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«Chapelwaite» Kritik - Sind Stephen King Verfilmungen verflucht?

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Stephen King Serien erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit, zumindest bei den Produzenten, die Verfilmungen am Fließband in Auftrag geben.

Denn leider enttäuschen die meisten Umsetzungen Kritiker und Zuschauer zugleich und können die Spannung und die Angst, die dessen Bücher beim Lesen erzeugen nur selten auf den kleinen Bildschirm übertragen. Die jüngst beim US-Streamer Epix angelaufene Verfilmung «Chapelwaite», basierend auf dessen Kurzgeschichte Jerusalem's Lot ist hier leider keine Ausnahme. Rund 40 Seiten umfasst die Kurzgeschichte, die zunächst 1978 erschien und nun über 30 Jahre später als Quellmaterial für eine zehnteilige Serie dienen soll. Bereits hier dürfte deutlich werden, dass eine Geschichte, die innerhalb einer einzigen Folge in originalgetreuem Tempo hätte erzählt werden können und nun auf die zehnfache Lauflänge gestreckt wurde, Probleme mit Inhalt und Pacing bekommen dürfte.

1850, Captain Charles Boone (Adrien Brody) zieht in die fiktionale Kleinstadt Preacher’s Corners, Maine, wo er den Wohnsitz eines entfernten Cousins geerbt hat. Soweit zur Überschneidung mit dem Quellmaterial, denn während er dort in der Buchvorlage mit seinem Diener Calvin McCann erscheint, haben sich die Autoren Jason und Peter Filardi dazu entschieden die Personenkonstellationen massiv zu verändern und den Protagonisten zum Witwer samt gemischtrassiger Kinder im Anhang zu machen. Calvin McCann hingegen kommt nicht vor und wird durch den für die Serie neu geschaffenen Charakter Rebecca Morgan (Emily Hampshire) ersetzt. Der Kniff, die Kinder halbasiatisch darzustellen, nur um in eine Geschichte, die inmitten des 19. Jahrhunderts spielt, zusätzlich eine Rassismusstoryline einzubauen, die zur Gesamtstory nichts beiträgt, wirkt leider ebenso plump wie die Erschaffung des Charakters Rebecca Morgan, einer gebildeten, emanzipierten Frau, die wohl ebenfalls eher aus aktuell-politischen Gründen in Erscheinung tritt, mit Emily Hampshire allerdings stilistisch passend besetzt wurde. Gerade mit Blick auf Hampshire, die mit ihrem leicht düsteren, gothicartigen Auftritt den blassen, stets kränklich wirkenden Adrien Brody perfekt ergänzt, wäre die Thematik der künstlich zugefügten Rassismus- und Emanzipationsaspekte absolut zu vernachlässigen gewesen, wenn diese von den Autoren nicht so unbeholfen zur Streckung des dürftigen Quellmaterials verwendet worden wären, anstatt sich darauf zu konzentrieren zusätzliche Suspense- und Horrorelemente einzubauen.

Denn letztlich ist es insbesondere die Präsenz von Hampshire und Brody, die es schafft, trotz massiv in die Länge gezogener Handlung, noch irgendwie zum Dranbleiben zu animieren, auch wenn nach einigen Folgen klar wird, dass gerade bei Emily Hampshire weder Charakterentwicklung, noch Mimik und Gestik irgendeine Veränderung durchlaufen und den Autoren wohl nicht so wirklich klar war, was sie mit diesem neu geschaffenen Charakter im Verlauf der Serie nun anfangen sollen. Sowohl die Kameraarbeit als auch die beiden Protagonisten fangen den düsteren Stephen King Stil hervorragend ein, müssen sich dem schwachen, aufgeblähten Drehbuch aber letztlich geschlagen geben.

Der „Horror“ in Horrorserie kommt schon zu Beginn der Serie zu kurz und kann im weiteren Verlauf durch langgezogene Erzählstränge auch nie richtig zur Geltung kommen. Die Darstellung einer Geisteskrankheit, bei der dem Protagonisten Würmer oder ähnliches aus den Augen herauskriechen ist leider nichts, was auf Dauer für großartige Schaudermomente sorgen könnte. Zwar geht es im weiteren Verlauf der Serie noch weitaus blutiger und derber zu Sache, aus den aufkommenden Funken wird aber kein wirkliches Feuer. Die müde und depressiv wirkende Grundstimmung des gesamten Casts, schafft es zudem irgendwann sich auf den Zuschauer zu übertragen.



Chapelwaite dürfte insbesondere Fans des Quellmaterials enttäuschen, aufgrund der stimmigen Atmosphäre und des durchweg überzeugenden Casts allerdings auch ein paar Horrorfans mit viel Geduld davon überzeugen bis zum Schluss durchzuhalten.



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