Interview

Für Katharina Kleinfeldt heißt es „raus aus der Komfortzone und rein ins Unbekannte“

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Zu ihrem Wechsel zu Sport1 gab die ehemalige Sky-Moderatorin Quotenmeter ein Interview und sprach über ihre Beweggründe, ihre neuen Aufgaben und ihre Erwartungen für die 2. Bundesliga.

Hallo Frau Kleinfeldt, Sie wechseln von Sky zu Sport1, Ihr neuer Arbeitsplatz befindet sich wenige Kilometer nördlicher im Münchner Norden. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?
Vieles! Im Vordergrund steht die neue Herausforderung und ein spannendes Paket. Nach acht Jahren Sky und einer ganz wunderbaren Zeit, in der ich meine ersten Schritte im Fernsehen gegangen bin, gelernt habe, mich ausprobieren konnte und zu der Moderatorin wurde, die ich heute bin, ist jetzt Zeit für etwas Neues. Raus aus der Komfortzone und rein ins Unbekannte! Wobei ganz unbekannt sind die neuen Aufgaben nicht alle. Die 2. Liga zum Beispiel ja nicht, obwohl der prominente Sendeplatz des Topspiels am Samstagabend nun tatsächlich neu für mich ist. Aber genau darauf freue ich mich auch. Zu wissen, dass die Aufmerksamkeit da natürlich nochmal größer ist. Ich selbst bin aber auch zum Beispiel total gespannt auf neue Sendungen wie Darts, den «Stahlwerk Doppelpass» und den «Fantalk»! Ich sag ja: ein super Paket!

Trotz Ihres jungen Alters stehen Sie seit vielen Jahren als Moderatorin vor der Kamera. Kann Sie on air noch etwas überraschen?
Aber sicher! Immer. Nur gehe ich mittlerweile etwas gelassener damit um. Es können sich immer mal Versprecher einschleichen oder unerwartete Dinge vor oder während der Sendung eintreten. Dann muss die Sendung schonmal live umgebaut und der Ablauf einfach zur Seite geschmissen werden. Ich erinnere mich zum Beispiel an extrem kurzfristige Spielabsagen in der 2. Liga während der Corona-Zeit oder an die Entlassung des damaligen Handball-Bundestrainers Christian Prokop wenige Stunden vor Sendebeginn. Dann ist Freestyle angesagt! In diesen Situationen ist das Zusammenspiel zwischen dem Leiter der Sendung, der mir aufs Ohr spricht, und mir besonders gefordert. Aber genau das macht oft am meisten Spaß!

Wie aufgeregt waren Sie, als Sie mit Anfang 20 das erste Mal während der Frauenfußball-WM 2015 vor der Kamera standen? Sind sie heute auch noch nervös?
Klar war ich da nervös. Und wie! Ein entscheidender Unterschied war damals allerdings, dass die Sendungen nicht live waren. Das hat sicherlich zu Beginn geholfen. Zu wissen, dass man gerade nur aufzeichnet, hat witzigerweise aber später manchmal einen umgedrehten Effekt. Fragen Sie mal gestandene Reporter, wie viele Anläufe sie für einen aufgezeichneten Aufsager benötigen (lacht). Wenn das rote Lämpchen allerdings an ist und man weiß, dass man nun live auf Sendung ist, funktioniert jeder Reporter und Moderator plötzlich wie auf Knopfdruck. Also Sie sehen, man braucht eine gewisse Anspannung, um fokussiert zu sein. Und genau die habe ich auch heute noch vor Sendebeginn. Keine lähmende Nervosität, eine gesunde Anspannung und Vorfreude. Sobald die Sendung dann losgeht, bin ich sowieso im Tunnel. Wie bei Sportlern ja auch, sobald der Wettkampf startet.

Von Handball über Tennis sind Sie schließlich bei der 2. Bundesliga und als Field-Repoterin bei der Bundesliga und DFB-Pokal gelandet. Welche Sportart bereitet Ihnen am meisten Freude sie medial zu begleiten?
Oh, schwierige Frage. Da ich selbst vom Fußball komme, liegt mir das am nächsten. Aber ich finde jede Sportart macht etwas anderes in der Berichterstattung aus. Beim Fußball denke ich zuerst an kalte Flutlichtabende und eine Stadionwurst, während beim Tennis in Wimbledon Zuschauer und Sportler elegant gekleidet über eine makellose Anlage laufen, auf der Tee und auch Champagner getrunken wird, wohingegen eine Handballhalle schonmal zu einem richtig heißen Kessel werden kann. Also allein die Umstände bieten totales Kontrastprogramm. So ähnlich ist es auch bei den Sportlern selbst teilweise. Und bei der Anforderung der Berichterstattung. Aber genau das macht es für mich aus, die Abwechslung, genau das liebe ich!

Nun also Sport1, wo Sie sich vornehmlich auf Bundesliga-Fußball konzentrieren werden. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in Ihre erste Sport1-Saison?
Erst mal mit der Erwartung an mich selbst mein Bestes zu geben für den Sport1-Zuschauer! Und dann mit der Erwartung tolle neue Menschen kennenzulernen, unterhaltsame Sendungen zu produzieren, meinen Horizont zu erweitern und vor allem Spaß zu haben. Das ist wie so oft im Leben das Wichtigste. Und dann wird es sowieso gut.

Mit Hertha BSC und dem FC Schalke 04 sind mal wieder zwei klangvolle Namen der Bundesliga-Historie in die zweite Liga abgestiegen. Für die Sport1-Quoten dürfte das ein Segen sein. Wie blicken Sie aus einem neutralen Blickwinkel auf die Entwicklung im Fußball?
Das ist in der Tat hervorragend für die 2. Liga! Da steckt so viel Bundesliga und Attraktivität in der 2. Bundesliga diese Saison. Ähnlich wie vor zwei Jahren. Dazu noch mit Namen wie Max Kruse und Lars Stindl, die einen gewissen Glamourfaktor mitbringen. Gerade in Zeiten, in denen mehr und mehr Spieler nach Saudi-Arabien wechseln ist die 2. Liga in Deutschland irgendwie ein Gegenentwurf. Geld bedeutet nicht automatisch Erfolg. Darmstadt und Heidenheim haben den Aufstieg vor dem HSV geschafft, obwohl der einen deutlichen höheren Etat hat. Und doch ist zu befürchten, dass die Bundesliga im europäischen Vergleich weiter abgehängt wird. Die absoluten Topstars zieht es vor allem in die Premier League. Da steht die Bundesliga vor einer großen Herausforderung für die Zukunft, Fußball-Romantik mit europäischer Wettbewerbsfähigkeit in Einklang zu bringen.

Wie ist Ihre Prognose für die neue Saison? Schafft Schalke 04 den erneuten direkten Wiederaufstieg?
Puh, nach dem letzten Spieltag der abgelaufenen Saison noch Prognosen zu wagen, ist echt schwierig! (lacht) Was war das bitte für ein spannendes Finish? Klar ist, dass Schalke, Hertha und der HSV den Anspruch haben aufzusteigen. Ich traue trotzdem auch dem FC St. Pauli zu, ein Wörtchen da oben mitzureden, so wie das Team von Fabian Hürzeler in der Rückrunde performt hat. Ich weiß, Sie wollen, dass ich mich festlege. Na gut. Ich sage Schalke und der HSV schaffen den direkten Aufstieg. St. Pauli geht in die Relegation und die Hertha bleibt in Liga 2.

Und wer muss die 2. Liga am Ende in Richtung 3. Liga verlassen?
Die letzten drei Plätze werden wohl Braunschweig, Wiesbaden und Elversberg, das zum ersten Mal 2. Liga spielt, unter sich ausmachen. Aber wer weiß schon in dieser Liga? Am Ende kommt doch wieder alles anders als man denkt am letzten Spieltag. Hätte ich nichts dagegen einzuwenden, um ehrlich zu sein.

Gemeinsam mit Florian König werden sie auch den «Doppelpass» präsentieren. Der Stammtisch-Talk blickt auf eine lange Historie, was reizt Sie an dem mit teils machohaften Sprüchen angereichten Format?
Mich reizt das wahnsinnig große Themenspektrum in Kombination mit immer wechselnden Gästen, auf die man sich jeweils neu einstellen muss. Die Bayern und Dortmund werden natürlich immer wieder Thema sein. Aber sich auch in andere Themen reinzuarbeiten, finde ich spannend. Genauso die angesprochene Bandbreite der Protagonisten. So entstehen immer wieder unterhaltsame und natürlich auch kontroverse Dynamiken. Und mal ehrlich, genau dann ist der «Dopa» doch besonders interessant, wenn es mal knallt, wenn auch mal markante Sprüche fallen. Natürlich in einem angemessenen Rahmen. Diese Kombination gut umgesetzt – dann ist der «Dopa» unschlagbar.

Mit Rudi Brückner, Jörg Wontorra, Thomas Helmer und Florian König gab es in bald 30 Jahren Sendung nur vier Männer als Moderatoren. Ist Deutschland noch nicht bereit für eine Frau auf dem «Doppelpass»-Chef-Sessel?
Absolut ist Deutschland bereit dafür! Mir würden sofort drei, vier gestandene Sportmoderatorinnen einfallen, die den Job definitiv super ausführen würden und so wie Anne Will und Maybrit Illner in der Politik auch im Sportbereich gute Talkmasterinnen sein könnten. Ich formuliere es mal allgemeiner: Oft hat das Übernehmen eines neuen Jobs ja auch etwas mit Timing zu tun. So wie in jeder anderen Branche auch.

Könnten Sie sich vorstellen die Sendung eines Tages zu übernehmen?
Ich sehe schon, Sie wollen noch vor meinem ersten «Dopa» ein bisschen Feuer reinbringen. (lacht) Eines Tages könnte ich mir das vorstellen, klar! Aber jetzt lasst mich doch erst mal in der neuen Rolle als Co-Moderatorin ankommen, mich so überhaupt erst mal bei Sport1 beweisen und Florian König weiter seinen Job so grandios machen, wie er es macht. Ich freue mich wirklich schon sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm!

Neben der Bundesliga werden Sie im Winter auch die Darts-WM begleiten. Waren Sie schon einmal im legendären Ally Pally vor Ort?
Noch nie. Bislang habe ich London als Sportveranstaltungsort nur bei Wimbledon kennengelernt. Ally Pally wird dann wohl das komplette Kontrastprogramm. Es soll ja wie eine Kombi aus Oktoberfest und Karneval sein. Ich liebe beides. Insofern passt das schonmal gut. (lacht) Das wird ein ganz besonderes Highlight für mich!

War die Darts-WM auch ein Faktor, der zu Ihrem Wechsel zu Sport1 beigetragen hat?
Definitiv! Das fasst meinen Wechselwunsch insgesamt gut zusammen. Rein in neue Abenteuer!

Frau Frau Kleinfeldt, vielen Dank für Ihre Zeit!

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