Die Kritiker

«Der Tatortreiniger - Über den Wolken»

von  |  Quelle: Inhalt NDR

Minimalismus par excellance: Auch in der zweiten Staffel der preisgekrönten Serie «Der Tatortreiniger» von Arne Feldhusen werden dem Zuschauer kauzige Charaktere, brillante Dialoge und ein ganz besonderer Humor geboten.

Inhalt


Eine Frau wurde von ihrem Ehemann mit einer Axt erschlagen. Viel Arbeit für den Tatortreiniger Schotty, der gerade mit seinem Nikotinentzug kämpft. Doch damit nicht genug der Widrigkeiten: der Mörder kommt zurück. Er trifft auf einen sehr schlecht gelaunten Schotty.

Darsteller


Bjarne Mädel («Stromberg», «Der kleine Mann») als Heiko Schotte "Schotty“
Jean Paul Cornu als Gilmann
Nicole Marischka («Alle anderen», «Die Chefin») als Nachbarin

Kritik


Mit dem Start der zweiten Staffel der mehrfach preisgekrönten Comedyserie «Der Tatortreiniger» erfährt endlich mal wieder echtes Qualitätsfernsehen eine Verlängerung. Die ersten vier Folgen schafften es mit der Zeit, eine feste Fanbase im NDR um sich zu scharen. Hinzu kam die Achtung durch verschiedene Gremien, unter Anderem sogar von der Jury des Grimme-Preises. Dafür verantwortlich zeichnet sich vor allem ein brillanter Bjarne Mädel, der durch Deutschlands Comedy-Steckenpferd «Stromberg» von Regisseur Arne Feldhusen landesweite Berühmtheit erlangte. Anschließend erhielt er seine erste Serien-Protagonistenrolle in «Der kleine Mann», ebenfalls von Feldhusen und auch im aktuellsten Projekt scheinen sich Hauptdarsteller und Regisseur nicht voneinander trennen zu wollen. All diese Formate verbindet der Hang zum feinsinnigen, überaus intelligenten Humor. Mit RTL-Hau-drauf-Comedy hat das Ganze nichts zu tun. Wohl auch deshalb sind all diese Sendungen weitaus weniger massentauglich, erfahren dementsprechend keinen Quotenhype. Die Fans hingegen sind umso treuer und schätzen all die kantigen Figuren.

Der von Bjarne Mädel verkörperte Heiko Schotte alias „Schotty“ ist wohl der Inbegriff eines komischen Kauzes. Nicht nur sein Äußeres ist markant ruppig, auch seine Art mit den wenigen Nebenfiguren zu interagieren ist geprägt von einer gelungenen Mischung aus Derbheit und versteckter Liebenswürdigkeit. Mit seinem nordischen Charme bietet er nicht unbedingt jedem Zuschauer einen leichten Zugang zu seiner Persönlichkeit, lässt man sich jedoch erstmal auf seine Figur ein, kommt man nicht nur in den Genuss von einem spannend gezeichneten Charakter, sondern bemerkt auch kleinste Sinneswandel und Stimmungsschwankungen. Für derartige Detailarbeit und Charakterausarbeitung nehmen sich andere Serienschöpfer keine Zeit. Arne Feldhusen hingegen merkt man die Liebe zu seiner geschriebenen Figur an.

Die von Mizzi Meyer verfassten Geschichten, nach welchen Feldhusen den «Tatortreiniger» inszeniert, zeichnen sich vor allem durch kammerspielartige Dialoge aus. Slapstick oder sich x-fach ankündigende Pointen brauchen die Macher nicht. Stattdessen gibt es durchaus kuriose Szenerien, die dank der realistischen Ausgangslage – Tatortreiniger trifft auf Angehörige und es ergeben sich interessante Geschichten – jedoch nie albern wirken. Selbst wenn in der Auftaktfolge der zweiten Staffel eine Entführung Schottys durch einen Angehörigen erzählt wird, wirkt dies nicht weit hergeholt, sondern aufgrund des minimalistischen Settings fast lebensnah. Auch in der zweiten Staffel ändert sich an diesem Erzählschema nichts, was absolut zu begrüßen ist. Würde man ein wenig an der Idee hinter dem Format schrauben, es ein wenig konventioneller gestalten, könnte man vermutlich ein größeres Publikum anziehen. Dabei würde «Der Tatortreiniger» wohl jedoch viel von seinem eigentlichen Charme verlieren.

Dass «Der Tatortreiniger» leider kein allzu großes Publikum ansprechen kann, liegt an seiner bewussten Kargheit. Null Krawall, null Action, kein „lauter Humor“ – stattdessen nuancierte Gags, die Fokussierung auf einzelne, von den Nebencharakteren dargebotene Geschichten, die in jeder Folge an einem einzelnen Ort spielen. Wie schon in sämtlichen Folgen der ersten Staffel stimmt auch in der Auftaktfolge zur zweiten Staffel nahezu alles. „Über den Wolken“ ist durchzogen von der spannenden Hintergrundgeschichte einer von Jean Paul Cornu verkörperten Nebenfigur, die in den knapp 30 Minuten Laufzeit einen glaubwürdigen Sinneswandel durchmacht. Heiko Schotte gibt sich nach wie vor liebenswert rüpelig, die Dialoge sind in jeder Sekunde intelligent durchdacht und schlussendlich bleibt zu hoffen, dass dem Format noch eine lange Zukunft vergönnt ist – Krawallfernsehen haben wir in Deutschland genug.

Der NDR zeigt «Der Tatortreiniger» wieder ab 2. Januar 2013 um 22.00 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/61213
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