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‚Wie wir die Welt sehen‘

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Nachrichten? Nein, danke! Ronja von Wurmb-Seibel hat sich mit Nachrichten in sozialen Netzwerken beschäftigt.

In ihrem Buch "Wie wir die Welt sehen" hat sich Ronja von Wurmb-Seibel mit dem gesellschaftlichen Phänomen der Nachrichten beschäftigt. Mit Nachrichten meint sie nicht nur Zeitungen, sondern auch die Aussendung von "News" über das Fernsehen und allerlei Schlagzeilen, die in sozialen Netzwerken permanent auf uns einprasseln. Ein Großteil dieser Nachrichten berichtet von negativen Geschehnissen und versucht mit Schockerfahrung Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In Zeiten von Corona und Kriegsgeschehnissen hat sich diese Tendenz noch verstärkt.

Wenn wir eine schlechte Nachricht nach der anderen präsentiert bekommen, verändert das jedoch unsere Sicht auf die Welt. Wurmb-Seibel, die selbst Journalistin ist, beobachtet an sich selbst, wie ihre Wahrnehmung abstumpft. Sie stellt fest, wie unter der emotionalen Last der Nachrichten die Hoffnung auf eine positive Veränderung schwindet. Die negativen Erzählwelten der Nachrichten setzen sich in der eigenen Wahrnehmung fort. Wer jeden Tag nur einen Schicksalsschlag nach dem anderen präsentiert bekommt, erwartet gar keine Wendung zum Besseren mehr. Nachrichten werden zu einer Praxis des Fatalismus. Sie mögen auf der einen Seite informieren. Auf der anderen Seite lähmen sie die persönliche Wahrnehmung und damit die konstruktive Handlungsfähigkeit. Auf eine Handlungsfähigkeit in der Welt aber käme es an.

Um diese zu erreichen, plädiert Wurmb-Seibel für einen neuen Umgang mit Nachrichten. Das Buch schlägt hier einen ähnlichen Weg wie Digital Detox ein. Während dort auf den Umgang mit digitalen Medien verzichtet wird, hält die Autorin die Einschränkung des persönlichen Nachrichtenkonsums für angebracht. Sie selbst ist konsequent und verzichtet komplett. Diesen Verzicht will sie jedoch keineswegs als Absage an jegliche Informationsangebote verstanden wissen. Das Gegenteil ist der Fall! Ihr Buch begründet, weshalb Sachbücher die besseren Ratgeber sind. Ihr Beweggrund ist nicht der Drang zum Spektakel. Sie gehen grundsätzlichen Zusammenhängen auf den Grund und ermöglichen eine konstruktive Sicht auf die Welt.

Wurmb-Seibels Buch beschreibt ein Problem, das gegenwärtig viele Menschen innerlich umtreibt. Nicht ohne Grund findet es sich auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Es knüpft am Misstrauen an, das so mancher heute gegenüber den Medien hegt. Ganz im Gegensatz zu Verschwörungstheoretikern mündet das bei der Autorin jedoch keineswegs in eine abstrakte Ablehnung oder dem Gerede von einer vermeintlichen Lügenpresse. Vielmehr leistet sie eine konkrete und anschauliche Analyse von Nachrichten als einem sozialen Phänomen und liefert einen konstruktiven Vorschlag für eine positive Informationsarbeit, die uns eine neue Sicht auf die Welt ermöglicht. Das Buch "Wie wir die Welt sehen" von Wurmb-Seibel ist 2022 als Taschenbuchausgabe im Kösel-Verlag erschienen und kostet 18 Euro.

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