Hintergrund

Das Jüngste Quoten-Gericht: «The Masked Singer» maximal ungeschickt

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Montags blickt Quotenmeter auf aktuelle Quoten-Highlights und Marktanteil-Flops und ordnet diese ein. Heute geht es um «The Masked Singer» und eine fragwürdige Programmstrategie.

Nettoreichweite

Die Nettoreichweite gibt die Anzahl der Personen an, die durch einen Bewegtbild-Inhalt (Sendung, Werbung, Zeitabschnitt, Video) mindestens einmal erreicht wurden. Das Berechnungsverfahren für die Nettoreichweite wird zumeist als Kumulations- und Frequenzanalyse bezeichnet. Hierbei geht jede Person entweder mit ihrer anteiligen gewichteten Sehbeteiligung oder mit ihrem vollen Gewicht ein. Jede Person kann hierbei nur einmal gezählt werden.
www.agf.de/service/glossar
In den Anfangsjahren ging «The Masked Singer» zunächst donnerstags, dann immer dienstags um 20:15 Uhr auf Sendung, da Moderator Matthias Opdenhövel auch bei der ARD engagiert war, um dort die «Sportschau» am Samstagabend zu präsentieren. Seit seinem Exklusiv-Wechsel zu ProSieben erhörte der Privatsender den Wunsch vieler Zuschauer, «The Masked Singer» als Show am Wochenende zu inszenieren, da die ausufernde Sendezeit viele Arbeitnehmer am Werktag um den Schlaf brachte. Seit Herbst 2021 ist die Masken-Gesangs-Show also am Samstagabend beheimatet. Der Wechsel erfolgte aus Quotensicht ohne größere Verluste. Wurden im Herbst 2020 durchschnittlich 24,6 Prozent Marktanteil in der klassischen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ausgewiesen, standen ein Jahr später 22,7 Prozent zu Buche.

Die Reichweite begann damals aber deutlich zu sinken. Im Oktober und November 2020 schalteten regelmäßig weit über drei Millionen Zuschauer ein, im Frühjahr 2021, der letzten Dienstagsstaffel, erreichte man im Schnitt sogar 3,42 Millionen Zuschauer. Im Herbst waren dann aber nur noch 2,83 Millionen drin – Tendenz fallend. Im Frühjahr musste sich ProSieben, das zunehmend auf die Ausweisung der wenig aussagekräftigen Nettoreichweite (siehe Erklärung in der Infobox) vertraut, mit durchschnittlich 2,24 Millionen Zuschauern begnügen. Ein halbes Jahr später waren es noch 2,17 Millionen. Auch die Quoten sind in dieser Zeit merklich gefallen. 18,8 Prozent im Frühjahr 2022, 19,3 Prozent im Herbst und zuletzt 17,3 Prozent in der Frühjahrsstaffel 2023. Die Werte sind natürlich noch immer spitze für ProSieben, doch das Aushängeschild des Senders zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen.

Seit dem 18. November läuft die nunmehr neunte Staffel von «The Masked Singer». Der Privatsender hat sich die neue Runde aufgehoben, um sie in einer für die Werbewirtschaft attraktiveren Zeit – Stichwort Weihnachtsgeschäft auszustrahlen. Aufgrund des schwächelnden Werbemarktes im bisherigen Jahr war diese Strategie nicht nur auf «The Masked Singer» beschränkt, sondern betraf zahlreiche Formate der ProSiebenSat.1-Sendergruppe, wie beispielsweise «Promi Big Brother», «Das große Promi-Büßen» und «Wer stiehlt mir die Show?». Dennoch wirkte die Programmierung der ersten beiden «The Masked Singer»-Ausgaben bislang maximal unglücklich.

Der Staffelstart am 18. November musste gegen König Fußball antreten, denn RTL sendete im Gegenprogramm das Heimdebüt von Neu-Bundestrainer Julian Nagelsmann, dessen Mannschaft in Berlin zum Prestige-Duell gegen die Türkei antrat. ProSieben musste sich deshalb mit 1,79 Millionen Zuschauer begnügen, weit entfernt war die 20-Prozent-Marke in der Zielgruppe. Man kam lediglich auf 13,0 Prozent Marktanteil. Die DFB-Elf hielt sich mit 34,8 Prozent bei den Umworbenen tatsächlich noch zurück. Nagelsmanns erstes Spiel während der USA-Reise gegen die Vereinigten Staaten bewegte sich im Oktober jenseits der 40 Prozent.

Auch die zweite «Maske Singer»-Show hatte starke Konkurrenz, obwohl man dieser eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Denn statt am Samstag und damit gegen die letzte «Wetten, dass..?»-Show von Thomas Gottschalk ging Opdenhövel, Uwe Ochsenknecht (im Joyn-Relive inzwischen rausgeschnitten), Eva Padberg und Co. am Sonntag auf Sendung. Dort wartet aber mit dem «Tatort» gemeinhin eine nicht minder beliebte TV-Reihe und das ZDF wartete mit dem «Traumschiff» auf. Beide öffentlich-rechtlichen Sender fuhren deutlich mehr junge Zuschauer ein als ProSieben. Den Borowski-Krimi sahen 1,52 Millionen 14- bis 49-Jährige, Florian Silbereisens neueste Reise nach Namibia knackte mit 1,01 Millionen ebenfalls die magische Millionen-Marke. «The Masked Singer» hingegen stagnierte wie in der Vorwoche bei 0,73 Millionen. Der Marktanteil sank allerdings auf 12,2 Prozent, während Das Erste 20,6 Prozent und das ZDF 13,7 Prozent einfuhren.

Etwas fragwürdig bei der ProSieben-Programmierung war zudem, dass sich Live-Show nahezu vollständig mit dem zweite Unterföhringer Prestige-Projekt dieser Tage überschnitt: «Promi Big Brother». Die Reality-Show wurde auf verhältnismäßig schwache 7,2 Prozent Marktanteil gedrückt. 0,28 Millionen Werberelevante schalteten die 90-minütige Sendung ein. Somit liefen sowohl ProSieben als auch Sat.1 ihren gewohnten Werten merklich hinterher.

Ob sich die späte «The Masked Singer»-Staffel also wirklich lohnt, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wenn weniger prominente Konkurrenz auf den anderen Sendern läuft. Sicherlich dürfte auch die ungewohnte Ausstrahlung am Sonntagabend zu den niedrigeren, aber keineswegs schlechten Ergebnissen geführt haben. Die Glanzzeiten der Dienstagabende sind aber in weite Ferne gerückt und es ist fraglich, ob die Geheimhaltung der Masken bis zur ersten Show und Álvaro Soler als neuer Ratefuchs als einzige Kniffe ausreichen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Die ersten beiden Sendungen hätten aber nicht unglücklicher programmiert werden können.

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