Das erste Mal habe ich das 2021 gespürt. Zu der Zeit hat mein Studium sehr stagniert, und ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, es abzubrechen. Gleichzeitig schienen sich meine musikalischen Träume erstmal in Luft aufzulösen. Ich stand plötzlich vor der großen Frage: Wie geht es weiter und wo will ich eigentlich hin?
Sie wollten schon als Kind Musiker werden und standen sogar bei «The Voice» auf der Bühne. Wie schwer war es für Sie, über Jahre hinweg an diesem Traum festzuhalten, obwohl der große Durchbruch zunächst ausblieb?
Sehr schwer. Es ist eine schwierige Branche und ein Beruf, in dem Talent allein bei Weitem nicht reicht. Man erlebt zu 90 Prozent Absagen und Rückschläge. Gleichzeitig reichen die 10 Prozent positiven Momente aus, um den Ansporn und die Freude daran nicht zu verlieren.
Ihre Eltern hatten andere Vorstellungen von Ihrer Zukunft – Studium, Job, Familie. Wie schwierig war es für Sie, zwischen den Erwartungen Ihrer Familie und Ihren eigenen Träumen zu stehen?
Es war nicht so leicht. Meine Eltern sind nach Deutschland gekommen, um meiner Schwester und mir ein besseres Leben zu ermöglichen. Deshalb habe ich mich auch ein Stück weit verpflichtet gefühlt, zumindest das Abitur und ein Studium abzuschließen - was ich dann auch geschafft hab 😉 Zum Glück hat das zeitlich dann doch alles mit der Musik zusammengepasst – und heute sind meine Eltern auch zufrieden.
Ihr Song „Zwischenphase“ ging auf TikTok viral und hat vieles verändert. Können Sie sich noch an den Moment erinnern, in dem Sie gemerkt haben: Jetzt passiert gerade wirklich etwas?
In der Woche vor der Veröffentlichung haben sich die Ereignisse wirklich überschlagen. Der Song bekam jeden Tag Hunderte neue Creations auf TikTok, ich habe einen Label-Deal unterschrieben, und die Streams sind stark gestiegen. Das war schon ziemlich surreal – und gleichzeitig unglaublich schön. Am meisten hat mich aber gefreut, dass so viele Menschen ihre eigenen Geschichten dazu geteilt haben.
Viele Menschen in ihren Endzwanzigern haben Angst, den „falschen“ Weg einzuschlagen. Haben Sie diese Sorge auch – oder hat der Erfolg mit Ihrer Musik Ihnen mehr Vertrauen in Ihre Entscheidungen gegeben?
Diese Angst geht vermutlich nie ganz weg – auch nicht bei mir. Und ehrlicherweise sehe ich mich immer noch am Anfang einer hoffentlich langen Karriere. Ich glaube aber, dass man keine Angst davor haben sollte, Entscheidungen zu treffen, die sich richtig anfühlen und die man für sich gut begründen kann. Am Ende sind es nicht nur die richtigen, sondern auch die falschen Entscheidungen, die uns prägen und uns irgendwann ans Ziel bringen
In der Reportage sprechen Sie offen über Druck und Unsicherheit. Wie wichtig ist es Ihnen als Musiker, genau diese Gefühle auch in Ihren Songs zu verarbeiten?
Sehr wichtig. Meine Songs sollen ein Safe Space sein, an dem genau solche Gedanken und Gefühle Platz haben dürfen.
Sie leben inzwischen in Berlin und konzentrieren sich ganz auf Ihre Musik. Was bedeutet diese Freiheit für Sie – und bringt sie vielleicht auch neue Unsicherheiten mit sich?
Die Freiheit ist großartig, weil ich mich komplett auf die Musik konzentrieren kann. Gleichzeitig ist natürlich auch eine gewisse Unsicherheit da, dass man das langfristig so weiterführen kann.
Die Serie zeigt, dass viele Menschen in diesem Alter das Gefühl haben, andere seien im Leben schon „weiter“. Kennen Sie diesen Vergleichsdruck auch aus Ihrem Umfeld?
Auf jeden Fall. Und das betrifft ganz unterschiedliche Lebensbereiche – von Karriere und Beruf über den eigenen Körper bis hin zum Liebesleben. Gerade in den Zwanzigern verläuft aber bei jedem alles sehr individuell.
Wenn Sie heute auf Ihren bisherigen Weg blicken – vom Studium über die Jobsuche bis zum viralen Hit – würden Sie sagen, dass gerade die Umwege Sie als Künstler geprägt haben?
Nicht nur als Künstler, sondern vor allem als Mensch. Rückblickend denke ich, dass jeder Umweg wichtig war – um daraus zu lernen und manche Fehler vielleicht nicht noch einmal zu machen.
«37°Leben» wird am Sonntag, den 19. April, um 09.03 Uhr im ZDF gesendet. Die Doku ist ab 17. April zum Abruf bereit.







Über zwei Millionen sehen Bayern-Kracher gegen Real

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1. Aufnahmeleitung im Bereich Reality (m/w/d)
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