Die Kritiker

«Tödliche Gier»

von

Im neuen ZDF-Film muss Harald Krassnitzer als Pastor seine Familie vor vier Schwerverbrechern schützen.

Stab

Darsteller: Ann-Kathrin Kramer, Harald Krassnitzer, Johannes Geller, Sofie Eifertinger, Thomas Sarbacher, Dirk Borchardt
Drehbuch: Thorsten Näter
Schnitt: Julia von Frihling
Kamera: Joachim Hasse
Kostüme: Sonja Kappl
Musik: Axel Donner
Regie: Thorsten Näter
„Wir können wir in einer Welt voller Leid an Gott glauben?“, fragen sich viele Ungläubige. Denen will Harald Krassnitzer, in Abwandlung eines alten Zitats, als unbequemer norddeutscher Dorfpastor Manfred Bahnert ein Gegenargument vortragen: Wie können wir es uns in einer Welt voller Leid erlauben, nicht auf Gott, die Erlösung und das sinnstiftende Moment des Glaubens zu vertrauen? Alles eine Frage der Perspektive.

Was Pastor Bahnert noch nicht weiß, als er diese weisen Worte von der Kanzel spricht: Sein Glaube wird bald auf eine harte Probe gestellt werden. Aus dem nahegelegenen Gefängnis sind nämlich vier Schwerverbrecher ausgebrochen und haben es auf seine Kirche abgesehen. Dort hatte einer von ihnen vor seiner Verhaftung nämlich millionenschwere Diamanten deponiert – und jetzt wollen die schweren Jungs den alten Schatz heben.

Blöd, dass die damalige Ruine mittlerweile vollkommen renoviert worden ist. Die Bergung der Diamanten ist also kein schneller Job für eine Nacht, sondern wochenlange Buddelarbeit. Und als Pastor Bahnert nachts die Einbrecher in seiner Kirche stellen will, haben die, zumindest taktisch gesehen, keine andere Wahl, als seine ganze Familie als Geiseln zu nehmen.

Auf dieses Aufeinandertreffen von einem Gläubigen und einer Bande gottverachtender Nihilisten soll nun eine Schlacht um die armen Seelen folgen: Warum steigt Jesus nicht vom Kreuz und hilft den armen Gefangenen, frotzelt der Versoffenste der Bande? Und wieso pfeift der eine, halbwegs klare Verbrecher seine zugedröhnten Kumpanen immer wieder zurück, wenn er doch an „nichts“ glaubt?

Das alles bleibt leider erzählerisches Stückwerk, das Drama um Glaube und Unglaube wird nur über die offensichtlichsten, überhöhtesten Akzente verhandelt – und auch auf der Inhaltsebene fehlt es diesem Film leider an Ideen: Die Geiselsituation ist nicht sonderlich anders ausgestaltet als in all den anderen Fernseh- und Kinofilmen, die sich dieses Motiv zu eigen machen, und die den Figuren zugewiesenen Rollen wirken ebenso reißbretthaft beliebig: Pastor Bahnerts Ehe stand auf der Kippe, aber jetzt in der Krise will seine Frau endgültig bleiben. Seine den Drogen zugetane Tochter erkennt derweil, dass ihr Vater sein beschützendes Verhalten ja nur gut meine, und der Sohn sieht in ihm endlich einen richtigen Mann, als der sich auf eine Provokation zu viel hin endlich einmal körperlich zur Wehr setzt.

Die Ganoven sind leider ebenso fahrig entworfen: Der Sanfteste unter ihnen, der sich auch als Anführer hervortut, ist eigentlich der mit der am meisten zerstörten Seele, der alkoholkranke Gewalttäter ein psychopathisches Schwein, das sich am Leid von anderen regelrecht erfreut, und der Jungspund unter ihnen wirft sich so viele Tabletten ein, dass er nicht mal mehr die Waffe gerade halten kann. Immerhin reicht es für diese Räuberpistole.

Das ZDF zeigt «Tödliche Gier» am Mittwoch, den 24. Februar um 20.15 Uhr.

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