Interview

Alwara Höfels: ‚Universelle Themen nah am Leben‘

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Ab Donnerstag ist die Schauspielerin in der Miniserie «Mein Freund, das Ekel» zu sehen. Mit Quotenmeter sprach Höfels unter anderem über ihre Arbeit hinter dem Set.

Vor über zehn Jahren standen Sie auf der Theaterbühne in Berlin. Die Pandemie muss für Ihre Kollegen schrecklich gewesen sein.
Die Pandemie hat viele Menschen an den Rand ihrer Existenz gedrängt. Die Kulturbranche hat es wie viele andere hart getroffen, vor allem die freie Szene. Die Frage nach der Rolle und Bedeutung von Kultur in unserer Gesellschaft ist in diesen Zeiten zentral. Die Situation ist dramatisch und obwohl die Kulturbranche unabhängig von ihrer gesellschaftsrelevanten Bedeutung ein großer Wirtschaftsfaktor ist, wurde seitens der Politik die Verantwortung für die Sicherung und das Überleben dieser Branche nur unzureichend übernommen. Das hätte im Wissen um den gesellschaftlichen Beitrag den Kultur leistet, nicht passieren dürfen. Es wird dauern bis sich die Branche erholt und einige sind dabei schon jetzt auf der Strecke geblieben.

Hatten Sie in der Kinosparte Glück oder haben Sie die Rollen in «Keinohrhasen» und «Fack ju Göhte» bewusst ausgesucht?
lch versuche meine Rollenprofile bewusst auszuwählen aus den Chancen die sich mir bieten. Die Möglichkeit vielschichtig und unterschiedlich in Rollenprofilen und auch Genres stattfinden zu dürfen macht für mich den Beruf aus.

Mit «Max und die wilden 7» hatten Sie im vergangenen Jahr weniger Glück. Die Kinos mussten schließen und einen wirklichen Erfolg in den Lichtspielhäusern gab es nicht.
Ich glaube fest daran, dass die Kinos überleben werden. Es ist nicht die erste Krise, die sie meistern werden. Erst das Fernsehen, jetzt die Streamingdienste und die Pandemie.
Die Entscheidung und die Bedeutung bewusst ins Kino oder ins Theater zu gehen, die Magie des Ortes, eine kollektive Erfahrung teilen, im Anschluss darüber zu diskutieren wird nicht aussterben.

Im Kino haben Sie schon bei vielen unterschiedlichen Genres mitgewirkt. Wie wählen Sie Ihre Rollen aus?
Es geht mir bei meiner Auswahl der Stoffe, um gute Geschichten. Die Parameter sind für mich dabei, dass eine Geschichte aus den Figuren heraus erzählt wird, universelle, relevante Themen verhandelt und emotional nachvollziehbar ist.

Sie gehörten bis vor drei Jahren auch dem Team des Dresdner-«Tatorts» an. Warum haben Sie sich von der Rolle zurückgezogen?
Um es mit Einsteins Worten zu sagen „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben“.

Vor zwei Jahren kam der große Überraschungserfolg im ZDF: «Mein Freund, das Ekel». Über acht Millionen Menschen schalteten ein. Wie haben Sie von diesem Erfolg erfahren und haben Sie zusammen gefeiert?
Die Quote beschreibt oftmals nicht den Wert einer Arbeit. Deswegen bleibe ich da skeptisch aber in diesem Zusammenhang habe ich mich gefreut, dass der Film von den Zuschauer*innen so gut angenommen wurde.

Auch in der Mediathek war der Film mit fast einer halben Million Zuschauer ein Erfolg. Können Sie sich erklären, wieso «Mein Freund, das Ekel» so erfolgreich war?
Meines Erachtens ist die Konstellation und die Reibung der beiden unterschiedlichen Hauptfiguren das Erfolgsrezept. Das ungleiche Gespann lebt von seinen Gegensätzen. Hier prallen Welten und Lebensrealitäten aufeinander.

Die mittellose, lebensbejahende, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die täglich um das Überleben kämpft und der gut situierte ältere, einsame Misanthrop im Rollstuhl. Diese Mischung war unterhaltend aber auch berührend.

Nun folgt die sechsteilige Fernsehserie im ZDF. Worauf können sich die Fernsehzuschauer freuen?
Die Zuschauer*innen können sich auf eine vielschichtige Serie freuen, die einerseits gute Unterhaltung bietet anderseits aber auch gesellschaftsrelevante universelle Themen nah am Leben verhandelt. Die Serie macht behutsam Randfiguren und soziale wie politische Themen unserer Gesellschaftsrealitäten sichtbar. Es gibt wieder viele lustige aber auch sehr berührende Momente. Ausgangspunkt wird das neue gemeinsame Leben und Überleben in der Plattenbausiedlung sein.

Wer mehr erfahren will, sollte am 30.September um 20.15 im ZDF reinschauen.

Sie haben jetzt schon eine beeindruckende Vita hinter sich. Welches Projekt blieb Ihnen in besonderer Erinnerung und warum?
Die Mini-Serie «Mein Freund das Ekel» wird mir definitiv in Erinnerung bleiben und war eine wichtige Arbeit für mich. Das ZDF hat mir die Chance gegeben, unabhängig von meiner schauspielerischen Tätigkeit, in diesem Format inhaltlich mitwirken zu dürfen. Ich dürfte die dramaturgische Beratung für alle sechs Folgen machen und bin dem Sender sehr dankbar dafür.

So war es mir möglich dieses Format inhaltlich zu prägen und diese außergewöhnliche Emanzipationsgeschichte einer Frau erzählen zu dürfen und dementsprechend spielen zu können. Ich begreife das gleichzeitig als innovativen Entwicklungsschritt seitens des Senders und am Puls der Zeit. Andere Länder machen uns das bereits erfolgreich vor, Kreativprozesse sind komplex und sie werden nicht schlechter wenn auch Schauspieler*innen Verantwortung für Inhalte übernehmen.

Viel Erfolg!

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