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Wenn aus Stimmen echte Marken werden

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Nie war der Markt für Sportkommentatoren größer – und dennoch: Die Sehnsucht nach kernigen Typen und Stimmung ist ebenfalls gestiegen. Sascha Fabian, der eine Management-Agentur betreibt und unter anderem Frank Buschmann berät, erklärt warum. Er spricht auch über Preis-Dumping und die starke Bewegung auf dem Sportrechte-Markt.

Es ist ein gewisses Preis-Dumping entstanden, weil es an der nächsten Ecke jemanden gibt, der dir das noch billiger kommentiert
Manager Sascha Fabian über die Bezahlung von jungen Kommentatoren
Das Personalkarussell hat Fahrt aufgenommen: Frank Buschmann von ProSieben/ProSieben Maxx und der Telekom zu Sky und RTL, Matthias Bielek von Sky Sport News HD zu Eurosport, Jörg Wontorra hingegen aus dem Ruhestand zu Skys Sportnachrichten. Nur drei Personalien, die zuletzt in der Sportszene für Aufsehen sorgten. Und in der näheren Zukunft dürfte noch mehr kommen, wechselten zuletzt doch die Handballrechte von Sport1 rüber zu Sky. Unterstützt werden die großen Namen der Branche bei Verhandlungen und Vertragsgestaltungen in aller Regel von Profis. Profis wie es Sascha Fabian einer ist. Seit ziemlich genau vier Jahren betreibt er seine Agentur Sportsfreude. Es ist eine kleine, inhabergeführte Agentur mit zwei weiteren Mitarbeitern. Und es ist eine Agentur, die ganz eng mit dem Namen Frank Buschmann verknüpft ist. Seit 2013 ist die «Schlag den Star»-Stimme Klient von Sascha Fabian – und irgendwie auch ein ziemliches gutes Beispiel für den Grundgedanken des Managers.

„Wir haben mit unserer Agentur eine Nische besetzt, weil wir hauptsächlich Sportmoderatoren und -kommentatoren, sowie TV-Experten betreuen“, erklärt er. Neben Buschmann und Bielek zählen dazu u.a. Marco Hagemann, Florian Schmidt-Sommerfeld, Anett Sattler oder Elmar Paulke. Fabian vertritt vor allem „echte Typen“ mit verschiedenen Kernkompetenzen. Sie alle eint jedoch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal – es sind Stimmen und Experten, die es in ihren oftmals sehr speziellen Feldern so kein zweites Mal gibt. Wie den Darts-Experten Elmar Paulke oder eben Anett Sattler, die wohl bekannteste Handball-Moderatorin dieses Landes. „Jemand wie Frank Buschmann polarisiert natürlich unglaublich stark. Aber jeder weiß inzwischen, für was Buschi steht“, sagt Sascha Fabian durchaus mit Stolz. Den Wechsel Buschmanns zu RTL und zu Sky hat seine Agentur auch kommunikativ mit begleitet. Fabian findet, eigentlich könnte die Branche viel mehr solcher Typen gebrauchen. Genau diese zu finden, gelang den Sendern zuletzt nicht mehr in wirklich großem Maße.

Das Problem sei vielschichtig. Zunächst einmal würden heutzutage wesentlich mehr Leute in den Sportjournalismus drängen als früher, ist sich Fabian sicher. „Die meisten davon wollen natürlich irgendwann auch unbedingt vor der Kamera landen“, erklärt er. Aber nur die, die wirklich die absolute Passion für den Sport an sich oder ihre spezifische Sportnische spüren würden, hätten letztlich die Chance auch wirklich ganz weit zu kommen – so man sie denn lässt. Denn das ist nicht immer der Fall.

Dabei gibt es heute eigentlich mehr Möglichkeiten denn je, sich auszuprobieren, gerade auch im Bereich des Kommentierens. „Grundsätzlich ist es gut, dass der Sportrechtemarkt derzeit so stark in Bewegung ist. Damit kommt viel frischer Wind in die Branche. Stagnation ist immer mit Rückschritt gleichzusetzen“, sagt Fabian. Die vielen neuen Player sieht er aber durchaus auch mit gemischten Gefühlen. Dort kommen vor allem sehr junge Kräfte zum Einsatz, die zumeist angetrieben sind vom Wunsch, Popularität und Bekanntheit zu gewinnen. Aber auch einige große und etablierte Namen müssen sich dem neuen Konkurrenzdruck stellen. „Da sind klasse Leute dabei. Junge Talente, die vieles für den Job als Sportreporter mitbringen, genauso wie etablierte Experten, die schon über Jahre hinweg im TV gearbeitet haben und sich eigentlich nicht mehr beweisen müssen. Nur all diese Leute müssen dann auch von ihrem Job leben können“, sagt Fabian. Zu oft aber habe er schon erlebt, dass sowohl Talente, als auch etablierte Fachkräfte erstens durchaus „klein gehalten werden“ und zweitens mit Honoraren abgespeist wurden, die noch vor einem Jahrzehnt undenkbar gewesen wären. „Es ist ein gewisses Preis-Dumping entstanden, weil es an der nächsten Ecke jemanden gibt, der dir das noch billiger kommentiert“, sagt der Fachmann. Er betont dabei ausdrücklich, dass es ihm insbesondere in Bezug auf den Nachwuchs niemals darum gehe, in erster Linie hohe Honorare zu fordern. Die Möglichkeit, als Sportreporter aber zumindest sich selbst oder auch eine kleine Familie zu ernähren, die solle doch bitte gegeben sein. „Auch weil viele Talente sich es gar nicht über längere Zeit leisten können, in diesem Bereich zu arbeiten, fallen einige, die vielleicht mal zu den oft genannten „echten Typen“ werden könnten, bereits vorher durchs Raster.“

Typen, die die Entscheider andererseits so oft vergeblich suchen. „Deshalb sehen wir uns immer auch als indirekter Dienstleister für Sender und Plattformen, auch wenn diese oft keinen unmittelbaren Mehrwert für sich erkennen und vielleicht manchmal etwas zu kurz denken“, so Fabian. Ab wann jemand letztlich wirklich eine Agentur oder einen Manager brauche, könne nicht pauschal gesagt werden. Letztlich aber sei eine kompetente und vor allem ehrliche Beratung auch für Nachwuchs-Kräfte durchaus sinnvoll.

Die, die es geschafft haben, etwa ein Florian Schmidt-Sommerfeld, der bei einem Casting von «ran» entdeckt wurde, hätten zumeist auch einen klaren Plan, wo sie hinwollen. Auch bei dessen Ausarbeitung hilft Fabian im Hintergrund mit. Oder etwa, wenn sich neue Konstellationen ergeben, etwa wenn relevante Rechte plötzlich den Sender wechseln. „Passiert so etwas, hat man im besten Fall für den Klienten schon Alternativ-Pläne parat.“ Dazu sei es natürlich auch wichtig, einschätzen zu können, welchem Sportchef man eine entsprechende Bewerbungsmappe vorlegen kann – oder wo man eigentlich gar nicht anklopfen braucht. „Das ist ein bisschen wie auf dem echten Transfermarkt“, lacht Fabian.

Über zu wenig Arbeit kann sich der 34-jährige, der privat relativ „langweilig“ Fußballfan ist, zumindest nicht beklagen. Etliche Anfragen von Sportjournalisten musste seine Agentur schon ablehnen – auch, weil es niemandem etwas bringe, zehn oder 15 gleichartige Sportkommentatoren im Portfolio zu haben. Ein Frank Buschmann reicht eben.

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