Die Kritiker

«Polizeiruf 110: Kindeswohl»

von

Wie gut ist der neue «Polizeiruf 110» aus Rostock? Unsere Kritik zum Neunzigminüter sagt es ...

Cast und Crew

  • Regie: Lars Jessen
  • Drehbuch: Christina Sothmann, Lars Jessen
  • Darsteller: Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau, Junis Marlon, Jack Owen Berglund, Christina Große, Anna Brüggemann, Ilona Schulz, Niklas Post, Josef Heynert, Uwe Preuss, Andreas Guenther, Fanny Staffa, Klaus Manchen
  • Kamera: Kristian Leschner
  • Schnitt: Nikolai Hartmann
  • Musik: Jakob Ilja
Rostock: Der Leiter eines privaten Kinderheimträgers wird erschossen aufgefunden. Kurz darauf gerät das Heimkind Keno in Verdacht. Aber Keno ist zu diesem Zeitpunkt verschwunden – genauso wie Samuel, der Sohn von Kommissar Bukow. Mutmaßlich sind beide zusammen getürmt. War Samuel etwa an der Tat beteiligt? Oder ist er Zeuge und wurde von Keno als Geisel genommen? Der Rostocker Kripo­-Chef Henning Röder überträgt Katrin König die Leitung der von Gefühlen übermannten Ermittlungen. Die Spur der beiden Jugendlichen führt alsbald nach Polen, wo die Emotionen weiter hochkochen …

Der Rostocker «Polizeiruf 110» verfolgt leichte Ansätze einer horizontalen Erzählung: Anneke Kim Sarnaus Figur der Katrin König hat im letzten Fall das Gesetz übertreten und muss im neuen Neunzigminüter mit den Konsequenzen leben. Sie benimmt sich gedämpft, ist emotional nicht mehr mit sich im Reinen und sucht Ablenkung im Dating. Durch Königs aufgewühlte Lage erschwert sich ihre eh schon angespannte Arbeitsbeziehung zu ihrem Kollegen Alexander Bukow.

Hier überschneidet sich der dünne, rote Faden in Sachen Charakterzeichnung mit dem Stoff dieser Episoden. Denn Bukow wiederum ist schroffer denn je, weil sein Sohn Samuel (möglicherweise) mit einem Mitschüler auf die schiefe Bahn geraten ist. Bukows frustrierte, gar wütende Reaktion auf seinen Sohn stößt derweil bei König sauer auf, die eine entspanntere Erziehung vorziehen würde. Kurzum: Harmonisches miteinander Ermitteln ist hier nicht …


Parallel dazu entwickelt sich sukzessive ein wenig aufmunterndes Bild des sozialen Sektors: Die Geschichte rund um Heimkind Keno handelt auch vom "Geschäft" mit der Fürsorge für sozial benachteiligte Menschen. Das Drehbuch von Christina Sothmann und Lars Jessen begnügt sich dabei allerdings mit einigen oberflächlichen Beobachtungen, die in einem erschütterten Tonfall ausformuliert und von Regisseur Lars Jessen in wintergrau-deprimierte Bilder gerahmt werden. Auch die Ermittlerfiguren machen sich das Leben mit ihren Problemen über Gebührt schwer, wenngleich Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau die Rollen in routiniert-fähiger Manier spielen und ihre Sorgen greifbar machen.

Das Ergebnis ist eine dichte, aber auch stellenweise bemüht-trostlose Atmosphäre, die auch nicht verdecken kann, dass die jüngeren Darsteller in diesem Krimi mit dünner Charaktermotivation arbeiten müssen: Ihre Figuren agieren nahezu allein im Dienste einer Aussage über die schlechte Sozialhilfe in Deutschland, nur selten treffen sie menschlich plausible Entscheidungen. So kommt aber auch eine beengende Unberechenbarkeit ins Spiel, was alles in allem einen «Polizeiruf 110» ergibt, der Fans trotz einiger Makel zufriedenstellen dürfte.

«Polizeiruf 110: Kindeswohl» ist am 7. April 2019 um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

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