Interview

Hugo Egon Balder: ,Das Comeback hätte genauso gut auch nicht klappen können'

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Bevor am heutigen Freitag die dritte Staffel des neuaufgelegten «Genial daneben» startet, haben wir mit Sendungsgesicht Hugo Egon Balder gesprochen. Ein Interview über lange Aufzeichnungstage, Wunsch-Comedians und den Piloten zur neuen Witze-Sendung für Sat.1...

Zur Person: Hugo Egon Balder

Seine große TV-Karriere begann kurz nach der Geburt von RTL. Er machte den Privatsender mit Formaten wie «Tutti Frutti» oder «Alles nichts oder?!» bekannt. In den 90ern produzierte er für RTL Frank Elstners «April April» oder die «Freitag Nacht News». 1998 hatte er noch einmal eine Samstagabendshow bei RTL namens «Fata Morgana», danach wurde es ruhig um Balder. 2002 moderierte er den «9Live Tanzmarathon» und fand so den Weg zur ProSiebenSat.1-Gruppe, für deren Sender Sat.1 er ab 2003 acht Jahre lang viele Folgen von «Genial Daneben» moderierte. Es folgten eine Reihe von verrückten Eventshows und zwei Staffeln von «Der Klügere kippt nach» bei Tele 5. Seit März 2017 strahlt Sat.1 neue Folgen von «Genial daneben» aus - mit Balder als Moderator.
Herr Balder, «Genial daneben» ist jetzt bald seit einem Jahr zurück im Fernsehen. Wie ist es Ihnen seit der Neuauflage ergangen?
Och naja, bei mir hat sich nicht viel geändert. Ich muss nur immer schauen, dass wir mit den Aufzeichnungsterminen zusammenfinden, weil ich ja auch Theater spiele. Aber wissen Sie: Das Schöne bei «Genial daneben» ist, dass die Sendung keine große Anstrengung erfordert. Damit meine ich: Man kommt ins Studio rein und macht die Sendung einfach. Ohne stundenlanges Proben im Vorhinein.

Wenn Sie es mal zusammenrechnen: Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit widmen sie derzeit dem Theaterspielen, wie viel bringen Sie fürs Fernsehen auf?
Momentan wende ich 90 Prozent fürs Theater auf. Das kann sich wieder ändern. Kommt drauf an, was man mir alles anbietet und ob ich das dann auch mache.

Die Neuauflage von «Genial daneben» ist auf Anhieb mit guten Quoten gestartet. Hatte Sie das nach der mehrjährigen Pause überrascht?
Man gewöhnt sich im Laufe der Jahre daran, keine Erwartungshaltung mehr zu haben. «Genial daneben» trifft die Zuschauer auf eine bestimmte Art und Weise, weil nie gespielt ist, was in der Sendung passiert. Es gibt keine Autoren, die einem irgendwelche Gags schreiben, die dann meistens von Leuten versemmelt werden, die es nicht können. Außerdem: Der eine oder andere wird bei uns zum Mitraten animiert - sicher auch ein Teil des Erfolgsrezepts.

Sie hätten «Genial daneben» gar nicht erst abgesetzt, sagten Sie DWDL. War der Erfolg der neuen Folgen eine gewisse Genugtuung für Sie?
Nein, absolut nicht! Ich bin kein Mensch, der über sowas eine innere Schadenfreude entwickelt. Wenn es klappt, dann ist das schön und freut mich. Das Comeback hätte genauso gut auch nicht klappen können. Dann hätte man es halt versucht und einsehen müssen, dass die Zeit einfach rum ist.

Sie zeichnen bis zu drei Folgen von «Genial daneben» am Tag auf…
In der Regel zeichnen wir zwei Folgen pro Tag auf. Das hat im Dezember nicht immer geklappt, weil es mit meinem Terminkalender nicht anders zu vereinbaren war. Dann mussten wir zweimal drei Folgen produzieren. Und ja, drei Folgen am Tag ist schon ein bisschen viel - nicht zuletzt auch, weil man dann schon mittags anfangen muss. Und Zuschauer um 14 Uhr in die Aufzeichnung zu bekommen, ist schwierig.

Auf der anderen Seite finde ich aber, dass selbst die schlechteren Folgen von «Genial daneben» immer noch besser sind als vieles andere im Fernsehen, worüber man am Ende sagt, dass es doll war. Ich meine, ich kenne 95 Prozent der Menschen, die bei mir sitzen. Ich weiß, wie sie wann reagieren. Ich muss sie einfach nur angucken, um eine bestimmte Reaktion zu erzielen, mit der wieder Dynamik in die Sendung kommt.
Hugo Egon Balder
Wie schwierig ist es denn für Sie als Gastgeber, auch noch in der dritten Folge an einem Tag „lustig“ zu sein?
Für mich ist es einfach. Schwieriger ist es für die Menschen, die im Panel sitzen - besonders für Hella und Wigald, die jedes Mal mit dabei sind. In der dritten Sendung kann man schon mal durcheinanderkommen nach mehrerer Stunden Aufzeichnung. Machbar ist alles, aber es ist nicht optimal.

Jetzt sind wir uns vermutlich einig, wenn ich sage, dass es bei «Genial daneben» die etwas besseren und auch die etwas schwächeren Folgen gibt. Merken Sie schon während der Aufzeichnung, ob eine Folge richtig gut wird?
Während der Aufzeichnung merke ich es schon - auch wenn die Sendung stockt. Und in diesen Momenten versuche ich in irgendeiner Form einzugreifen, um das Ganze wieder hochzukriegen. Auf der anderen Seite finde ich aber, dass selbst die schlechteren Folgen von «Genial daneben» immer noch besser sind als vieles andere im Fernsehen, worüber man am Ende sagt, dass es doll war. Ich meine, ich kenne 95 Prozent der Menschen, die bei mir sitzen. Ich weiß, wie sie wann reagieren. Ich muss sie einfach nur angucken, um eine bestimmte Reaktion zu erzielen, mit der wieder Dynamik in die Sendung kommt. Da hat man Menschen vor sich sitzen, auf die man sich verlassen kann.

Sat.1 drückt bei «Genial daneben» ziemlich aufs Gaspedal, in kurzer Zeit haben Sie drei Staffeln produzieren dürfen. Haben Sie Angst vor einem «Genial daneben»-Overkill?
An sich nicht. Ich hatte in den 2000er-Jahren ein bisschen Angst, als Sat.1 «Genial daneben» zweimal wöchentlich zeigte, am Freitag und am Samstag. Da habe ich ein bisschen vor gewarnt. Im Moment haben wir drei Staffeln mit zehn Folgen. Es gibt andere Formate im Fernsehen wie «Wer wird Millionär?», die ja auch seit Jahren funktionieren. Klar ist, dass irgendwann mal Feierabend sein wird. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken.

Und für eine potentielle vierte Staffel? Gäbe es da noch Gäste, die Sie gerne mal im Panel sitzen hätten?
Ja, da gibt es einige. Zum Beispiel Oli Kalkofe, Helge Schneider oder Oliver Welke. Das Problem ist nur, dass die Leute nicht zu Hause sitzen und warten, bis man sie anruft und zu «Genial daneben» einlädt. Wir werden sie in Zukunft vielleicht in der Sendung sehen - wir müssen da einfach hoffen, dass wir in Zukunft terminlich zusammenfinden.

Einer, der in der Vergangenheit auch schon bei Ihnen saß, ist Luke Mockridge. Luke ist bei Ihrem Sender ja gerade auch ziemlich erfolgreich unterwegs. Verfolgen Sie, was der Kollege macht?
Ja, immer wenn ich Zeit habe, schaue ich mir seine Sendungen an. Und ja, ich freue mich für ihn. Er ist mal endlich wieder ein junges Gesicht, das Spaß macht - und man merkt ihm auch an, dass er selber Spaß dran hat.

Unser Vor-Ort-Bericht zu «Genial daneben»

Quotenmeter.de-Redakteur Sascha Blättermann war bei der ersten Aufzeichnung der Neuauflage im Jahr 2017 vor Ort. Lesen Sie hier, was passiert ist.
Im Dezember haben Sie einen Piloten zu einer neuen Witzesendung aufgezeichnet. Wie zufrieden
waren Sie mit dem Produkt?

Ich kann es schwer beurteilen, weil ich den Piloten nicht gesehen habe. Während der Aufzeichnung einer neuen Sendung denkt man auch nicht wirklich daran. Was ich schon empfunden habe, ist, dass man es etwas intimer machen müsste, wenn man die Sendung in Serie schicken will. Das heißt, dass die Zuschauer nicht so weit von uns weg sitzen sollten, und auch unsere Runde könnte enger zusammenrücken.

Wissen Sie schon, ob die Sendung in Serie geht?
Nach meinem Stand ist das noch nicht entschieden.

Nehmen wir mal an, es geht weiter: Würden Sie das Konzept so stehen lassen? Beim Piloten ging es ja nur um ein paar Leute, die sich im Studio zum Witzerzählen treffen - ohne größeres Konzept dabei…
Das ist im Prinzip ja wie abends in der Kneipe sitzen! Wenn einer mit dem Witzereißen anfängt, hört man gar nicht mehr auf! An manchen Abenden klappt’s, an machen nicht. Aber ich habe genug Abende erlebt, wo es funktioniert hat. Und genauso könnten wir es machen.

Mit Constantin Entertainment haben Sie im letzten Jahr eine exklusive Zusammenarbeit vereinbart - mit dem Ziel, neue Konzepte fürs Fernsehen zu entwickeln. Wie sieht es da aktuell aus?
Die Jungs und Mädels von Constantin sind jetzt erstmal mit «Genial daneben» beschäftigt, da haben sie genug zu tun. Ich weiß nicht, was Constantin noch im Schublädchen hat – aber wenn es was gibt, werden sie es mir sagen. Fürs Erste bin ich aber ziemlich ausgelastet, muss ich auch sagen.

Sie sind seit Jahrzehnten im TV-Geschäft und haben unzählige Sendungen gemacht. Schaut man nach einer so langen Zeit überhaupt noch auf die Quote?
Quoten sind wichtig für den Sender. Ich könnte mich mit denen auch verrückt machen. Aber je länger man in diesem Geschäft tätig ist, desto mehr gewöhnt man sich daran. Wenn ich eine Sendung mache und am nächsten Morgen keine einzige Nachricht auf meinem Handy ist - okay, dann wird es nicht so gut gewesen sein. Anders ist das, wenn mir viele geschrieben haben. Das ist dann schon ein Zeichen, dass eine gute Sendung gewesen sein muss. Ich frage aber auch nicht gezielt nach. Ich warte, ob mich jemand anruft und mir Rückmeldung gibt. Ändern kann ich es sowieso nicht.

Nee, habe ich nicht. Ich werde es irgendwann schon selber merken, wenn es nicht mehr geht. Noch
geht’s aber.
Hugo Egon Balder auf die Frage, ob er sich im TV ein eigenes Limit gesetzt hat.
Das heißt, die individuelle Rückmeldung von Freunden und Bekannten ist Ihnen wichtiger als die Quote?
Für mich schon, für den Sender natürlich nicht. Sat.1 ist auf die Quote angewiesen, das ist mir völlig klar. Ich würde mich jedes Mal völlig verrückt machen, wenn ich jede Nacht wegen der Quote nicht schlafen könnte.

Herr Balder, Sie werden demnächst 68 Jahre alt. Häufig werden Witze über Ihr Alter gemacht. Können Sie damit gut leben oder nervt es Sie manchmal auch?
Ach, ich kann damit sehr gut leben (lacht)! Ist doch schön, wenn die Leute Witze über mein Alter machen – und ich immer noch vorhanden bin! Ganz wunderbar!

Haben Sie sich ein Limit gesetzt, wann Sie mit Fernsehen aufhören wollen?
Nee, habe ich nicht. Ich werde es irgendwann schon selber merken, wenn es nicht mehr geht. Noch geht’s aber.

Herr Balder, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die neuen Folgen von «Genial» daneben zeigt Sat.1 in den kommenden Wochen immer freitags um 21.15 Uhr.

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