Hingeschaut

Die Ilse, der Toby und der Florian

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So war die erste Folge der neuen «Deutschland sucht den Superstar»-Staffel nach Dieter Bohlen.

Jetzt also Wernigerode und Burghausen. Nun gut, diese zwei Städte gelten nicht gerade als bundesbekannte Metropolen. Doch RTL sendet eben von dort aus einem gläsernen Cubus vom jeweiligen Marktplatz aus seine Casting-Shows der diesjährigen, bereits 19. Staffel von «Deutschland sucht den Superstar». Und auch ansonsten ist auf der Suche nach angeblichen Superstars aus Deutschland ziemlich viel anders.

Wobei: Es fehlt halt Dieter Bohlen erstmals. Während der Rest der Jury eigentlich ohnehin schon immer Jahr für Jahr ausgetauscht wurde, verschwand nun bekanntlich DAS Gesicht des Formats. Und wurde ersetzt durch Florian Silbereisen, der das Privatfernsehen bislang nur als Konkurrenz wahrgenommen hat. An seiner Seite: Ilse DeLange und Toby Gad. Ilse wer? Toby was? Ein Topstar aus Holland und ein Musik-Produzent aus München. Beide wie Silbereisen optisch zunächst angenehm und – binnen Minuten erkennbar – durchaus als Sympathieträger tauglich.

25 Plätze sind für den Auslands-Recall zu vergeben. Folge eins zeigte bereits, dass das Niveau diesmal echt hoch ist. Es blieben bereits einige Kandidaten auf der Strecke, die früher locker weitergekommen wären. Auch wenn das weniger Zuschauer denn je anschauen wollten.

Harry und Gianni, die beiden Brüder aus einer Zirkus-Familie, verkörpern das gleich zu Beginn. Unfassbare Stimmen! Sunnyboy und Salto-Künstler Gianni, 17, ist für seine Mutter schon der kommende Superstar. Harry, 28, lässt in der Manege die Keulen fliegen und überzeugt die Jury nicht minder.

Am Ende der ersten knapp zwei Stunden verfrachtet Silbereisen mit seiner goldenen CD Gospelsängerin Abigail sogar auf die Knie gehend direkt in Auslands-Recall der Top-25. Und womit? Mit Recht! Denn die 17-Jährige scheint das Stimmwunder zu sein, nach dem das Format sucht.

Jessika, 24, schmettert einen Song von Beyoncé. Michelle, 18, aus der Nähe von Silbereisens Heimatstadt Passau, bringt es für ihr Alter. Salji, 24, aus der Gegend der PUR-Stadt Bietigheim, lebte im Heim und hat jung seinen älteren Bruder verloren. Es sind auch die Geschichten um die Kandidaten herum, die bewegen. Der Rapper kommt ebenfalls weiter.

Melissa, 17, aus Ingolstadt, performt Rihannas "Diamonds", hat zwar noch zu wenig eigene Persönlichkeit, aber es reicht locker für die nächste Runde. Auch Stimmungssänger Michael, 27, aus Duisburg, darf bleiben. Die Polonäse der Jury zu seinem Auftritt war aber gewiss von der Redaktion verordnet. Medizinstudent und Ex-Basketballer Din, 24, aus Frankfurt begleitet sich selbst mit der Gitarre in den Recall.

Doch natürlich lebt das Format vom Wechsel von Könnern mit Blüten. Jessica, 21, Blondie aus Köln, aktiv aus Instagram, hätte Bohlen sofort gedated. Gutes Aussehen alleine reicht aber nicht (mehr), denn sie trifft bei einem Titel von Vanessa Mai keinen Ton. "Drei Mal Nein, mach´s gut!" Energiebombe Melanie, 21, aus Zürich, verhebt sich mit zu viel gewollter Power und ab und an Gegrunze an Tina Turners "Simply the Best". Aber unterhaltsam und liebenswürdig. Geht mit einem Lachen.

Was auffällt: Mit Bohlen verabschiedeten sich auch die echten Krawall-Kandidaten und das Trash-Element der Show. Wer´s nicht bringt, ist trotzdem nicht so weit weg von ordentlicher Stimme. Wie Roberto, 28 aus Hamburg, Typ Gerald Asamoah, optisch und von der Laune her absolut geeignet, als Sänger aber unter der Anforderungslinie. Trotzdem wird er nicht bloßgestellt. Roberto, 26, aus Halle in Westfalen, bringt alle Partys zum Laufen. Sein "Tanz zu dem Beat" fällt zwar durch ("Lustig, schön war´s nicht...), aber diesmal geht niemand im Bösen. Bisher.

Was zunehmend klar wird: Toby Gad gibt in erster Linie den Ton an und scheint die Führung der Jury übernommen zu haben. Florian Silbereisen hält sich anders als in seinen Schlagershows angenehm bescheiden zurück. Lia, 18, aus Landau hält er trotz Tobys Bedenken in der Show. Tanzen? Toll! Aber Singen? Ausbaufähig! Mal schauen, wie´s weiter geht.

Ach ja: Die letzten drei DSDS-Sieger hießen übrigens Davin Herbrüggen, Ramon Roselly und Jan-Marten Block. Weiß jemand, was die heute so machen?

Auf RTL+ gibt´s Folge eins der neuen Staffel weiterhin zum Streamen, ebenso Folge zwei, die im klassischen Fernsehen bereits am Dienstagabend auf RTL zu sehen ist. Samstag bleibt der Haupt-Sendetag. Auch für die nach den Castings vier Recall-Folgen und vier Live-Shows.

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