Interview

Maria Dragus: ‚Man befand sich in einer Blase‘

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Für die Produktion der Telekom-Serie «Wild Republic» drehte Maria Dragus in den Alpen. Auch diese Produktion wurde von der Corona-Pandemie erfasst.

Bereits als 15-Jährige gewann Maria Dragus den Deutschen Filmpreis für ihre Rolle in dem Historienfilm «Das weiße Band». Mittlerweile ist die gebürtige Dresdnerin 27, lebt in Berlin und arbeitet mittlerweile auch international. Neben Saoirse Ronan stand sie 2018 in «Marie Stuart, Königin von Schottland» vor der Kamera, anschließend drehte sie mit der großen Judi Dench «Six Minutes to Midnight». Damit nicht genug. Jetzt ist die Tochter einer deutschen Tänzerin und eines rumänischen Cellisten in ihrer ersten Serienhauptrolle zu erleben. In «Wild Republic» (seit 15.4. bei MagentaTV) gehört sie zu einer Gruppe von jugendlichen Straftätern, die sich auf der Flucht befindet, Naturgewalten ausgesetzt ist und beschließen, nach eigenen Regeln eine eigene Republik zu gründen.

In «Wild Republic» spielen Sie erstmals eine Serienhauptrolle. Warum erst jetzt?
Mir war es wichtig, dass ich genauso gut zu einer Serie passe wie sie zu mir. Das war hier der Fall. Schon beim Casting merkte ich: das passt!

Was fanden Sie daran so passend für sich?
Ich habe mich in der Arbeitsweise wiedergefunden. Wir haben ein halbes Jahr vor dem Drehen mit dem Proben angefangen und es war klar, dass die Serie von einem Ensemble getragen wird. Wir sind gemeinsam in ein Haus in Brandenburg gefahren und haben uns dort als Gruppe gefunden. Darum geht es ja letztlich auch in der Serie.

Was genau?
Was passiert, wenn Menschen aus verschiedenen Milieus aufeinandertreffen und Dinge verhandeln müssen, und das auch noch umgeben von Naturgewalt. Diesen Prozess fand ich sehr reizvoll.

Die Serie entstand letztes Jahr, als Corona ausbrach. Wie hat das die Dreharbeiten beeinflusst?
Wir haben im Januar angefangen, mussten unterbrechen und drehten dann bis November. Nach dem ersten Lockdown mussten wir plötzlich darauf achten, Abstände am Set und Hygiene-Auflagen einzuhalten. Ständig wurde getestet und befand man sich in eine Art Blase, für die ich dann auch ganz dankbar war.

Dankbar wofür?
Es gab sehr wenige Filmprojekte, die so schnell wieder loslegen konnten wie unsere. Das hat die Produktion ganz großartig gemeistert. Als wir in den Bergen drehten, waren wir auch abgesondert, was eine interessante Erfahrung war.

Wie einsam fühlen Sie sich seit der Pandemie allein in Berlin?
Ach, hier in Kreuzberg habe ich meine Freunde, die ich treffe. Wir testen uns jetzt vorher auch. Da muss man gerade sehr verantwortungsbewusst sein. Denn wir wollen ja alle, dass das bald vorbei ist.

Kochen Sie mittlerweile denn auch öfters oder bestellen Sie Ihr Essen lieber?
Ich koche sehr gern, kenne aber auch meine Grenzen. Da bin ich dankbar, wenn von meinen Freunden jemand vorschlägt, ein Päckchen mit Zutaten zu bestellen, die man dann selber kocht. Das habe ich also auch schon mal gemacht (lacht).

Bekochen Sie gern andere oder auch schon mal nur für sich allein?
Gerade viel für mich allein, weil ich auch allein wohne. Aber mir fällt deshalb nicht die Decke auf den Kopf. Neben Spaziergängen ist Zoom ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Castings finden heutzutage auch online statt, sodass ich viel von Zuhause aus arbeite. So sieht also gerade mein Alltag aus.

Was ist aus dem Film geworden, denn Sie vor «Wild Republic» mit der großen Judi Dench gedreht haben?
«Six Minutes to Midnight» sollte 2020 ins Kino kommen, aber durch Corona wurde das immer weiter verschoben. In den USA ist er letztlich in ausgewählte Kinos gekommen, in Europa auf verschiedene Streaming-Plattformen. Schade bei so einem Projekt, in dem so viel Herzblut drinsteckte.

Wie haben Sie Judi Dench beim Drehen erlebt?
Das war zugleich großartig und surreal. Wobei sie sehr lustig ist. Sie hat einen großen Schalk im Nacken und reißt viele Witze. Das hat die ganze Situation aufgelockert. Für mich war das wie Mäuschen spielen, wie sie ihre Arbeit aufbaut.

Zuvor hatten Sie schon neben Saoirse Ronan in «Marie Stuart» mitgespielt. Wie kommt man an solche internationalen Filmprojekte?
Ich habe Agenten in Amerika, Frankreich und Deutschland, die wie ein Team arbeiten. Gerade bereite ich mich auf den Film «Serviam» vor, wo ich eine Nonne in einer Wiener Kinderschule in den 1980ern spiele. Dann gibt es noch andere Projekte in den Startlöchern, über die ich aber noch nichts sagen darf.

Wäre die nächste Station Hollywood?
Wichtig ist mir, Spaß daran zu haben, was ich tue und mit Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, eine gute Zeit zu haben. So wie das bei «Wild Republic» war. Ich verfolge auch keinen Masterplan. Wenn das Projekt passt, dann ist egal wo es stattfindet.

Würden Sie Berlin trotzdem irgendwann den Rücken kehren?
Ich versuche das ja immer wieder (lacht), aber dann passiert etwas und am Ende des Tages bleibt man doch da. Ich wollte letztes Jahr eigentlich ganz nach Paris ziehen, aber dann war wieder Lockdown und ich dachte, ich bleibe lieber näher an meiner Familie. Und ob ich jetzt in Berlin oder Paris sitze, ist ja momentan sowieso egal.

Warum Paris?
Weil ich die Stadt sehr mag, dort auch viele Freunde habe und mir die Mentalität der Pariser doch sehr nah ist.

Wie weit würden Sie die Grenzen für eine Rolle denn verschieben?
So weit wie ich meine eigene Grenze nicht überschreite. Da gibt es psychische und körperliche Grenzen. Aber durch meine Ausbildung als Tänzerin habe ich ein gutes Selbstverständnis und kann relativ schnell sagen, was geht und was nicht. Bei «Wild Republic» sollte ich meinen eigenen Stunt durchs Feuer machen. Wir probierten es auch, ich fand’s dann cool und war mir schließlich sicher, dass ich meinen eigenen Feuerstunt schaffen werde.

Und wie sehen Ihre Grenzen bei Erotikszenen aus?
Natürlich habe ich auch da meine Grenzen – absolut. Das war bei «Wild Republic» aber insofern interessant, weil ich zum ersten Mal erlebt habe, einen ‚Intimacy Coach‘ am Set zu haben. Das war nochmals ein ganz anderes Arbeiten. Mit mehr Aufmerksamkeit kann man sagen, was man sehen oder nicht sehen lassen will und was man zulässt. Da fühlten wir uns alle sehr abgesichert.

Vielen Dank für das Gespräch

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