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«Scott und Huutsch»: Ein hässlicher, aber herzerwärmender Fernsehhund?

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In seiner neuen Serie, die Jung und Alt begeistern soll, setzt Disney+ ganz auf ein bezauberndes Haustier. Dass das nicht sonderlich hübsch ist, ist nicht einmal das größte Problem.

Dass Polizisten auf den Hund kommen, ist im Fernsehen seit vielen Jahrzehnten ein beliebtes Motiv. Klassisches Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum: «Kommissar Rex», damals für Tobias Moretti, Sat.1 und die Schäferhundezucht sicherlich ein Millionengeschäft.

Ein weiterer Klassiker dieses Genres kommt in Vertretung des Films «Scott & Huutsch» (im amerikanischen Original: «Turner & Hooch») aus dem Jahr 1989 daher und hat sich in den über dreißig Jahren seit seinem Erscheinen eine nicht zu unterschätzende Fangemeinde aufbauen können. Deren Bitten um eine Fortsetzung ist nun von den Entscheidern bei Disney erhört worden, diesmal gleich in Form einer Serie, die auf dem hauseigenen Streaming-Dienst Jung und Alt gleichermaßen begeistern soll.

Dieses Ziel wird natürlich oft angestrebt, aber leider nur selten erreicht: zu unterschiedlich sind die Humor- und Niedlichkeitszentren der Kleinen und Großen dann doch oft. Doch wenn es einen Namen gibt, der seit fast einem Jahrhundert immer wieder und mit erstaunlicher Konsequenz beweist, dass es doch geht, dann lautet der: Disney. Von «Schneewittchen» bis «Ratatouille», von Cinderella bis Prinzessin Elsa begeistert das Studio alle nur erdenklichen Zielgruppen, natürlich bis auf die der absoluten, unbedingten Kitschverweigerer, die jeglichen Anflug von Sentimentalität mit ähnlicher Vehemenz verachten wie Ebeneezer Scrooge das Weihnachtsfest.

Dass aber auch ein Studio, das so verlässlich wie kein anderes alle Zielgruppen mit ein und demselben Produkt auf unterschiedlichen Ebenen anspricht, einmal danebenliegen kann, beweist indes diese neue Serie, in der ein schüchterner, junger Polizist auf den Hund kommt: Scott Turner junior (Josh Peck) – die Anklänge an den Originalfilm sind also schon beim Namen der Hauptfigur offensichtlich – will sich eigentlich gerade als Frischling auf dem Revier von San Francisco beweisen, als sein Leben durch eine sabbernde Töle namens Huutsch verkompliziert wird, die seine überarbeitete Schwester bei ihm zur Betreuung abstellt. Es vergeht natürlich kaum ein Tag, da hat der Köter schon Scotts ansonsten porentief rein geputzte Wohnung bis zur Unkenntlichkeit zerlegt – aber sehr zur Überraschung des unverhofften Hundebesitzers macht sich das ungewollte Haustier bei der Verbrechensbekämpfung nützlich. Spätestens als Scott den herzerwärmenden Brief seines verstorbenen Vaters liest, in dem er seinem Sohn den Hund vermacht, ist das Eis gebrochen und Huutsch von nun an ein Teil von Scotts Familie.

Das mag für die jüngeren Disney-Zuschauer sicherlich nach einer halbwegs interessanten Geschichte klingen: Doch spätestens bei den zu offensichtlichen Albernheiten, mit denen Scott schon seinen ersten flüchtigen Verbrecher dingfest macht, sind die Zuschauer jenseits der Schwelle zur Pubertät raus – und kommen wohl auch im höheren Alter nicht wieder. Ein Problem, das zusätzlich vom Casting des Hundes erschwert wird: Denn Huutsch ist eben kein süßer Bernhardiner oder treuer Golden Retriever, sondern trotz seines goldenen Herzens außen ziemlich hässlich. Dass wahre Schönheit von innen kommt, wissen Freunde der Computeranimation zwar spätestens seit «Shrek» – doch das macht es dieser Serie eben auch nicht leichter.

Die Serie «Scott und Huutsch» ist bei Disney+ zu sehen.

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