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Schlechtes Abschneiden, wenig Interesse: Deutschlands «Eurovision»-Glück und die Quote

von   |  1 Kommentar

Das war abzusehen: Schwaches Abschneiden Deutschlands beim «ESC» bedeutet zugleich auch eine (relativ) niedrige Reichweite. Ein Blick zurück ...

Das NDR-Elend in Zahlen

  • ohne Stefan Raabs Hilfe gelang Deutschland zuletzt vor 16 Jahren eine Top-Ten-Platzierung
  • mit Gracia, den No Angels, Ann-Sophie, Jamie-Lee und Levina kam Deutschland seit 2005 fünf Mal auf den letzten oder vorletzten Platz
  • das Highlight der vergangenen zehn Jahre ohne Raab: Platz 18 für Elaiza im Jahr 2014
Doppelter «Eurovision Song Contest»-Frust: Mit schlappen sechs Punkten stand für Deutschland beim kunterbunten Musikwettbewerb dieses Jahr der vorletzte Platz auf dem Konto, und am Morgen danach folgte sogleich eine ernüchternde Quotenmeldung. 7,76 Millionen Menschen schalteten das Showevent ein (darunter 3,65 Millionen 14- bis 49-Jährige), womit die schwächste Reichweite seit 2009 wartete, als Deutschland den 20. Platz holte. Doch diese Nachricht dürfte nicht all zu überraschend kommen: Schon als feststand, dass Deutschland auf einem der letzteren Ränge landet, hätte man fest damit rechnen müssen, dass die Reichweite nicht mit den Zahlen aus den Raab-Jahren mithalten wird.

Denn obwohl deutsche Fernsehzuschauer selbstredend nicht vorab wissen können, wo Deutschland bei der Abstimmung im «Eurovision Song Contest»-Finale landen wird, zeichnete sich in den vergangenen Jahren eine grobe Korrelation zwischen der Einschaltquote und der Platzierung des deutschen Beitrags ab. So stand 2010 mit 14,69 Millionen Gesamtzuschauern (und 8,38 Millionen 14- bis 49-Jährigen) die mit Abstand beste Reichweite in der jüngeren Vergangenheit auf dem Konto – also in dem Jahr, in dem Lena mit "Satellite" die Show für sich entschieden hat. Direkt ein Jahr später landete Lena mit "Taken by a Stranger" auf Rang 10. Mit 13,83 Millionen Fernsehenden ab drei Jahren und 7,34 Millionen Jüngeren ist Lenas zweites «ESC»-Jahr zudem das mit der zweithöchsten Reichweite seit den 80er-Jahren, als die öffentlich-rechtlichen Sender noch deutlich heftiger frequentiert wurden.

Das magerste Jahr in jüngerer Vergangenheit stellt aus Quotensicht derweil 2008 dar: Die No Angels holten mit "Disappear" nur 14 Punkte, teilten sich somit die rote Laterne mit drei anderen Interpreten, und konnten nur 6,38 Millionen Musikfreunde zum Einschalten bewegen (darunter 3,45 Millionen Jüngere), ehe sie von der Bildfläche verschwanden. Alex Swings Oscar Sings! landete ein Jahr später auf dem 20. von 25 Rängen. Dem vom NDR ohne jeglichen Vorentscheid durchgeboxte Beitrag mangelte es ganz offensichtlich an Zustimmung im eigenen Land, und so schalteten nur 7,33 Millionen Fernsehnutzer ein.

Ein weiterer Totalausfall für Deutschland war das Jahr 2015: Ann Sophie, die durch das Abdanken des Gewinners zum «ESC» geschickte Zweitplatzierte des deutschen Vorentscheids, holte null Punkte im Finale. 8,09 Millionen Gesamtzuschauer (darunter 3,81 Millionen Jüngere) verfolgten dies und machten die Show somit zu einer der reichweitenschwächsten in der langen Geschichte des EBU-Großevents. Währenddessen brachte es Roman Lob 2012 auf Rang acht im «Eurovision»-Finale und auf 8,34 Millionen Interessenten (darunter 4,11 Millionen 14- bis 49-Jährige).

Somit zeichnet sich bereits ab, dass das Abschneiden des deutschen Beitrages und die Quoten der «ESC»-Show nicht völlig decken – anderweitig hätte ja Roman Lobs Auftritt mehr Menschen anlocken müssen als Lenas Ehrenrunde beim grenzensprengenden Songwettbewerb. Und eine weitere Anomalie ist zu benennen: Als Deutschland 2016 wieder einmal den letzten Platz belegte, schauten 9,33 Millionen TV-Jünger ab drei Jahren und 4,59 Millionen Jüngere dabei zu. Jamie-Lees Punktebauchplatscher ist somit Teil der am dritthäufigsten gesehenen «Eurovision Song Contest»-Ausgabe der vergangenen Jahre.

Mit dem groben Pinsel lässt sich die Tendenz "Guter Platz, gute Quote" dennoch zeichnen: Texas Lightning holte 2006 einen soliden 15. Rang, das «ESC»-Finale brachte es auf 10,41 Millionen Fans, 2004 landete Max Mutzke auf Platz acht und verführte zudem 11,49 Millionen Fernsehende dazu, einzuschalten. Dazwischen musste sich Gracia mit 7,01 Millionen Zuschauern sowie dem letzten Platz begnügen.

Dies legt also die These nahe, dass ein starker, eingängiger (und potentiell Punkte anziehender) Song das Interesse im eigenen Land am Liederwettstreit antreibt. Oder alternativ, dass derart viele Menschen frustriert die Geräte abschalten, sobald sich eine Schlappe für Deutschland abzeichnet, dass es sich massiv auf die Quote auswirkt.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Esel
14.05.2017 12:56 Uhr 1
Es wird meiner Meinung nach eher so ein Schuh draus: Kommt der eigene Beitrag hier in Deutschland gut an, schalten mehr Zuschauer ein. Ist das nicht so, sind es entsprechend weniger. Macht ja auch Sinn.

Levina war gerade einmal eine Woche in den nationalen Charts vertreten, entsprechend schwach für ESC-Verhältnisse ist die Quote. Und interessieren sich die Deutschen schon nicht für das eigene Lied, wie kann man dann erwarten, dass es der Rest von Europa tut? Deshalb landen solche Lieder entsprechend oft sehr weit hinten. Es mag mal umgekehrt passieren, dass ein Song, der in Deutschland großen Erfolg hat, in Europa floppt. Aber dass die, die hier schon floppen, in Europa durch die Decke gehen, ist nahezu ausgeschlossen.

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