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«Seelenfänger: Holy Hell»

von

Die siebte Staffel des Recherche-Podcasts untersucht die Geschichte der evangelikalen Mission Kwasizabantu.

Mit jeder Staffel widmet sich «Seelenfänger» einer Glaubensgemeinschaft oder religiösen Bewegung, in der spirituelle Überzeugungen mit Machtmissbrauch und Abhängigkeiten verschmelzen. In der siebten Staffel „Holy Hell“ nehmen die Hosts Emeli Glaser und Dennis Müller die evangelikale Mission Kwasizabantu unter die Lupe. Die Gemeinschaft entstand in den 1960er-Jahren in Südafrika und baute im Laufe der Jahrzehnte ein internationales Netzwerk mit Schulen, Gemeinden und Missionsstationen auf.

Im Mittelpunkt stehen die persönlichen Geschichten ehemaliger Mitglieder. Bereits die erste Folge „Angstkinder“ schildert die Kindheit von Rebecka und Benni, die innerhalb der Gemeinschaft aufwachsen. Strenge Regeln, die ständige Angst vor Hölle und Verdammnis sowie körperliche Züchtigungen prägen ihren Alltag. Jahrzehnte später beginnt Rebecka, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, nachdem sie erstmals Kontakt zu weiteren ehemaligen Mitgliedern erhält.

Die zweite Episode zeichnet die Geschichte des Missionsgründers Erlo Stegen nach. Während Anhänger ihn als charismatischen Prediger und Wundertäter verehren, berichten ehemalige Mitglieder von einem System aus Kontrolle und religiösem Druck. Der Podcast stellt diese widersprüchlichen Perspektiven nebeneinander und zeigt, wie eng Hoffnung, Glaube und Abhängigkeit miteinander verbunden sein können.

Besonders eindringlich gerät die dritte Folge. Rebecka erzählt von ihrer Zeit in einem Internat der Gemeinschaft, wo sie einem Prediger anvertraut wird. Aus dem versprochenen Schutz wird ein Umfeld, das von Zwangsbeichten, körperlicher Gewalt und umfassender Kontrolle geprägt ist. Die persönlichen Erinnerungen vermitteln eindrucksvoll, welche langfristigen Folgen religiöser Machtmissbrauch für Betroffene haben kann.

Für die vierte Episode reist Host Emeli Glaser selbst nach Südafrika und besucht die Zentrale der Mission. Während die Organisation ihr eine geordnete und harmonische Gemeinschaft präsentiert, schildern ehemalige Bewohner unabhängig voneinander Misshandlungen, Einschüchterungen und systematische Kontrolle von Kindern und Jugendlichen. Gerade dieser Kontrast zwischen offizieller Selbstdarstellung und den Aussagen ehemaliger Mitglieder verleiht der Recherche besondere Tiefe.

Die fünfte Folge erweitert den Blick auf internationale Strukturen. Weitere Betroffene berichten über sexualisierte Gewalt und religiösen Druck. Gleichzeitig stoßen die Journalisten auf Gemeinden in Deutschland, die offenbar weiterhin eng mit der Mission verbunden sind. Dadurch zeigt der Podcast, dass die Geschichte keineswegs nur ein historischer Rückblick ist. Zum Abschluss begleitet die Serie Rebecka auf ihrer Reise nach Rumänien, wo sie einem früheren Prediger gegenübertritt. Es ist ein emotionaler Moment, in dem persönliche Aufarbeitung und journalistische Recherche zusammenfinden. Parallel verfolgt der Podcast auch Benni auf seinem eigenen Weg, die traumatischen Erfahrungen seiner Kindheit zu verarbeiten.

«Seelenfänger: Holy Hell» überzeugt durch eine sorgfältige investigative Arbeitsweise. Die Autoren verbinden Interviews mit Betroffenen, Vor-Ort-Recherchen in mehreren europäischen Ländern sowie in Südafrika und umfangreiche Hintergrundinformationen über die Entwicklung der Glaubensgemeinschaft. Dabei steht nie die Skandalisierung im Vordergrund, sondern das Bemühen, individuelle Schicksale und strukturelle Probleme gleichermaßen sichtbar zu machen. So wird „Holy Hell“ zu weit mehr als einer Dokumentation über eine einzelne religiöse Gemeinschaft. Der Podcast beschäftigt sich grundsätzlich mit den Mechanismen von Macht, Angst und Abhängigkeit – und zeigt, welche Folgen entstehen können, wenn religiöse Autorität nicht mehr hinterfragt werden darf.


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