Quotencheck

«Morden im Norden»

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Nach durchweg desolaten Werten am Dienstag durfte sich das einstige «Heiter bis tödlich»-Format zuletzt als «Großstadtrevier»-Ersatz ausprobieren. Und der Plan der ARD-Verantwortlichen ging auf.

Man kann nicht behaupten, dass die «Heiter bis tödlich»-Reihe keinerlei bleibende Spuren hinterlassen hätte. Ob als Symbol für öffentlich-rechtliche Engstirnigkeit beim Festhalten an von Publikum und Kritik abgelehnten Inhalten, als Dachmarke für besonders tragische Beispiele dessen, was dabei herauskommen kann, wenn die deutsche Fiction Humor in das ohnehin omnipräsente Krimigenre zu integrieren versucht oder einfach als letztes Überbleibsel der einstigen Todeszone am Vorabend: Man stand schon für etwas - nur eben für kaum etwas Positives. Aus diesem Grund hat man das seit 2012 konsequent meilenweit unterhalb des Senderschnitts rangierende «Morden im Norden» auch im Zuge seiner vierten Staffel von diesem Makel befreit und es nebenbei auch noch vom ohnehin chronisch schwachen Dienstag auf den Montag verfrachtet, wo sonst das etablierte «Großstadtrevier» auf Sendung geht. Der Schmunzelkrimi dankte es dem Ersten Deutschen Fernsehen mit klar gestiegenen Einschaltquoten.

Als besonders cleverer Schachzug stellte sich - ob intendiert oder nicht - die Datierung des Staffelstarts auf den 31. Oktober heraus, wo angesichts von 3,07 Millionen Zuschauern und 12,2 Prozent Marktanteil gleich einmal all die lausigen Werte von maximal 2,02 Millionen bzw. 7,8 Prozent in den Schatten gestellt wurden, die mit den Erst- und Zweitverwertungen der vorherigen 48 Folgen möglich gewesen waren. Ermöglicht wurde dies nicht zuletzt auch dank der Sonderprogammierung des ZDFs, das ausnahmsweise einmal keine seiner «SOKO»-Serien ausstrahlte, sondern Dokus und Reportagen, die jedoch bei der breiten Masse völlig untergingen und auch die «heute»-Nachrichten schlechter dastehen ließen als im Normalfall. Beim jungen Publikum zwischen 14 und 49 Jahren, wo die Mainzer Konkurrenz auch an normalen Wochentagen nicht viel mehr zu bieten hat, verzeichnete man mit 0,36 Millionen und 4,9 Prozent auch gleich deutlich weniger spektakuläre Zahlen.

Wie viel so ein geschwächter Konkurrent ausmachen kann, offenbarte sich nur eine Woche später, als die Zuschauerzahl saftig auf 2,24 Millionen einbrach und nur noch mit klar unterdurchschnittlichen 8,4 Prozent einherging. Doch so schlecht die Werte der 50. Folge klingen mögen, muss man sich vor Augen führen, dass 48 der 49 vorherigen Ausgaben noch nicht einmal dieses Niveau erreicht hatten. Da bei den Jüngeren die Konkurrenzsituation quasi identisch war mit jener der Vorwoche, tat sich dort auch entsprechend kaum etwas: 0,37 Millionen führten zu 4,6 Prozent. Im weiteren Verlauf des Novembers steigerte man sich zunächst wieder auf bis zu 2,55 Millionen und 9,7 bzw. 5,1 Prozent, bevor die letzte Folge des Monats mit nur 2,22 Millionen Gesamt- und 0,27 Millionen jungen Zuschauern neue Staffel-Tiefstwerte einfuhr und bei letzterer Zuschauergruppe auch mit 3,7 Prozent erstmals im tiefroten Bereich landete.

Die gerade einmal zwei Dezember-Ausgaben schlugen sich mit 2,22 und 2,21 Millionen insgesamt ähnlich schlecht, kletterten bei den 14- bis 49-Jährigen aber im Bestfall auf bis zu 0,41 Millionen und 5,7 Prozent - womit der neue Allzeit-Rekord nun auch hier erreicht wurde. Im neuen Jahr gab es lange Zeit kaum interessante neue Quoten-Phänomene zu vermelden, erst am 6. Februar wurde ein weiteres deutliches Lebenssignal ausgesendet. Hier langten nämlich 2,77 Millionen Fernsehende für einen knapp zweistelligen Wert von 10,1 Prozent, beim jungen Publikum wurden mit 6,1 Prozent bei 0,48 Millionen sogar neue Rekordzahlen generiert. Von einer Quotendelle mit nur noch 3,3 Prozent bei den Jüngeren in der vorletzten Woche einmal abgesehen wurde dieses Niveau bis Ende Februar zumindest nicht mehr allzu deutlich unterboten, die finale Folge gelangte schließlich auf 2,51 Millionen Gesamt-Zuschauer bzw. 9,2 Prozent Marktanteil. Auch in der Zuschauergruppe zwischen 14 und 49 Jahren wusste man mit 5,7 Prozent bei 0,44 Millionen noch einmal zu punkten.

Im Durchschnitt gelangten die 16 «Morden im Norden»-Folgen der vierten Staffel auf eine Zuschauerzahl von 2,42 Millionen, was einem Gesamt-Marktanteil von 9,1 Prozent entsprach. Dem Senderschnitt von rund elf Prozent war die humorvolle Krimiserie damit zwar noch immer deutlich unterlegen, hat aber auf ein mächtiges Plus gegenüber sämtlichen Vorgängerstaffeln mit ihren desolaten fünf bis sieben Prozent zu verweisen (Vergleichswerte siehe unter anderem hier). Ähnliches gilt auch beim jungen Publikum zwischen 14 und 49 Jahren, wo 4,7 Prozent bei 0,36 Millionen zu Buche standen - nach in aller Regel nur zwei bis vier Prozent in den Jahren zuvor. Der Senderschnitt wurde damit gleichwohl noch immer deutlich unterboten, beziffert sich dieser doch im laufenden Fernsehjahr auf ziemlich genau sechs Prozent.

Doch so beeindruckend sich dieses Plus auf den ersten Blick auch lesen mag, so sollte doch einmal darauf hingewiesen werden, dass er nicht zuletzt auch aus der Gesamtentwicklung des Fernsehmarktes resultiert: Als nämlich vor gut zwei Jahren die letzte «Morden im Norden»-Staffel zu Ende gegangen war, stand es um den ARD-Vorabend noch ungleich schlechter als heute. Zur Verdeutlichung ein kleines Zahlenspiel: Das 18-Uhr-Lead-In «Verbotene Liebe» kam im Januar 2015 dienstags auf gerade einmal rund 1,3 Millionen Zuschauer und gut sechs Prozent Gesamt-Marktanteil bzw. vier Prozent bei den Jüngeren. «Gefragt - Gejagt» verzeichnete zwei Jahre später im gleichen Monat über 2,7 Millionen Interessenten und etwa zwölfeinhalb bzw. sieben Prozent im Schnitt.

Meint man es also schlecht mit der Serie, könnte man ihr sogar vorhalten, dass sie diesem Tempo bei weitem nicht schritthalten konnte - was allerdings auch eine reichlich vermessere Erwartungshaltung gewesen wäre. Für die Programmverantwortlichen dürfte ohnehin eine andere Lesart der Werte von entscheidender Bedeutung sein: Der Aufschwung des Quiz-Slots um 18 Uhr hat längst auch den Serien-Sendeplatz im Anschluss erreicht und «Hubert & Staller» könnte Gesellschaft bekommen. Das nämlich war von Vornherein der lange einzige «Heiter bis tödlich»-Lichtblick und hatte sich zuletzt zu einem Format gemausert, das für solide Einschaltquoten gut ist.

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