Serientäter

«House of the Dragon» Kritik – Prequel auf Sparflamme

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Mit Fokus auf die Targaryen-Familie spielt sich rund 200 Jahre vor den Ereignissen aus «Game of Thrones» ein Machtkampf um den eisernen Thron ab.

Als «Game of Thrones» vor über 10 Jahren auf Sendung ging, konnte die schiere Masse aus faszinierenden Charakteren und Orten teilweise überwältigend auf das Publikum wirken. Doch war es genau diese Vielschichtigkeit aus visuell konträren Orten und Figuren, die durch ihre Boshaftigkeit, Gutherzigkeit oder Gerissenheit, für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Anziehungskraft der Serie verantwortlich waren. Gehasst, geliebt, bewundert oder gefürchtet wurden jene, dessen Lebenserwartung, wie schnell deutlich wurde, unabhängig ihrer Präsentation als großer Protagonist oder Antagonist, immer am seidenen Faden hing.

«House of the Dragon» unterscheidet sich diesbezüglich eklatant von ihrer Mutterserie. Kam es in «Game of Thrones» nur äußerst selten vor, dass sich eine Folge hauptsächlich mit nur einer Person oder Gruppe beschäftigte, ist dies bei «House of the Dragon» der prädominante Status quo. Die Hauptfiguren der Serie bestehen zum Großteil aus der königlichen Targaryen-Familie oder ihnen Unterstellten, allen voran dem schwachen, buchstäblich von innen heraus verfaulenden König Viserys (Paddy Considine). Der einzige klar erkennbare Fokus aller Charaktere bezieht sich dabei auf die Frage um dessen Nachfolge. Handlungstechnisch würde es prinzipiell kein Problem darstellen, das große «Game of Thrones» in einer reduzierteren, fokussierteren Form auf den Bildschirm zu bringen, böte es eine ähnliche Charaktervielfalt oder Zeichnung. Doch hier fehlt es «House of the Dragon» nicht nur am Detailgrad, sondern auch der Diversität die Charakterzeichnung betreffend. Bis auf Matt Smith als Daemon Targaryen vermag es bisher keiner der Protagonisten den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen oder sich charakterlich übermäßig voneinander abzugrenzen, immer wieder wirken sie wie fremdgesteuerte Schachfiguren. Klare Sympathieträger, wie in «Game of Thrones», auch wenn diese häufig durch Kurzlebigkeit gekennzeichnet waren, fehlen gar vollständig. Die Vielschichtigkeit der Mutterserie wird bisher nicht in Ansatzpunkten erreicht, die Charakterzeichnung ist im Vergleich zuweilen oberflächlich und stumpf.

Während es «Thrones» zumindest in den anfänglichen Staffeln vermochte, das Publikum in die Handlung hineinzuziehen, wirkt hier vieles wie das Abhandeln historischer Chroniken mit großer Distanz zum Zuschauer. Die Zeitsprünge und damit verbundene Recastings von Protagonisten verstärken dieses Bild noch, auch wenn die Serie schauspielerisch von diesen profitiert. Die ersten fünf Folgen der Serie wirken gar wie das Prequel zur eigentlichen Prequelserie, was bei einer äußerst dialoglastigen Lauflänge von über fünf Stunden durchaus eine gewisse Monotonie ins Spiel bringt. Hinzu kommt die Tatsache, dass es fast unmöglich scheint, die Vielzahl der Charaktere, wenn über sie gesprochen wird, namentlich auseinanderzuhalten, von der Schwester des Königs Rhaenys (Eve Best), bis zu dessen Tochter Rhaenyra (Milly Alcock). Die fast allen Charakteren aufgesetzten weißblonden Perücken, die teils mehr schlecht als recht passen, helfen hier ebenfalls nicht.

Die Motive und Themen überschneiden sich größtenteils mit der Mutterserie, bieten aber keine wirklichen Schockmomente mehr. Inzest, äußerst brutale Gewaltdarstellungen und (im Vergleich in reduziertem Umfang) Nacktheit, dürften bei Niemandem mehr für offene Münder sorgen und wirken vermehrt wie das Abhaken einer Checkliste. Trotz aller zuvor genannter Kritikpunkte ist das was insgesamt schauspielerisch, visuell und mit Abstrichen auch inhaltlich geboten wird, immer noch kongruent hochwertiger als vieles, was im Bereich Fantasy seit dem Finale von «Game of Thrones» auf konkurrierenden Plattformen auf Sendung ging.

Auf sich allein gestellt, ist «House of the Dragon» ein teuer produziertes Fantasy-Kostümdrama mit immensen Längen, dessen Erfolg allerdings schon vor der Ausstrahlung durch den großen Namen «Game of Thrones» gewährleistet ist. Auch wenn die frische Brise des Neuen bisher fehlt, wird der vorhandene Fanservice und die hohe Produktionsqualität ausreichen, um genügend Zuschauer vor den Bildschirm zu ziehen.

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