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250 Jahre USA – Eine Kurzbiografie im ZDF

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«Amerika – Traum und Wirklichkeit: Freiheit» hinterfragt das Freiheitsversprechen der Vereinigten Staaten.

Mit der Dokumentation «Amerika – Traum und Wirklichkeit: Freiheit» widmet sich das ZDF am Dienstag, 9. Juni 2026, um 20.15 Uhr einem zentralen Mythos der Vereinigten Staaten: dem „American Dream“. Der Film von Jens Strohschnieder und Jan Tenhaven erscheint passend zum 250. Jubiläum der USA und fragt, was vom einstigen Freiheitsversprechen geblieben ist – und wie unterschiedlich es heute interpretiert wird. Obwohl das Thema so umfangreich ist, stehen 45 Minuten Sendezeit zur Verfügung. Aus diesem Grund werden zwei weitere Episoden von Mittwoch auf Donnerstag ab 02.00 Uhr ausgestrahlt, die bereits im Vorfeld in der ZDF-Mediathek sind.

Ausgangspunkt ist ein historischer Widerspruch: Die Gründerväter propagierten Freiheit und Gleichheit für alle, doch schon damals galt dieses Ideal nicht für jeden. Bis heute kämpfen insbesondere People of Color um gesellschaftliche Teilhabe und Gleichberechtigung. Die Dokumentation zeigt, dass Freiheit in den USA nie ein statischer Begriff war, sondern stets neu ausgehandelt wurde – zwischen Anspruch und Realität.

Im Zentrum stehen mehrere Protagonisten, deren Lebensgeschichten die Spannbreite des amerikanischen Selbstverständnisses abbilden. Dr. Sheila Nazarian etwa verkörpert den klassischen Aufstiegstraum: Als jüdische Einwanderin aus dem Iran hat sie sich in Los Angeles eine erfolgreiche Karriere als Schönheitschirurgin aufgebaut und sieht sich selbst als Beweis für die Möglichkeiten des Landes. Gleichzeitig steht sie politisch klar auf konservativer Seite – ein Hinweis darauf, wie stark individuelle Erfolgsgeschichten mit politischen Überzeugungen verknüpft sein können.

Einen völlig anderen Blick bietet Joycelyn „Joy“ Davis, deren Vorfahren als Versklavte in die USA verschleppt wurden. Für sie stellt sich die Frage nach Freiheit grundlegend anders: nicht als Versprechen, sondern als fortdauernder Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung. Ihre Geschichte verweist auf die bis heute spürbaren Folgen der Sklaverei und strukturellen Diskriminierung.

Auch indigene Perspektiven finden Raum: Celestine Stadnick aus dem Lakota-Reservat Pine Ridge führt das Filmteam an historische Orte wie Wounded Knee, wo 1890 ein Massaker an ihrem Volk stattfand. Ihre Lebensrealität zeigt, wie weit die Versprechen von Freiheit und Wohlstand für viele indigene Gemeinschaften entfernt sind – bis heute.

Parallel dazu porträtiert die Dokumentation Stimmen, die eine Rückbesinnung auf ein vermeintlich „ursprüngliches“ Amerika fordern. In Arkansas baut Eric Orwoll an einer Siedlung, die ausschließlich weißen, christlichen und heterosexuellen Menschen vorbehalten sein soll. Seine Haltung steht exemplarisch für eine Strömung, die Freiheit vor allem als Abgrenzung definiert und Migration kritisch sieht. Politikwissenschaftliche Einordnungen machen deutlich, dass solche Denkmuster historisch tief verwurzelt sind und immer wieder in neuen Formen auftreten.

Ein weiteres Beispiel liefert New Yorks Chinatown: Hier führt Paul Eng das Geschäft seines Großvaters weiter und sieht sich selbst als vollständig integrierten Amerikaner. Seine Familiengeschichte, geprägt von Einwanderungshürden wie dem Chinese Exclusion Act, zeigt, wie sich das Verständnis von Zugehörigkeit über Generationen verändert hat.

Ergänzt werden diese persönlichen Einblicke durch Stimmen von Expertinnen und Experten wie Historikerin Jill Lepore, Journalistin Rieke Havertz und Historiker Volker Depkat. Sie ordnen die Entwicklungen historisch und politisch ein und verdeutlichen, dass der „American Dream“ nie eine einheitliche Realität war, sondern immer ein umkämpftes Ideal.

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