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«Life’s a Glitch»: Was ist nur mit Julien Bam los?

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Nach einer kurzen Pause ist der Influencer mit YouTube, Twitch, einem Podcast und sogar einer Netflix-Serie zurück. Jedoch ist Vierteiler von Netflix kaum zu ertragen.

Knapp sieben Jahre gehörte der unter dem Künstlernamen „Julien Bam“ bekannte Julien Zheng Zheng Kho Budorovits, so sein bürgerlicher Name, mit seinem gleichnamigen YouTube-Kanal zu den größten Playern im deutschsprachigen Bereich. Doch der in Aachen geborene Influencer, der mit einem großen Team seine teils eindrucksvollen Videos produzierte, hing im Dezember 2019 seine Karriere als Entertainment-Tuber an den Nagel. Bam legte, so sagte er es in einem ‚Spiegel‘-Interview, den Kanal still, weil ihm der Druck für die aufwendigen Drehs und Tanzvideos zu groß wurde.

Nur wenige Tage später startete der heutige 32-Jährige einen neuen Kanal namens „JUcktmichnicht“, ehe im Februar 2021 der Let’s-Play-Sender JuTubeGaming startete. Nach einer kurzen Pause ist Bam wieder voll im Geschäft – allerdings eher ohne sein ehemaliges Team, sondern vorwiegend in deutlich lukrativeren Positionen. Im Herbst 2017 machte sich die Internetgemeinde über den YouTuber lustig, da er seine Finanzen offenlegte und seinen Zuschauer erzählte, er mache im Monat mit seinem Kanal rund 20.000 Euro Verlust. Auch «Neo Magazin Royale»-Moderator Jan Böhmermann nahm ihn aufs Korn.

In die Privatinsolvenz ist Julien Bam nicht gerutscht, denn er hat erst im Juli 2021 den Podcast „Hobbylos“ mit Rezo bei Spotify gelauncht. Mit seinem Bruder Shawn Bu betreibt er die Produktionsfirma Raw Mind Pictures GmbH, die die Werbetätigkeiten wie die Fanta-Sports umsetzte. Gemeinsam mit der Werbefilmfirma Load Studios produzierte man die vierteilige Serie «Life’s a Glitch», in der der YouTube-Star nach einer Preisverleihung mit seinem besten Freund Joon Kim (spielt sich ebenfalls selbst) in einen Mobilfunkmasten rast und in einem Paralleluniversum landet.

Dort ist Julien Bam nicht mehr der äußerst gefragte Influencer, aber der in dem Format unbekannte Joon Kim ist als gefeierter Rap-Superstar durchgestartet. Um wieder auf die andere Seite zu gelangen, muss Julien Bam wieder zum Star werden und zahlreiche Prüfungen bestehen. Denn immerhin hat er ein Ziel: Seine Traumfrau Clara bot ihm an, am Morgen nach der Preisverleihung in einem Café ein erstes Date mit ihm zu haben. Klar, dass Bam die Chance wahrnehmen möchte.

Das kann man sich anschauen – muss man aber nicht. Denn «Life’s a Glitch» ist wahrlich schwer zu ertragen. Julien Bam steht im Mittelpunkt dieser Serie und ist umzingelt von flachen und verbrauchten Gags. Die gesamte Serie kommt nicht einmal zeitweise an seine früheren YouTube-Videos heran, hier rächt sich immer die Arbeit von Netflix. Das Unternehmen hat kaum erfahrene Fernsehfachleute für sich gewinnen können. Mit der bildundtonfabrik ging «How to Sell Drugs Online (Fast)» gut, Raw Mind Pictures fährt «Life’s a Glitch» regelmäßig gegen die Wand.



Schon zahlreiche Versuche sind gescheitert, Künstler von YouTube ins Fernsehen zu holen. Vielleicht sollte man nicht mehr die Marke ins alte Fernsehen transportieren, sondern die Darsteller. Julia Beautx, bekannt für Lifestyle-Videos, überzeugte in einer Nebenrolle von «Das schönste Mädchen der Welt». Ähnlich verhielt es sich mit Nilam Farooq, die über Gastspiele zu immer größeren Aufträgen kam. Doch Julien Bam möchte hier ein Fan-Produkt abliefern, das gar nicht auf der Plattform seiner jungen Generation stattfindet.

Peter Osteried von „Kinofans.com“ meinte: „Dieser Mischmasch aus bemühter Komödie und halbgarer Science-Fiction ist auf jeden Fall der Tiefpunkt, was deutsche Produktionen angeht.“ Für Clara Meyer von der „Süddeutschen“ gleicht die Serie eine „Zumutung“. Sie sagt, eine schwachsinnige Szene reiht sich an die nächste. „Der Plot ist zusammenhanglos, die Dialoge bleiben meist ohne jegliche Tiefe“, so die Autorin. Axel Weideman von der „FAZ“ bescheinigt den Machern kein Können. „Weil die Serie nicht weiß, welchen Ton sie anschlagen will, probiert sie wild herum. Szenen, die glücken, gelingen, weil sich Bam auf sein Kerngeschäft besinnt“, so der Autor. Die Meinung ist ziemlich eindeutig: Netflix hat einmal mehr Geld verbrannt.

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