus verschiedenen Männern im mittleren Alter will Warner Bros. Television unter die Haube bringen. Andrea Finger-Erben ist die neue Vera Int-Veen und das ist nicht positiv konnotiert.

Elf Jahre konnten Vera Int-Veen und Warner Bros. International Television Production Deutschland GmbH Junggesellen und ihre Mütter bei «Schwiegertochter gesucht» kennen lernen. Das Format startete im Frühjahr 2007 am Sonntagvorabend bei RTL und wurde aufgrund des großen Erfolges in die Primetime des Senders verlegt. Das Konzept ist eigentlich ganz niedlich, denn es werden Männer zwischen 30 und 49 Jahre ausgesucht, die noch viel mit den Eltern zu tun haben. Daraufhin können sich Frauen und Damen bewerben. Doch die Produktionsfirma hat es in der Vergangenheit etwas zu gut mit den Teilnehmern gemeint, weshalb die Macher hinter der Kamera vor Hochmut strotzten und für immer bessere Quoten weitere Fallstricke aufbauten.

Man könnte sagen, dass das Format, das mit „Man of Devolution“ (Fools Garden) zwar nett verpackt war, aber der immer mehr – wie ein alter Fisch – zu stinken begann. Jahr für Jahr haben sich die verantwortlichen Produzenten neue Ideen überlegt, wie man Menschen am Rande der geistigen Behinderung vorführen könne. Das gipfelte in dem Ableger «Beate und Irene» und sorgte dafür, dass Beate und Ingo, die Kult-Singles der Show, auch miteinander verkuppelt werden sollten. Sie hatten keine Gemeinsamkeiten, aber wozu auch? Hauptsache vorführen!

RTL ließ das Format umbauen, nur war der Name schon verbrannt. Warner Bros. ist auch für «First Dates» verantwortlich, weshalb man auf ein Pool an netten Männern und die geeigneten Frauen kommen könnte. Doch mit der neuen Moderatorin und Vea-Int-Veen-Nachfolgerin Angela Finger-Erben kehrt die alte Boshaftigkeit zurück. Die Sendung zeigt ihre Schamlosigkeit schon in der ersten Sekunde, in der Sascha und seine Mutter wie zwei Hühner miteinander gackern. „Das wird die neue Begrüßung“, urteilt Saschas Mutter Regina.

Finger-Erben eröffnet die neue Staffel auf einem Steg und spricht wieder in Alleriterationen. So beginnt die Reise beim „fröhlichen Fleischer Sascha“, bei dem es „um die Wurst geht“. Finger-Erben landet jetzt bei einem Wurstaufsteller, schnappt sich eine und beißt dazu noch genüsslich hinein. Es ist ein Clash der Kulturen: Das RTL-Team von «Schwiegertochter gesucht» möchte dort ansetzen, wo die frühere Skandalsendung aufhörte. Veggi-Wurst wird dabei genauso entschieden abgelehnt, wie ein würdevolles Miteinander mit den Kandidaten.

„Im sagenhaften Sauerland ist ein sensibler Schlagerfan sesshaft und streicht noch immer mutterseelenallein durchs Land“, heißt es beim Film über Sascha. „Hallo, ich bin Sascha, ich bin 35 und ich suche eine Freundin“, teilt er dem Publikum mit. Er beklagt sich, dass er bislang nur falsche Beziehungen hatte, die nur von kurzer Dauer waren. Es folgen Szenen, wie der Mann mittleren Alters mit seinen großen Händen Frikadellen formt, Mett zubereitet und wunderliche Aussagen von sich gibt, wie: „Ab und zu bringe ich auch einmal ein paar Frikadellen mit nach Hause.“ Ach was! Auftritt von Finger-Erben, die Sascha im Beitrag an seinem „appetitlichen Arbeitsplatz“ besucht und ihn lobt, dass er diese wunderschöne Wurstplatte zusammengestellt hat. „Da hast du dir aber Mühe gegeben“, so Finger-Erben. Wie geschauspielert das ist, offenbart der Dialog, dass Finger-Erben den Wurstständer mitnehmen möchte.

Finger-Erben: „Was ist das für eine Wurst?“
Sascha: „Das ist Mettwurst“
Finger-Erben: „Ah, Mettwurst! Liebe ich auch!“

Oder direkt im Anschluss, bei dem Finger-Erben einen Jetpack auf dem Auto vorfindet.

Finger-Erben: „Bist du schon bereit für den Urlaub?“
Sascha: „Ja.“
Finger-Erben: „Geht’s zum Campen?“ (zeigt auf den Jetpack)
Sascha: „Ja, natürlich.“
Finger-Erben: „Mit Mutti?“
Sascha: „Ja“
Finger-Erben: „Herrlich!“

Moderatorin Finger-Erben und Sascha fahren zu Mutter Regina. Im Gespräch erzählt der Dauersingle, dass er bereits seit über zehn Jahren keine Frau zum Kuscheln hatte. Seine Mutter könne ihm sagen, wer zu ihm passen würde. „Die Mama kann mir ganz gut helfen, zu entscheiden. Bis jetzt hatte sie immer recht“, so Sascha bei einer Interviewszene. Bei Saschas Mutter angekommen, kommentiert Finger-Erben „Die wohlschmeckenden Wurstwaren sind wohlbehalten angekommen“, ehe der Begrüßungsbrauch der Sauerländer – das Gacker – ein weiteres Mal gezeigt wird.

Für Sascha gibt’s tatsächlich ein Date. Die 27-jährige Bäckereiverkäuferin Jana kommt. Natürlich ohne eigenes Auto, zu Fuß, also den öffentlichen Verkehrsmitteln, und natürlich eine Person aus dem Zuschauerkreis von «Schwiegertochter gesucht». Die Altenpflegerin Sarah aus dem Saarland ist ebenfalls für Sascha da und es wirkt schon skurril anzusehen, wenn eine Frau mit einem Koffer in der einen Hand und einer Salatschüssel in der anderen die Straße herunterläuft.

Man kann dem Team von «Schwiegertochter gesucht» vorwerfen, dass man erneut Menschen am Rande der geistigen Behinderung nichtsahnend vor die Kamera zerrt. Dass hier Personen ausgenutzt werden, die eigentlich an die große Liebe glauben, das kann durchaus sein (und macht die Sache umso verwerflicher!). Man möchte die Stellen weiterhin ein bisschen für den Zuschauer lustig aufbauen, damit die doch das Schmunzeln bekommen. Vor allem Sascha ist es zu Beginn des Formates, dessen Taten und Gesten wie das alte «Schwiegertochter gesucht» wirken. Zum Glück hat es auch einen gesellschaftlichen Wandel gegeben, dass eine solche Art von Fernsehen nicht mehr gesehen wird. Das ist zum Glück eine Veränderung, weshalb das verbrannte «Schwiegertochter gesucht» eigentlich nur noch auf dem Fernsehfriedhof abgewrackt werden kann.

«Schwiegertochter gesucht» wird sonntags um 19.05 Uhr ausgestrahlt.

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