Die Kritiker

«The Falcon and the Winter Soldier»: New World Order – Kritik zur Pilotepisode

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Nach dem eher experimentellen «WandaVision» kehrt Marvel mit «The Falcon and the Winter Soldier» zu seinen Wurzeln zurück.

Captain America (Steve Rogers) ist fort, doch wer soll in Zukunft sein Schild tragen und in dessen große Fußstapfen treten? Sechs Monate sind seit den Ereignissen von «Avengers: Endgame» vergangen und die Menschheit scheint sich noch nicht so ganz mit der wiederhergestellten Ordnung arrangiert zu haben. Auch die beiden Protagonisten der neuen Serie haben ihren Platz in dieser Welt noch nicht gefunden. Während der Falcon sich gegen das Erbe von Steve Rogers sträubt und sich die Zeit mit brisanten Regierungsaufträgen vertreibt, ist der Winter Soldier mit Wiedergutmachung beschäftigt.

Wer die initiale, mehrminütige Actionsequenz der Serie sieht, könnte meinen, dass er sich gerade einen Kinofilm und keine TV-Serie zu Gemüte führt. Die visuelle Umsetzung ist auf allerhöchstem Niveau und je größer der Fernseher im heimischen Wohnzimmer ist, desto besser kommt diese zur Geltung. Marvel hat hier offensichtlich keine Kosten und Mühen gespart, sodass man als Zuschauer zunächst von einer Big Budget Kinoproduktion, bei der letztlich das gesamte gefilmte Rohmaterial verwendet wurde, statt dieses wie gewöhnlich auf Filmlänge herunterzukürzen, ausgehen kann. Ganz so einfach hat es sich Marvel allerdings nicht gemacht, denn weitestgehend kann das, was neben den zumindest im Pilot gut dosierten Actionsequenzen gezeigt wird nicht als Füllmaterial bezeichnet werden. Stattdessen nimmt sich die Serie Zeit für individuelle Charakterzeichnung, für welche die stets gut gefüllten Superheldenensembles zuvor nie wirklich Platz hatten.



Bucky Barnes ist ein gebrochener Mann, dessen vergangene Taten ihn in Albträumen verfolgen. Noch immer kann er sich in dieser neuen technologisierten Welt nicht zu Hause fühlen. All die Menschen, die er getötet oder verletzt hat, belasten sein Gewissen immens. Auch Sam, der seinen Freund Steve Rogers verloren hat und relativ entfremdet von seiner Familie zu sein scheint, versucht seinen Platz in dieser Welt zu finden und vergangene Fehler zu berichtigen. Damit werden zwei Charaktere mit einerseits völlig verschiedenen Hintergrundgeschichten und Problemen gezeichnet, die sich andererseits beide mit derselben Frage nach ihrer Bestimmung auseinandersetzen müssen.

Die Pilotepisode zu «The Falcon and the Winter Soldier» ist lediglich eine Exposition zu dem, was in den verbleibenden fünf Folgen noch kommen mag. Die in den Trailern prognostizierte Buddy-Dynamik bleibt aufgrund des bisher fehlenden Aufeinandertreffens der Protagonisten genauso offen, wie die weitere Ausrichtung der Serie. Das Verhältnis zwischen gut dosierter Action und stringenter Erzählung mit tieferen Einblicken in die Gefühlswelt von Bucky Barnes und Sam Wilson gelingt sehr gut, auch aufgrund der von Anthony Mackie und Sebastian Stan schauspielerisch überzeugenden Darbietung. Was die Gewaltdarstellung betrifft, dürfte man sich an der Grenze dessen befinden, was für Disneys Kernpublikum möglich ist. Der Pilot erscheint für sich allein stehend etwas erwachsener als sonstige Marvel Produktionen, passt daher aber gut zu «The Return of the First Avenger», der damals das selbe Ziel verfolgte.

New World Order ist ein gelungener Auftakt, der die Vorteile des seriellen Erzählformats auszunutzen weiß, ohne allzu sehr auf überflüssiges Füllmaterial angewiesen zu sein. Die Balance stimmt, die Schauspieler machen einen überzeugenden Job und das bisher ausgebliebene Aufeinandertreffen der beiden Superhelden macht Vorfreude auf die kommenden Folgen. «The Falcon and the Winter Soldier» ist massenkompatibler als Marvels experimenteller Erstling «WandaVision» und behebt gleichzeitig das Problem der teils oberflächlichen Charakterzeichnung in Marvels aktueller Filmlandschaft, womit der Grundstein für eine überzeugende Actionserie gelegt sein dürfte.


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