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SWR setzt Moderatorin Helen Fares vor die Tür

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Da die «MixTalk»-Moderatorin wiederholt „extreme politische Positionen“ auf ihren privaten Social-Media-Kanälen teilte, entband der SWR sie von ihren Moderationsaufgaben.

Über ein halbes Jahr währt nun schon der eskalierte Konflikt zwischen der terroristischen Organisation Hamas und Israel. Am 7. Oktober 2023 überfiel die palästinensische radikal-islamistische Terrorgruppe das Volk vom Gazastreifen aus, woraufhin die israelische Regierung mit einer Gegenoffensive reagierte, um Geiseln aus dem Griff der Hamas zu befreien. Als Folge daraus entstand jedoch auch ein großes Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung verbunden mit einer katastrophalen Versorgungslage im Gazastreifen. Zum Teil kamen auch unabhängige Hilfskräfte ums Leben. Kritische Stimmen über Israels Militäreinsatz mehren sich. Das Land muss sich auch vor dem Internationalen Gerichtshof (IHG) in Den Haag verantworten.

Zu den kritischen Stimmen gehört unter anderem auch die SWR-Moderatorin Helen Fares, die das digitale Dialog-Format «MixTalk» moderiert. Fares habe in den vergangenen Tagen wiederholt auf ihrem privaten Social-Media-Account extreme politische Positionen geäußert, weswegen die ARD-Anstalt sie nun von ihren Moderationsaufgaben entbunden hat, wie der SWR am Montagabend mitteilte. „Zuletzt ging es um die Nutzung einer App, mit der Waren identifiziert werden können, die auf einer Boykott-Liste stünden, um mit dem Kauf solcher Produkte die israelische Wirtschaft nicht zu unterstützen“, ließ der SWR wissen. Kritiker verglichen die App mit dem nationalsozialistischen Judenboykott-Slogan „Kauf nicht bei Juden!“. Schon zuvor habe Helen Fares zum Boykott israelischer Erzeugnisse aufgerufen.

Der SWR distanzierte sich im weiteren Verlauf der Mitteilung klar von Fares: „Dem SWR ist es wichtig, dass der in Rede stehende Post nicht im Kontext einer Beschäftigung für den SWR entstanden ist. Der SWR hat Frau Fares darauf hingewiesen, dass für Moderatorinnen und Moderatoren eines Debattenformats zum Schutz der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Sendung eine Pflicht zur Neutralität gelte. Diese Neutralität ließ Frau Fares in ihren Social-Media-Aktivitäten vermissen“, so die Begründung für den Rauswurf.

Der SWR gab an, „klare Regeln für den Umgang mit Äußerungen auf Social Media“ zu haben. „Auch wenn Journalistinnen und Journalisten selbstverständlich eine politische Meinung haben können, darf die Unabhängigkeit des SWR und jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes einzelnen Mitarbeiters durch Social-Media-Aktivitäten nicht beeinträchtigt oder in Zweifel gezogen werden. Diesen Grundsatz sieht der SWR im konkreten Fall verletzt.“

Kurz nachdem bekannt geworden war, dass der SWR Fares von ihren Aufgaben entbunden hatte, reagierte die Moderatorin in einem Video-Statement auf Instagram, das den Titel „German Media Silencing – But we will not be silenced“ trägt. Darin teilte Fares mit, dass sie ihren Job verloren habe. Tags zuvor sein Artikel erschienen, der Fares als „anti-semitisch“ bezeichnete, da sie den Kauf von Produkten von Unternehmen boykottiere, die die israelische Wirtschaft unterstützen. Sie stellte klar: „Wir sind nicht antisemitisch, weil wir Produkte eines Unternehmens boykottieren, das ein Land unterstützt, gegen das derzeit ein Verfahren wegen Völkermordes vor dem Internationalen Gerichtshof läuft, weil es Zehntausende von Menschen abgeschlachtet hat.“ Daraufhin habe es zahlreiche Nachrichten gegeben, die den Rauswurf Fares beim SWR forderten. Der Rauswurf sei dann passiert, da der SWR, „ein deutscher öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, der Meinungsfreiheit beschützen sollte“, so Fares, nicht verkraften konnte, dass „rechte Menschen Briefe geschickt haben und ihren Rauswurf forderten“. Fares stützte ihr Vorgehen auf „tausende“ Menschen, darunter auch jüdische Menschen, die weltweit Israel kritisieren und zum Boykott aufrufen.

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