Die Kino-Kritiker

«Generation Beziehungsunfähig» – Sex ja, Beziehung nein

von

Frederick Lau und Luise Heyer sind die Hauptdarsteller in dem Werk von Regisseurin Helena Hufnagel.

Tinder, Parship, Elite Partner - das Geschäft mit unpersönlichen Single-Chats und Apps läuft bombig. Ein Wisch ist schicksalsentscheidend, würde man denken. Doch es zählt allein das Aussehen, ob die Kandidatin oder der Kandidat in die Ecke Herz oder in die Ecke ‚Kann weg‘ kommt. In «Generation Beziehungsunfähig» - inspiriert durch den gleichnamigen Bestseller von Michael Nast - ist Frederick Lau in seiner Rolle als selbstverliebter Gockel regelrecht süchtig danach. Dabei geht’s ihm ausschließlich um Sex, nicht um Beziehung. Das glückliche Single-Leben, das in Wirklichkeit aber ganz traurig ist. Stoff für eine Beziehungskomödie, die vielen Menschen bestimmt eine ganz große Identifikationsfläche bieten sollte.

Der Geist, den ich rief
In Sachen Liebe lief es für Tim (Frederick Lau) bisher perfekt. Zumindest aus seiner Sicht. wenn man Liebe mit Sex gleichsetzt. Hat man dann genug, meldet man sich einfach nicht mehr und lässt jegliche Kontaktversuche der anderen Person ins Leere laufen. Die nächste wartet schon auf ihn, glaubt Tim. Ghosting nennt man dieses Verhalten. Bis der Womanizer zufällig Ghost (Luise Heyer) begegnet, die ihm an der Tankstelle die letzte Packung Eis wegschnappt und auch noch mit seinem Mietwagen abhaut. Kein guter Anfang, aber genau deshalb ist Tim von der kecken Braut sehr angetan als er sie bei Freunden ein zweites Mal trifft und ihr zu ihrer nächsten abendlichen Verabredung heimlich folgt. Und dann geht's auch schon bald zur Sache. Ghost lässt sich auf Tim ein, nicht zuletzt, weil sie genauso handelt wie er: Sex ja, Beziehung nein! Irgendwann reicht ihm das aber nicht mehr. Er will auch mal einen ganz normalen Sonntagnachmittag mit ihr verbringen, statt Sex lieber mal fernsehen und futtern. Tim ist über beide Ohren verknallt. Doch nun ist es Ghost, die ihrem Namen alle Ehre macht und Tim aus ihrem weiteren Leben von heute auf morgen verbannt. Als sie sich überhaupt keine Reaktion mehr zeigt, brennt bei ihm die Sicherung durch.

Seichte Beziehungskomödie
Schon eine tragische Situation, die hier aus dem echten Leben geschildert wird, und dabei geht’s gar nicht um Schuldzuweisung oder Genugtuung für Tims erbärmliches Verhalten gegenüber Frauen in der Vergangenheit. Man hat einfach nur Mitleid mit diesem Wicht, den Frederick Lau («Nightlife») auf eine so sympathische und drollige Weise spielt, dass man sich gut vorstellen kann, warum ihm so viele Frauenherzen zufliegen. Auch Luise Heyer («Der Junge muss an die frische Luft») steht ihm als selbstbewusste junge Frau, die letztlich mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat, im nichts nach. Die beiden Hauptdarsteller sind das große Plus in dieser ansonsten seichten Beziehungskomödie. Seicht, weil Regisseurin Helena Hufnagel («Einmal bitte alles») nicht wirklich in die charakterliche Tiefe geht. Dabei hätte man augenzwinkernd gern noch mehr davon gesehen, inwieweit bei 'überzeugten' Singles die Angst mitschwingt, sich echten Gefühlen zu stellen. Man ahnt immer nur, dass da auch viel Einsamkeit beherrscht werden muss.



Es herrscht Heiterkeit
Leider wird auch nicht wirklich klar, warum gerade jene Generation um die 30 beziehungsunfähig sein soll. Schade, dass sich die Macher auf der psychologischen Ebene nicht mehr getraut haben. Womöglich, um dem Publikum nicht den Spaß zu verderben. Heiterkeit steht nun mal an erster Stelle, und dafür muss sich insbesondere Lau einigen Peinlichkeiten hingeben, wenn er etwa betrunken und nur mit Engelsflügeln bekleidet im Treppenflur steht, um seine geliebte Ghost zu konfrontieren. Nicht von ungefähr hat «Generation Beziehungsunfähig» eine Länge von unter 90 Minuten. Die Geschichte ist dann doch schnell auserzählt und zielt dorthin, wo es in einer Beziehungskomödie nun mal langgehen muss, nämlich aufs Happyend.

Fazit: Hier wird das Dilemma heutiger Singles im Tinder-Stress porträtiert. Statt Tiefgang reicht es aber nur für seichte Unterhaltung, denn die Story, inspiriert durch die Buchvorlage von Michael Nast, ist vorhersehbar und etwas dünn. Trotzdem sieht man Heyer und Lau gern zu – ein neues Traumpaar?

«Generation Beziehungsunfähig» ist im Kino zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/128626
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