In „Abgeschleppt“ von «Ein starkes Team» spielen Sie Nicole Bröser, eine Frau zwischen Erb-schaft, Verantwortung und familiärem Konflikt. Was war für Sie der emotionale Kern dieser Fi-gur?
Die Erzählung im Film setzt ein, wo diese Fragen meine Figur schon länger begleiten und sie deshalb schon gelernt hat, einen Umgang damit zu finden. Die Aufgabe beim Spielen war für mich eher danach zu suchen, welche Spuren hinterlassen der Kampf um Anerkennung und das Tragen der Verantwortung bei Nicole. Müdigkeit, stoisches Durchhalten bei einer verlässlichen Ruhe waren da mögliche Antworten und damit Spielaufgaben.
Nicole steht im Schatten eines dominanten Stiefvaters und übernimmt plötzlich die Geschäfts-führung. Wie haben Sie diesen Machtwechsel – und den inneren Druck dahinter – angelegt?
Sie übernimmt das Geschäft wohl überlegt und bestens vorbereitet und vor allem bestens ausgebildet. Das kommt im Film bei einem Gespräch mit den Ermittelnden zur Sprache. Auch kommt zur Sprache, dass man ihr es trotzdem nicht zutraut in diesem Geschäft zu bestehen. Ich habe mich gefragt, wie viel zeigt die Figur in diesem Moment von ihrer Enttäuschung und der ewigen Ablehnung und mich für eine sehr offene Variante entschieden. Das Schöne daran ist, dass es dadurch zwischen den beiden Frauen, also der Kommissarin und Nicole zu einem Moment des gegenseitigen Verstehens kommt. Einem Moment unter Frauen sozusagen. Das hat mir gefallen.
Der Fall führt tief ins Berliner Abschleppmilieu, ein Bereich voller Grauzonen und Aggressionen. Was hat Sie an diesem Setting besonders gereizt?
Das Raue, die großen Autos. 😉 Die Struktur dieses Milieus.
Ihre Figur ist weder eindeutig Täterin noch klare Heldin. Wie wichtig ist Ihnen diese Ambivalenz beim Spielen – gerade im Krimiformat?
Das ist mir natürlich wichtig, da ich davon überzeugt bin, das Nichts und Niemand zu 100 Prozent das eine oder das andere ist. Aber davon abgesehen, macht es einfach immer Spaß eine Figur ambivalent zeichnen zu können, wenn dies schon in das Drehbuch eingeschrieben ist, umso besser.
«Ein starkes Team» lebt stark von Dialogen und präzisem Schauspiel statt Action. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Florian Martens und Stefanie Stappenbeck erlebt?
Es war wunderbar die Beiden kennenlernen zu dürfen und mit ihnen spielen zu können. Eine große Freude.
Nicole verschwindet im Verlauf der Handlung – der Ton kippt von Konflikt zu existenzieller Be-drohung. Wie verändert sich in solchen Momenten der Zugriff auf eine Figur?
Ich kann sagen, dass in diesen Momenten der veränderte Drehort und die tatsächliche Situation in die der eigene Körper geworfen wird, sehr helfen. Ohne zu viel zu verraten: es ist ein starkes Gefühl gefesselt und geknebelt zu sein. Die Reaktion darauf übernimmt der Körper fast von selbst. Bleibt noch die Kunst in dem Moment wo die Kamera läuft zuzulassen, was der Körper an Ausdruck erzählen will.
Sie wechseln regelmäßig zwischen Theater, Film und Fernsehen. Was erlaubt Ihnen eine Rolle in einer etablierten Krimireihe, was andere Formate nicht leisten?
Ich habe großen Spaß daran, in all diesen Formaten arbeiten und mich ausprobieren zu können. Jedes einzelne hat seine besondere Herausforderung. Diese suche ich immer wieder und so findet auch eine wechselseitige Inspiration statt. Am Abend eine Vorstellung im deutschen Theater zu spielen und am nächsten Tag mit Steffi am Set stehen zu dürfen, ein Geschenk.
Nach Projekten wie «Charité», «Tschick» oder zuletzt «Mit der Faust in die Welt schlagen» sind Sie oft Teil gesellschaftlich grundierter Stoffe. Suchen Sie bewusst Rollen, die soziale Spannungen spiegeln?
Ich bin dankbar, dass ich mich mit der Abbildung solcher Stoffe beschäftigen darf und immer wieder froh, dass diese in gewisser Weise zu mir finden. Für die glatte Oberfläche scheine ich weniger tauglich und bin gespannt, was da noch auf mich wartet, auch als reifer werdende Frau. Oft denke ich, und das soll jetzt bitte nicht arrogant klingen, so langsam könnte ich alles spielen. Jedes Jahr Leben mehr, jede Kerbe, jede Erfahrung, jede Minute Glück, machen mich fähiger dazu. Die Lust ist groß.
Der Film erzählt auch von familiären Loyalitäten und alten Verletzungen. Wie viel Biografie darf oder muss eine Figur mitbringen, damit sie glaubwürdig wird?
Ob etwas glaubwürdig ist, sollen natürlich die Zusehenden beurteilen. Und wovon diese Glaubwürdigkeit eigentlich genau abhängt, scheint mir ein großes Geheimnis zu sein. Für mich kann ich sagen, dass ich auf jeden Fall immer versuche meine ganze Persönlichkeit mit einzubringen, und mir in der Vorbereitung viele Fragen stelle und diese auch beantworte. Die berühmten W Fragen, also woher komme ich, wer bin ich, was will ich erreichen in der Szene, wo will ich danach hin, in welchem Verhältnis stehe ich zu den anderen Figuren u.s.w. Wie weit vorne wäre man, wenn man das im Leben immer gut beantworten könnte.
Ganz grundsätzlich gefragt: Was reizt Sie heute mehr – die große Hauptrolle oder die präzise gesetzte Episodenfigur, die lange nachwirkt?
Mich reizt die große Hauptrolle, die präzise gesetzt ist und lange nachwirkt.
Nochmal etwas seriöser geantwortet: ich habe die Erfahrung gemacht, dass man natürlich mehr Möglichkeiten hat, wenn man über viele Tage und einen großen Bogen eine Figur erzählen kann. Man kommt in eine größere Verbindung mit sich und der Figur, und vor allem mit der Kamera und der Regie und in eine Selbstverständlichkeit, unter der man Höchstleistung abrufen kann. Das kann wirklich beglückend sein.
Vielen Dank für das Gespräch!
«Ein starkes Team» ist am Samstag, den 14. Februar, im ZDF zu sehen.







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