Die Kritiker

Neues aus der Todeszone...

von   |  2 Kommentare

«Dating Daisy» soll den maroden Vorabend des Ersten aufmischen. Eine einfallslose, altbackene Serie für ein einfallsloses, altbackenes Programmumfeld. Zumindest inhaltlich wird das nichts...

Hinter den Kulissen

Vor der Kamera:
Tina Amon Amonsen als Daisy
Leonie Brandis als Carla
Steffen Groth als Markus
Manuel Cortez als Antonio
Roman Roth als Dr. Alex Noll
Jutta Fastian als Dr. Helene Mertens
Monika Wegener als Tanja

Hinter der Kamera:
Produktion: ndF
Drehbuch: Fabian Hebestreit
Regie: Züli Aladag, Martin Busker und Ariane Zeller
Kamera: Martin Anton und Tobias Platow
Produzentin: Natalie Kudyabor
Man merkt, dass der Stoff ursprünglich für das Privatfernsehen entwickelt wurde: Denn würde man «Doctor’s Diary», «Auf Herz und Nieren», «Schmidt – Chaos auf Rezept», «Es kommt noch dicker», «Sekretärinnen» und «Christine – Perfekt war gestern» in einen Mixer werfen und kräftig durchwirbeln, käme wohl sowas raus wie «Dating Daisy».

RTL wollte diese konturlose Amalgamierung dann doch nicht haben. Dafür schlug die ARD zu: Und ab Freitag können wir sehen, wie gering bis nicht vorhanden die Unterschiede zwischen innovationslosem öffentlich-rechtlichem und innovationslosem Privatfernsehen sind.

Die öffentlich-rechtliche Diana Amft heißt Tina Amon Amonsen und macht, was Diana Amfts eben so machen: die Äuglein weit aufgerissen den Love Interest anschmachten, als Ersatz für emotionale Tiefe mit ausladenden Bewegungen herumfuchteln und kräftig Grimassen schneiden, weil man das für lustig hält. Mehr kann und soll da nicht sein. Das Erreichen von Mittelmäßigkeit ist keine Unterbietung der Qualitätsstandards, sondern Zielsetzung, weil man meint, dass das Identifikationsmöglichkeiten schaffen würde.

Mit dem Plot deckt sich das hervorragend: Daisy ist 33 und arbeitet als Krankenschwester. Noch ist sie verheiratet, im mittlerweile dreizehnten Jahr. Lange wird dem aber nicht mehr so sein, schließlich hat sie den werten Gatten mit dem adrett zurecht gestutzten Bart vor einem Monat in flagranti mit einer verhassten Kollegin erwischt. Jetzt ist Daisy (mehr oder weniger) bereit für einen Schlussstrich und hat sich ein durchgeranztes Haus gekauft, um der gemeinsamen Wohnung zu entkommen. Den Neuanfang erleichtert derweil ein sexy Handwerker mit ebenfalls adrett zurecht gestutztem Bart, der jenes Domizil wieder halbwegs bewohnbar machen soll.

Daisys Charaktereigenschaften sind genauso schnell aufgezählt: Sie ist ziemlich schwer von Begriff (Sie kauft sich eine abgewrackte Bude, die nicht mal Tine Wittler wieder hinkriegen würde, und wundert sich, dass die Wiederinstandsetzung jede Menge Kohle kosten wird), etwas tollpatschig (innovativste Szene: Sie bleibt mit dem Kleid in der Autotür stecken), ordentlich girly (zu viele Beispiele, um sie alle aufzuzählen) und damit das, was sich die ARD so unter frauenaffin vorstellt. Womit sie ein bedenklicheres Frauenbild offenbart als das der jüngsten Bundeswehr-Kampagne.

An «Dating Daisy» ist so ziemlich alles einfallslos, altbacken, vom Privatfernsehen behelfsmäßig abgeschaut und knallhart am Reißbrett berechnet: Die Serie wirkt fast wie eine Paraphrasierung von «Doctor’s Diary», in der aus der Ärztin eine Schwester wurde, während man lediglich Namen und Details verändert und das Niveau noch einen Tacken mehr auf Massentauglichkeit runtergespritzt hat. Es entsteht ein Format, das man kaum parodieren kann, weil es selbst wie eine Parodie wirkt: Wenn Standardsätze wie „Oh nein, sag, dass das nicht wahr ist“ ernsthaft ihren Weg in ein Drehbuch finden und als Dialog durchgehen sollen. Wenn „Keine Angst vor der Orangenhaut“ eine kecke Punchline sein soll. Oder wenn das Kleid in der Autotür stecken bleibt.

Ganz ordentlich bis nicht schlecht wird es nur in einem kleinen Nebenhandlungsstrang der zweiten Folge, in der mit dem Sohn von Daisys bester Freundin und der Tochter von Daisys Oberärztin eine kleine Geschichte über Gruppenzwang erzählt wird, die sich im Kontext der Serie erstaunlich undidaktisch und unprätentiös gibt. Aber das ist das einzig Positive in den ersten beiden Episoden dieser völlig missglückten Serie.

Nun ist Vorabend nicht Prime-Time und man mag anführen, dass sich «Dating Daisy» nicht mit den Erstligisten vergleichen lassen muss. Ein nachvollziehbarer Standpunkt und wahrscheinlich auch ein richtiger. Nur: Wenn man es sich zum Ziel gesetzt hat, in der Todeszone aus der Quotenmisere rauszukommen und deswegen mal nicht auf eine heitere bis tödliche Serie setzen will: Wieso erzählt man dann genauso klischeehaft, anspruchslos, abgestanden und langweilig wie die Formate, die einen überhaupt erst in die Misere gebracht haben?

Das Erste zeigt ab dem 10. Oktober 16 Folgen von «Dating Daisy» freitags um 18.45 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/73628
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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Anonymous
09.10.2014 15:25 Uhr 1
Und das nächste Format, das floppen wird. Danke für die ausführliche Besprechung.
Anonymous
10.10.2014 01:10 Uhr 2
So was in der Art hatte ich bei der Serie schon befürchtet.



Übrigens, sollte «Doctor’s Diary» im letzten Absatz ("man mag anführen, dass...") nicht eher «Dating Daisy» lauten?

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