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WM im Katar? Die Fußball-Millionen sind nicht ausgeschöpft

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Am Sonntag startet das Turnier im Wüstenstaat auf der arabischen Halbinsel. Es wird über die FIFA geschimpft, dabei ist der Ausverkauf noch lange nicht vorbei. Ein bissiger Kommentar von Fabian Riedner

Zwischen dem 20. November und 18. Dezember 2022 schauen zahlreiche Fernsehzuschauer aus Europa in den Nahen Osten. Auf der arabischen Halbinsel in dem kleinen Staat Katar wird die 22. FIFA-Fußballweltmeisterschaft der Männer ausgetragen. Katar ist ein Land, das 11.586 Quadratkilometer umfasst – oder wie man in Fernsehsprache sagt: 16.226 Fußballfelder. Doch der Ausverkauf von König Fußball hat noch gar nicht begonnen.

Die FIFA mit ihrem Sitz im schweizerischen Zürich war zwar immer wieder Teil von Korruptionsaffären, doch die Organisation hat nach dem Debakel der Russland-Katar-Entscheidung am Vergabeverfahren gearbeitet. Seither stimmt der Verbandskongress, bestehend aus allen Mitgliedsverbänden, über den Austragsort ab. Und auch sonst ist die FIFA in Sachen Verkauf auf dem Boden geblieben. Während in vielen Landesverbänden anderer Sportarten direkte Namensponsor gibt, hält sich der milliardenschwere Verband aus der Schweiz zurück.

Zwar ist der Vorsitzende Gianni Infantino höchst umstritten, aber das hat seine Grenzen. Er zog für die Katar-Spiele nach Doha, die Ausweitung von 32 auf 48 Teams bei der 2026-WM in Nordamerika folgt den logischen Marktstrategien der internationalen Expansion. Dennoch dürfen sich die Fernsehzuschauer weiterhin auf rund 110 Minuten freuen, in denen 90 Minuten plus X Minuten Nachspielzeit und einer eventuellen Verlängerung um 30 Minuten zwei Mannschaften das runde Leder kicken.

Man könnte sich durchaus noch andere Szenarien ausmalen, wie man den Fußball für Investoren öffnet. In zahlreichen Stadien werden schon Eckschüsse oder Tore von Sponsoren präsentiert, dies könnte auch bei der TV-Übertragung passieren. Nachdem der deutsche Kommentator also jubelt, dass die deutsche Mannschaft die Vorrunde besteht, sagt er noch einmal Siegtor – „präsentiert von Coca-Cola“ an.

Man könnte aber auch erfolgreiche Geschäftsmodelle aus anderen Sportarten importieren. Die Übertragungen des amerikanischen Footballs dauern immer Stunden, ein Ausgang ist teilweise sehr ungewiss. Während derzeit noch die Uhr beim Fußball durchläuft, könnte nach allen 25 Minuten die Uhr bei einer Spielunterbrechung angehalten werden und beispielsweise drei Minuten Werbespots laufen. Werbefreie Fernsehstationen wie die öffentlich-rechtlichen Sender können dann Interviews abspielen, die auch noch via Drohnen aufgezeichnet werden.

Während der Weltfußballverband nur eine Fußball-WM alle vier Jahre abhält, könnte das Pensum von anderen Sportarten motivieren, denn Rhythmus auf alle zwei Jahre zu erhöhen. Im Eishockey wird sogar jährlich eine Weltmeisterschaft ausgetragen. Man könnte dieses Spiel auch noch mit dem Vergleich der UEFA auf die Spitze treiben. Wenn der World Cup so etwas wie die Champions League ist, wieso nicht auch ein gleichzeitiger Wettbewerb mit den Mannschaften, die sich für ein weiteres Turnier qualifizieren können.

Mit der UEFA Conference League sieht man, dass selbst bei RTL noch bis zu vier Millionen Menschen einschalten. Man muss dieses Event nur entsprechend bewerben. Immerhin machen die Olympischen Spiele ebenfalls ein Programm von morgens bis abends, zwei Wochen lang. Mit einer entsprechenden Planung könnte also nicht nur eine Weltmeisterschaft in einem Land stattfinden, sondern noch ein zweites Turnier in einem kleineren Staat wie Gibraltar. Sollte sich der Vatikanstaat um eine Ausrichtung bemühen, könnte man fast von „göttlichen Spielen“ sprechen.

Wenn am Sonntag die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar startet, werden die westeuropäischen Länder vermutlich Rekordreichweiten einfahren. Die Europäer werden nicht am Strand oder Badesee liegen, Würstchen grillen oder Urlaub machen. Die meisten Menschen werden zu Hause vor dem Fernseher sitzen und sich einen Teil der 64 Spiele anschauen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die FIFA nicht auf die Idee kommt, das Turnier dauerhaft in den Winter zu schieben. Denn das wäre wirklich der größte Ausverkauf des Sports.

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