Interview

Julia Stinshoff: ‚Es geht um humanistische Themen‘

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Die Schauspielerin feiert in diesen Wochen ihr 10-jähriges Jubiläum in der «Sesamstraße». Darüberhinaus ist Stinshoff auch in dem ZDF-Spielfilm «Der Feind meines Feindes» zu sehen.

Sie sind in dem ZDF-Film «Der Feind meines Feindes» zu sehen. Wie haben Ihnen die Dreharbeiten gefallen?
Die Dreharbeiten waren traumhaft!

Mitten in der Pandemie, zumindest für kurze Zeit, der Lockdown-Isolation entkommen, mit morgendlichem Blick auf den Lago Maggiore, vor umwerfender Kulisse, als Teil eines wundervollen Film-Teams dabei zu sein und drehen zu dürfen, war natürlich ein riesengroßes Privileg!

Auch inhaltlich war es für mich eine wirklich bereichernde Arbeit: ein kluges und komplexes Drehbuch, einen ebenso brillanten, wie präzisen und vielschichtigen Hauptspielpartner (meinen Film-Ehemann Oliver Mommsen), hochkarätige Regie und Kamera, um nur einige Beispiele zu nennen. Es war einfach ein sehr gelungenes Zusammenspiel ambitionierter und, wie ich es empfinde, fähiger Filmschaffender.

Haben Sie sich auf die Zusammenarbeit mit Hans Sigl gefreut? Immerhin ist er mit «Der Bergdoktor» nicht nur ein Alpenarzt, sondern auch der Mainzer Quotenkönig.
Ich habe mich auf alle Kolleg:Innen gleichermaßen gefreut, denn jede/r bringt ja seine eigene Qualität und Spielweise mit. Und gemeinsam den jeweiligen Zugang zum anderen und sowas wie eine eigene Sprache mit- und füreinander zu finden, ist für mich das eigentlich Spannende an meiner Arbeit.

Sie wirkten für das ZDF in mehreren «Dora Heldt»-Fernsehfilmen mit. Obwohl die Filme nie einen sonderlichen Tiefgang haben, ist die Herzkino-Reihe im ZDF eine wichtige Säule für die Fernsehzuschauer. Eine gute Alternative zum «Tatort» im Gegenprogramm?
Absolut. Alles hat seine Zeit, seinen Platz und meistens auch seine Berechtigung. Romantische Komödien sollten meines Erachtens - wie übrigens viele andere Genres auch - eher als „nicht-nur-sondern-auch“ betrachtet werden. Natürlich reizt es mich als Schauspielerin auch, die Tiefen und die Komplexität von Themen und Charakteren auszuloten. Wenn mir aber dann jemand auf der Straße entgegenstrahlt, ich „hätte diese Person gestern, nach einem eigentlich doofen Tag, zum Lachen gebracht“, dann weiß ich, dass v.a. in schwereren Zeiten das Leichte und Schöne seine absolute Berechtigung hat.

Seit zehn Jahren gehören Sie zum Ensemble der «Sesamstraße». Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?
Ich habe ganz normal ein Casting gemacht. Ursprünglich für «Eine Möhre für zwei». Dann mussten wir aber zunächst den Dreh absagen, da eine andere Serie dazwischen kam, der wir schon vorher unsere Option erteilt hatten.

Da ich mich dort aber so wohl gefühlt und die Absage so sehr bedauert habe, schrieb ich wenig später persönlich eine Mail an die Redaktion. Und ZACK!, bekam ich Elmo als neuen Spielpartner vorgestellt und 1 - 2 Jahre darauf auch «Eine Möhre für zwei». 😀

Sie haben selbst zwei Kinder, die werden doch sicherlich auch mit der Serie in Verbindung kommen. Sind diese dann überrascht, wenn Sie ihre Mutter dort sehen?
Als die beiden noch Kleinkinder waren, haben sie sich eher gefürchtet, wenn ich sie mit ins Studio genommen habe, oder sie ihre Mutter digital auf dem Bildschirm, gleichzeitig aber auch analog neben sich sahen.

Ihre Mutter in einer anderen Umgebung und Rolle als der ihr vertrauten zu sehen, konnten sie noch nicht begreifen. Doch je älter sie wurden, desto toller fanden sie es natürlich. V.a. wenn KiTa- oder Klassenkamerad:Innen sie darauf ansprachen. Sie selbst sind aber mit ihren bald 9 Jahren längst bei «Bibi & Tina» und deutschem HipHop angekommen. 😀

Waren Sie selbst früher ein Fan der Reihe?
Selbstverständlich! Ich bin mit der «Sesamstrasse» aufgewachsen! Allerdings mit der amerikanischen Version «Sesamestreet», weil unsere Familie zu meiner Kleinkindzeit in den USA gelebt hat.

Formate wie die «Sesamstraße» sollen Kinder aufklären. Welche kritischen Themen haben Sie und Ihr Team in den vergangenen Jahren aufgegriffen?
Da die Zielgruppe ja noch recht jung ist, geht es bei unseren Geschichten noch viel um humanistische Themen. Also etwa: was macht eine gute Freundschaft aus? Wieviel Zeit und Aufmerksamkeit widme ich meinem Gegenüber, anstatt dauernd aufs Handy-Display zu starren, wie finden wir Lösungen, die für beide/alle Seiten gut funktionieren, u.s.w. Und natürlich geht es ganz viel um Inklusion und Gemeinsamkeit, trotz all unserer Unterschiedlichkeit.

Welches Feedback bekommen Sie eigentlich von der Redaktion und den jungen Zuschauern?
Das schönste Feedback der Redaktion ist natürlich, dass ich seit inzwischen zehn Jahren immer noch dabei sein darf! Damaliges Besetzungsfeedback war u.a., dass man mir von Anfang an geglaubt hat, mit einem „echten Gegenüber“ zu kommunizieren.

Was für mich aber auch nie infrage stand, da unsere wirklich unglaublich phantastischen Puppenspieler Martin Reinl (Elmo), Carsten Haffke (Pferd) und Martin Paas (Wolle) ihren Puppen eine so bezaubernde, seelenvolle Lebendigkeit einhauchen, dass ich keine Sekunde zögern musste, sie als vollwertige Spielpartner anzunehmen.

Von den Kindern höre ich am häufigsten, dass sie vor allem toll finden, dass Julia viel Zeit, Verständnis und Interesse mitbringt. Das berührt mich ganz besonders, weil es mich daran erinnert, was unsere Kinder wirklich von uns brauchen.

Bekommen Sie eigentlich auch Episoden der amerikanischen Version zu sehen?
Nein. Ich glaube, dass die Puppen, die bereits ein amerikanisches „Vorleben“ haben, sich daran orientieren. Aber ich als Julia habe ziemlich freie Hand, solange ich kindgerecht und liebe- und respektvoll den Ton treffe.

Anfang Januar waren Sie in „Der Andy von nebenan“ bei «Nord bei Nordwest» zu sehen. Hätten Sie auch mal wieder Lust in einer Krimi-Serie die Hauptrolle zu spielen?
Aber so sehr! V.a. hätte ich mal wieder Lust, einen Charakter mit all seinen Facetten und Entwicklungen über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Also gerne her damit! 😉

Danke für das Gespräch.

«Der Feind meines Feindes» ist am Montag, den 7. März, im ZDF zu sehen. Die «Sesamstraße» läuft am Morgen beim NDR und im KIKA.

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